Religiöse Gruppen haben das Web 2.0 schon längst für sich entdeckt, nicht nur die Islamisten sind hier aktiv, auch extreme christliche und jüdische Organisationen gehen hier auf Seelenfang. Der Channel bei Youtube oder die Gruppe bei SchuelerVZ gerade auf die leicht zu beeinflussenden Jugendlichen haben es die Missionierer abgesehen.

Anne M. ist 15 Jahre alt und netzwerkt fleißig in Online-Communitys, heute wird sie bei SchuelerVZ in eine Gruppe eingeladen mit dem Titel “Zurück zur Wahrheit”. Neugierig klickt sie auf die Einladung und gelangt in eine Gruppe deren Selbstbeschreibung bei ihr sehr starke Erinnerungen an fundamentale Islamisten weckt. Entrüstet lehnt Anne M. die Einladung ab und meldet die Gruppe bei SchuelerVZ mit der Bitte um Löschung der Gruppe. Keine Löschung, keine Antwort.

Diese Szene spielt sich tagtäglich in den großen Online-Communitys ab, lediglich die kleinen Communitys wie beispielsweise die Reise-Community von RUF Jugendreisen sind noch überschaubar und uninteressant für die Seelenfänger. In den anderen sozialen Netzwerken, von der VZ-Gruppe, über Facebook bis hin zu Youtube ist eine Armee von Missionaren dabei die Jugendlichen zu ködern. Auf der Straße würde keiner mit den Missionaren reden, aber hier im Internet erreichen sie genau ihre Zielgruppe in gigantischer Reichweite.

Bislang sind vor allem die islamistischen Hescher besonders unangenehm aufgefallen, doch andere Glaubensrichtungen holen beängstigend schnell auf. Diese Missionierer nutzen die steigende Jugendarbeitslosigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit der Heranwachsenden aus und die großen sozialen Netzwerke schauen hilflos zu.

Der Gesetzgeber scheint hier ebenfalls machtlos, zumal die aktive Missionierung in Deutschland leider nicht verboten ist. Zu sehr hängt die CDU hier noch an ihren kirchlichen Wurzeln. Die Exekutive ist personell unterbesetzt und kann gerademal die kleinen Ausläufer der Kinderpornographie im Internet ermitteln, was dort wirklich abläuft bleibt auch Ihnen verborgen.

Ich habe mich nach Uli`s Beitrag zur Bewerbung 2.0 an ein Interview mit Prof.Dr. Peter Kruse erinnert, dass ich irgendwann auf Youtube gesehen habe. Er läutet darin das Ende des gesamten web 2.0 ein und seiner Argumentation kann ich bei allem Gehirnschmalz nichts entgegensetzen. Vielleicht fällt euren kritischen Geistern mehr ein.

Die Reise beginnt mit der Frage, ob und was eine Firma und ein soziales Gehirn gemeinsam haben und inwieweit daraus Intelligenz entsteht. Ein intelligentes System ist lebendig und expandiert, es lernt.
Jedes System braucht nach Kruse drei Komponenten, um lebendig zu bleiben (ein nicht lebendiger Organismus ist tot, ein Unternehmen pleite).

  • Vernetzung: Ein System wird dann intelligenter, wenn sich die Vernetzungsdichte erhöht. Logisch: mehr Synapsen oder Kontakte.
  • Erregung: ohne Erregung keine Aufmerksamkeit, ohne Aufmerksamkeit keine Frage, ohne Frage kein kritisches auseinander setzen, dadurch kein Hinterfragen, Grenzen überschreiten, Innovation und, wieder, lernen.
  • Bewertung: Ohne Bewertung bleibt ein System beliebig, kein qualitatives Urteil ist möglich, also auch keine Verbesserung.

Ok. Weiter. Das Internet ist wohl die maximalste Vernetzung der Welt. Auch Erregung ist da, das Netz generiert ständig neue Hipes (vor allem im Sommerloch oder die künstliche Bekanntheit von Leuten mit 100.000 myspace- Feunden). Und die Bewertung? Gerade im web 2.0 (Benutzer erstellen und bearbeiten Inhalte in quantitativ und qualitativ entscheidendem Maße selbst) bleibt die Bewertung, nach Kruse, trivial. Durch unsere Bewertungsmuster, die kulturell geprägt sind (wir können aus dem System heraus nicht reflektieren, weil wir Teil sind), der Mehrdeutigkeit von Sprache und dem Konstruktivismus, aus dem heraus jeder nach Erfahrungen sein eigenes Weltbild konstruiert hat, sei der Zenit des web 2.0 schon überschritten. Zum Einzelnen, mit gewisser Intimität, mag die Bewertung noch gelingen, doch über ein einfaches „gefällt mir/ gefällt mir nicht“ kommt das web 2.0 nicht hinaus. Denn was ist ohne Bewertung bedeutungsvoll, was hat Nährwert. Masse ohne Qualität erstickt unter sich selbst. Und da die Qualitätssicherung dieses großen Systems nicht möglich ist, bliebe nur, die Trivialität anzunehmen oder Exclusivität zu schaffen, was de facto schon geschehe. Teilnetzwerke entstehen immer mehr, weg vom Großen. Und ein exclusives web ist eben kein web mehr.

Das ganze Interview in Youtube-Häppchen ist eine der geistreichsten Darstellungen von dem, was hinter Business, Management, Führung, Dynamiken in komplexen Systemen und Netzwerken steht, die ich in vielen Jahren Austausch und eigener Geschäftsführung gehört habe. Brilliant.

Also: sind wir am Anfang oder beginnendem Ende des web 2.0?

Peter Kruse: Vernetzung, Erregung, Bewertung

Peter Kruse: web 2.0 zwischen Teilnetzen und Titanenaufgabe

Was versteckt sich eigentlich hinter diesem Begriff “Bewerbung 2.0″? Was nicht?

Diese Frage konnten schon die wenigsten bei dem Begriff Web 2.0 beantworten, nun hört man immer wieder Bewerbung 2.0 hier…Bewerbung 2.0 da.

Also ich leite es von dem Begriff “Web 2.0″, der für MICH folgenden Sachverhalt wiederspiegelt: Der Internetnutzer ist selbst im Internet AKTIV, durch social networking, Community, BLOGS, und vieles mehr. Der Begriff “Bewerbung 2.0″ ist für mich daher das interaktive Networking zwischen potenziellem Arbeitnehmer und potenziellem Arbeitgeber.

Allein die Tatsache, dass eine Bewerbung per E-Mail verschickt wird, gehört für mich noch nicht zu 2.0, wie von vielen Leuten verbreitet wird. Die Tatsache, dass sich ein Arbeitgeber über ihre Bewerber im Internet informieren will und versuchen möglichst viele Informationen zu sammeln ist für mich bis zu einem gewissen Grad normal und ebenfalls nicht 2.0. Einige Unternehmen haben aber auch schon richtige Schnüffelsoftware angeschafft, was für mich dann schon eher -6.0 darstellt und eigentlich nur peinlich ist. Die Wahrung von Contenance sollte hier bedacht werden ;-) .

Was also ist Bewerbung 2.0???