Verkürzung der Wehrpflicht – Zivildienst kommt an die Schmerzgrenze

Die Wehrpflicht der männlichen Deutschen wird unter der neuen Regierung auf 6 Monate verkürzt. Hierdurch entstehen gewaltige Probleme im Bereich des Zivildienstes, der Bundeswehr ist es eigentlich egal.

In den 70er Jahren hatte die Wehrpflicht mit 18 Monaten noch einen ganz anderen Stellenwert als heute. Der kalte Krieg stand direkt vor der Tür und die 68er konnte man in den Zivildienst auslagern. Lange Zeit war der Zivildienst gegenüber dem Wehrdienst an der Waffe nicht gleichgestellt, das änderte sich erst mit der Jahrtausendwende. Heute werden für beide Dienste 9 Monate angesetzt und demnächst werden es vermutlich 6 Monate.

Das große Problem hierbei liegt allerdings nicht bei der Bundeswehr sondern in dem unentbehrlich gewordenen Zivildienst. Als ich in den 90ern noch meine 15 Monate ableisten musste, war der Zivildienst bereits die Stütze des sozialen Systems in Deutschland. Die individuelle Schwerstbehindertenbetreuung und viele andere Bereiche in sozialen Einrichtungen sind ohne Zivildienst heute gar nicht mehr denkbar.

Die Sozialverbände hierzulande sehen sich in einer Zwickmühle aus Patientenfürsorge und Kostenbewusstsein gefangen und schlagen zurecht Alarm. Heute hat mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband der erste große Pflegedienst seinen Ausstieg aus dem Zivildienst erklärt. Die Kosten und Nutzen bei einem Zivildienst über 6 Monate stehen in keinem Verhältnis mehr, so die Begründung.

Sollten weitere Verbände folgen, was zu erwarten ist, dann werden demnächst nur noch Horden von Hausmeisterzivis das Land bevölkern, die sich weder sozial engagieren noch wirklich nützlich sind. Eine weitere Folge wäre der explosionsartige Bedarf an qualifizierten Pflegekräften ohne staatliche Zuschläge, sprich, der Staat zieht sich weiter zurück und das Pflegesystem und der einzelne Behinderte müssten tiefer in die Tasche greifen.

Im Prinzip handelt es sich hier um eine versteckte Einsparung im Sozialsystem, um die schwarz-gelben Steuersenkungen zu finanzieren. In diesem Punkt hat Herr Westerwelle eindeutig Unrecht – es wird kalt in Deutschland. Weil Schwarz-gelb das aber weiß, wird es vermutlich wieder eine Ungerechtigkeit gegenüber den Zivildienstleistenden geben, indem das Problem einfach umgangen wird. Ich vermute, dass sich die Regierung auf 6 Monate Bundeswehr und 9 Monate Zivildienst einigt und somit Zivildienstleistende wieder klar benachteiligt, denn hier ist der geringste Widerstand und keine Lobby.

Quelle: welt.de

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