Wirtschaftslokomotive Deutschland – aber seit 2000 ein Lohnminus von 4,5%

Deutschland gilt seit einiger Zeit als die Wirtschaftslokomotive in Europa und darüber hinaus, doch bei den Arbeitnehmern kommt quasi nichts davon an, außer zusätzlicher Leistungsdruck. Die ILO (Internationale Arbeitsorganisation) hat ihren Global Wage Report 2010 vorgelegt und Politik sowie der Wirtschaft in Deutschland ein bescheidenes Zeugnis ausgestellt. Seit 2000 ist das Real-Einkommen der deutschen Arbeitnehmer um 4,5% gesunken.

„Arbeit muss sich wieder lohnen“ – das war der Wahlspruch der FDP zur Bundestagswahl. Passiert ist seitdem fast gar nichts. Arbeit lohnt sich in Deutschland nach wie vor nicht, viele Arbeitnehmer bekommen höhere Hartz4-Sätze als ihr Arbeitslohn hergibt. Doch was macht die Bundesregierung? Sie erhöht den Druck nach unten und kürzt fast sämtliche Zulagen und streicht radikal Arbeitsmarktprogramme. Sie dämmt die Zeitarbeit nicht weiter ein, welche an Sklaverei erinnert und immer größere Ausmaße annimmt.

Stattdessen nimmt sie sich dem Ruf der Wirtschaft nach billigen Fachkräften an um damit die Löhne im Land weiter niedrig zu halten bzw. noch weiter zu senken. Wie kann es sein, dass die Unternehmen branchenübergreifend für dieses Jahr riesige Gewinne erzielen, aber bei den Arbeitnehmern wieder einmal nichts ankommt?

Quelle: zeit.de

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2 Antworten auf Wirtschaftslokomotive Deutschland – aber seit 2000 ein Lohnminus von 4,5%

  1. Klarlicht sagt:

    Beeindruckt vom Opfergesang der Arbeitgeber ist der deutsche Arbeitnehmer bei jeder noch so geringen Konjunkturirritation schnell gewillt, seine Erwartungen an den Gegenwert seiner Arbeitskraft auf ein Minimum zu reduzieren – „Job haben oder nicht haben“. Welche Alternativen bleiben ihm auch angesichts einer vällig unterentwickelten Unternehmerkultur und der totalen Aussenhandelsfixierung der deutschen Wirtschaft? Die Politik kann und wird es nicht richten…

  2. d.diggler sagt:

    Kann schon, will es aber nicht richten. viel weniger zeitarbeit, mehr arbeitnehmerrechte, mindestlohn – alles politische hebel. aber wer die lobbyquote in berlin und brüssel betrachtet, die bei einem gefühlten verhältnis von verbraucherinteressen vs. unternehmensinteressen von 1 zu 100 liegen mag, der kann sich wirklich keine hoffnungen machen.
    erst wenn der letzte mittelschichtler ins prekariat getrieben wurde und der export wegbricht, werden die regierungsbildenden politiker von 1990 bis heute feststellen, wie dumm, kurzsichtig und inkompetent sie waren, weil sie nur der wirtschaft aufs maul geschaut haben.

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