Was erwarten Absolventen für Beruf und Zukunft?

Zwei Umfragen haben mich in den letzten Tagen stutzig werden lassen. Es ging mal wieder um die Zufriedenheit und Arbeitsmarktprognosen von Hochschul-Absolventen.

Da gibt es zum einen die Erhebung des Hochschul-Informations-Systems (HIS), das alle fünf Jahre in der HISBUS Online Untersuchung Auskünfte von in Deutschland Studierenden über ihre beruflichen und privaten Ziele für die Zukunft einzuholt. In diesem Jahr hielten die Ergebnisse einige Überraschungen parat: So haben berufliche Ziele wie „eine leitende Funktion übernehmen“, „Anerkennung im Beruf“, oder „überdurchschnittliches im Beruf leisten“ an Zustimmung verloren- zu Gunsten von „Sich der Familie und Partnerschaft widmen“. Nach Angaben immerhin 72%, was die Redaktion des HISBUS dazu verleitete, familiäre Perspektiven als Priorität anzunehmen. Leider ist nicht ersichtlich, aus welcher Fachrichtung die Absolventen stammen. Schon in der letzten Untersuchung waren 80% der Lehrämtler auf dem Familienkurs, wohingegen Wirtschaftswissenschaftler ganz klar die Karriere anpeilten. Ähnlich dürfte es auch in diesem Jahr wieder sein. Von einer Verschiebung zum „privaten“ bei der Karriereplanung kann meiner Meinung nach nicht die Rede sein. Auch die Zukunftseinschätzung fällt bei WiWi`s positiver aus, als etwa bei den Kulturwissenschaftlern. Wen wundert`s: seit Jahren wird im Kulturbetrieb eingespart. Doch ist abzuwarten, ob die Perspektiven in der Wirtschaft in den nächsten Monaten ähnlich rosig aussehen. Die Bankenkrise wird eine Menge an Arbeitsplätzen schlucken und gut qualifizierte Arbeitnehmer mit Absolventen konkurrieren. Prognosen halten nicht mal die Wochenausgabe der ZEIT durch, wie dann erst für die nächsten Monate, Jahre? Und dann noch Arbeitsmarktprognosen: Qualitativ sicherer ist gerade, in die Kristallkugel zu sehen.

Demselben Thema nach den „Absolventenperspektiven“ widmet sich auch der 10. Studierendensurvey der Bundesagentur für Bildung und Forschung (BMBF) und kommt zu dem Schluss, dass, je nach Fachrichtung Studierende unterschiedliche Berufsaussichten haben. Hört, hört!
„Kaum Schwierigkeiten, nach dem Abschluss eine Stelle zu finden“ erwarten 30% der Befragten, 35% rechnen mit Problemen bei der Stellensuche. 13% befürchten, künftig fachfremd tätig sein zu müssen, gefolgt von 11% mit „beträchtlichen Schwierigkeiten“.
Ich bezweifle, dass die Selbsteinschätzung realistisch ist. Wenn ich bei einer Stúdienberatung einen 23-Jährigen vor mir sitzen habe und versuche, mit keiner Praxiserfahrung, nicht mal Ferienarbeit, von Praktika ganz zu schweigen, seinen Lebenslauf „Siemensfähig“ zu machen, und dann höre, wie er sich, noch lebensfern durch den elterlichen Monatsscheck, seine Karriereaussichten vorstellt, bin ich oft sprachlos. Liest der keine Zeitung, keine Branchenblätter, Politikinteresse null? Offensichtlich. Ähnliches vermute ich bei einem Teil der Absolventen: Praxisferne.

Besondere Angst vor Arbeitslosigkeit haben der Erhebung zu Folge übrigens.. Rechtswissenschaftler- und zwar jeder Vierte. Das überrascht mich schon. Ich muss gestehen, dass ich nicht einen Juristen zu meinem engeren Bekanntenkreis zähle, doch teilen sie sich mit Medizinern und Psychologen die oberen Treppchen der Prstigeskala (UNI-SPIEGEL). Während den anderen beiden erwähnten Berufsgruppen glänzende Berufsaussichten gemacht werden, scheint es in der Rechtswissenschaft eng zu werden. Geteilt wird die Zukunftsangst von Kultur- und Sozialwissenschaftlern. Wer sich für das Studium entscheidet ist entweder überzeugter Generalist, auf jeden Fall Idealist, enorm flexibel und leidensstark, oder so liberal erzogen, dass eine andere Profession den Todesstoß zur Familienehre reichen würde.

Noch vor zehn Jahren war ein abgeschlossenes Fach- oder Hochschulstudium ein sicherer Garant für einen Arbeitsplatz. Die Lage wendet sich. Qualifizierte Fachkräfte sind gesucht wie nie. Vor allem die Ingenieurswissenschaften profitieren davon. Ein gutes Gehalt spielt bei den Erwartungen keine Rolle mehr, weil es einfach vorausgesetzt wird. Hier richtete sich der Fokus auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gutem Arbeitsklima und attraktiven Aufstiegschancen.

Insgesamt lässt sich ein Trend hin zum „Nationalen“ beobachten: Mehr „Wohlfühlen, Sicherheit, Familie.“ Weniger „Firmenrenommee, globale Präsenz des Unternehmens, Mega- Karriere.“ Ist das eine Entwicklung die aus der Unsicherheit des Marktes entsteht? Die Welt, die nicht mehr zu verstehen ist, chaotischer wird, große-globale Zusammenhänge nicht mehr gesehen werden, führt zu einem „back to the roots“?

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