Ich bin heute gegen Mittag an einigen Unternehmen vorbeigekommen und habe mich gewundert, dass alle eine Feuerschutzübung machten. Vor den Türen standen Damen in leichten Blusen mit hochgezogenen Schultern hektisch neben Herren ohne Mantel mit zitternden Händen. Bis mir auffiel, dass sie eine Sache gemeinsam hatten: Rauchen. Das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz bringt’s mit sich.

Was kostet das eigentlich ein Unternehmen? Die Zigarettenpause? Kann man das beziffern? Nur 0,14 Sekunden nach meiner Suchanfrage kam die Antwort prompt: es gibt tatsächlich ein Tool zur Berechnung!
Zigarettenpausenrechner

Fehlt nur noch der Rechner für Smalltalk-am-Kopierer, Kaffeepause, unorganisierten Arbeitsplatz, mangelndes Zeitmanagement, Toilettenbesuche, Fehlinformation oder Verzögerung durch Nichtwissen, Parkplatzsuche.
Und darüber hinaus: an der Kasse anstehen, Spams löschen, Socken suchen, Schlüssel suchen, warten auf mail-Antwort, verspätete „Noch“-Freunde und die BAHN, Handwerker und Telekom Servicetechniker, am Schalter der Post zwischen Briefmarken und Überweisungen verzweifeln, Schneeschüppen, Weihnachtsgeschenke umtauschen, für..

Gemeinsames Laufen mit dem Chef, Wochenendausflüge mit dem Team oder regelmäßige Think Tank Abende mit schwerem Rotwein und derben Witzen- Willkommen in der Welt der Firmenkultur! Von Ayurveda Gutscheinen statt Lohnerhöhung war im Vorstellungsgespräch nicht die Rede. Aber wo sollte man sich anpassen und wie sich seine Freiräume nehmen?

  • Arbeitszeit

Hier gibt`s leider wenig Spielraum. Wer in einem Unternehmen gelandet ist, in dem alle schon um sieben Uhr morgens am Schreibtisch sitzen, hat schlechte Karten auf den Nine-to-Five Job. Auf seine Rechte zu pochen bringt meist Einbußen mit sich: statt spannende Projekte zu bekommen unliebsame Restarbeit, man teilt sich das kleinste Büro mit dem stark transpirierenden Praktikanten, der Firmenparkplatz hat eine andere Postleitzahl.
Tipp: Informieren Sie sich als Berufseinsteiger über die Gepflogenheiten der Branche und sprechen Sie mögliche Erwartungen Ihres Arbeitgebers im Vorstellungsgespräch an. Für die Änderung der Arbeitszeit: Reden Sie über Ihre Leistungen, teilen Sie Vorgesetzten bewältigte Zwischenschritte mit und treten Sie mit Engagement, Motivation und eigenen Ideen in Vorleistung um zu zeigen, dass Sie auch erst um zehn ins Büro kommen müssen und noch ausgesprochen produktiv sind. If you don`t shows it, nobody knows it. Wollen Sie noch weiter weg und eigenständiger den Tag gestalten, bringen Sie das Home-Office ins Gespräch. Je selbständiger Sie arbeiten, desto wahrscheinlicher die Möglichkeit, auf offene Ohren zu stoßen. Bieten Sie eine Probezeit an, mit zunächst einem Tag in der Woche von zuhause aus tätig zu sein und vereinbaren Sie ein Feedback beider Seiten nach 30 Tagen. Und sein Sie ehrlich zu sich selbst: nicht jedem liegt die Arbeit in den eigenen vier Wänden.

  • Freizeit

Die Firma als Familie fordert von ihren Mitgliedern „Einbringen in die Gesellschaft“. Nehmen die Aktivitäten Übermaß und passen auch nicht in ihre Lebensführung, lehnen Sie Treffen und Events dankend ab. Freundlich, aber bestimmt. Ernten Sie Kopfschütteln oder unliebsame Äußerungen als Reaktion müssen Sie sich früher oder später wohl nach einem
Arbeitgeber mit mehr Freiraum umsehen.

  • Kritik

Ein Knackpunkt der familiären Intimität in Firmen ist, dass sich entweder niemand auf Schmusekurs traut, Kritik zu äußern (man will sich ja nicht weh tun), oder bei den kleinsten Sachen sofort sie Fetzen fliegen. Fordern Sie ihr Feedback ein und machen Sie deutlich, dass Ihre Kritik nicht persönlich gemeint ist, sondern der Sache dient. (Tipps zum Kritik äußern und Feedback hier).

  • Persönliche Bedürfnisse

Ist leider so: was anders ist, wirkt fremd und macht Angst, lässt Viele zumindest auf Distanz gehen. Sagen Sie offen, wenn sie Vegetarier sind oder aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol trinken. So verhindern Sie das Spekulieren und Tuscheln hinter Ihrem Rücken. Natürlich gibt es Grenzen. Bei intimen Themen sollten sich nicht verpflichtet fühlen, jedem ihr Herz zu öffnen. Ein naher Mensch, Freund, ansonsten der Vorgesetzte oder Chef ins Vertrauen gezogen, kann in Diskretion so manche Hinterlist oder Nachrede unterbinden.

Fakt ist, dass gerade Familien- und familiär geführte Unternehmen mit flachen Hierarchien besonders lang und erfolgreich am Markt sind. Intimität ist die eine Seite- Sicherheit, Ehrlichkeit, Vertrautheit und Vertrauen die andere.

Quelle: Unicum Beruf

Ich habe mich nach Uli`s Beitrag zur Bewerbung 2.0 an ein Interview mit Prof.Dr. Peter Kruse erinnert, dass ich irgendwann auf Youtube gesehen habe. Er läutet darin das Ende des gesamten web 2.0 ein und seiner Argumentation kann ich bei allem Gehirnschmalz nichts entgegensetzen. Vielleicht fällt euren kritischen Geistern mehr ein.

Die Reise beginnt mit der Frage, ob und was eine Firma und ein soziales Gehirn gemeinsam haben und inwieweit daraus Intelligenz entsteht. Ein intelligentes System ist lebendig und expandiert, es lernt.
Jedes System braucht nach Kruse drei Komponenten, um lebendig zu bleiben (ein nicht lebendiger Organismus ist tot, ein Unternehmen pleite).

  • Vernetzung: Ein System wird dann intelligenter, wenn sich die Vernetzungsdichte erhöht. Logisch: mehr Synapsen oder Kontakte.
  • Erregung: ohne Erregung keine Aufmerksamkeit, ohne Aufmerksamkeit keine Frage, ohne Frage kein kritisches auseinander setzen, dadurch kein Hinterfragen, Grenzen überschreiten, Innovation und, wieder, lernen.
  • Bewertung: Ohne Bewertung bleibt ein System beliebig, kein qualitatives Urteil ist möglich, also auch keine Verbesserung.

Ok. Weiter. Das Internet ist wohl die maximalste Vernetzung der Welt. Auch Erregung ist da, das Netz generiert ständig neue Hipes (vor allem im Sommerloch oder die künstliche Bekanntheit von Leuten mit 100.000 myspace- Feunden). Und die Bewertung? Gerade im web 2.0 (Benutzer erstellen und bearbeiten Inhalte in quantitativ und qualitativ entscheidendem Maße selbst) bleibt die Bewertung, nach Kruse, trivial. Durch unsere Bewertungsmuster, die kulturell geprägt sind (wir können aus dem System heraus nicht reflektieren, weil wir Teil sind), der Mehrdeutigkeit von Sprache und dem Konstruktivismus, aus dem heraus jeder nach Erfahrungen sein eigenes Weltbild konstruiert hat, sei der Zenit des web 2.0 schon überschritten. Zum Einzelnen, mit gewisser Intimität, mag die Bewertung noch gelingen, doch über ein einfaches „gefällt mir/ gefällt mir nicht“ kommt das web 2.0 nicht hinaus. Denn was ist ohne Bewertung bedeutungsvoll, was hat Nährwert. Masse ohne Qualität erstickt unter sich selbst. Und da die Qualitätssicherung dieses großen Systems nicht möglich ist, bliebe nur, die Trivialität anzunehmen oder Exclusivität zu schaffen, was de facto schon geschehe. Teilnetzwerke entstehen immer mehr, weg vom Großen. Und ein exclusives web ist eben kein web mehr.

Das ganze Interview in Youtube-Häppchen ist eine der geistreichsten Darstellungen von dem, was hinter Business, Management, Führung, Dynamiken in komplexen Systemen und Netzwerken steht, die ich in vielen Jahren Austausch und eigener Geschäftsführung gehört habe. Brilliant.

Also: sind wir am Anfang oder beginnendem Ende des web 2.0?

Peter Kruse: Vernetzung, Erregung, Bewertung

Peter Kruse: web 2.0 zwischen Teilnetzen und Titanenaufgabe

Am 12. Februar sind in Berlin die 100 Besten Arbeitgeber Deutschlands 2008 ausgezeichnet worden. Der Wettbewerb wurde von dem Forschungs- und Beratungsunternehmen Great Place to Work® Institute Deutschland, in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut psychonomics AG, der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und dem Wirtschaftsmagazin “Capital”, prämiert.

Allein 35 Auszeichnungen gingen an Unternehmen in Bayern, die damit die meisten Besten Arbeitgeber zählen.

Die ersten Plätze des Gesamtrankings konnten das IT-Beratungshaus ConSol Software (Wettbeberbssieger), der Netzwerkspezialist Cisco Systems (Platz 2), das Logistik-Beratungsunternehmen 4flow (3), der Technologiekonzern 3M (4) und der Personaldienstleister Vedior (5) einnehmen.

Zusätzlich wurden fünf Sonderpreise für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Arbeitsplatzkultur vergeben: Microsoft Deutschland erhielt den Sonderpreis für “Chancengleichheit der Geschlechter”, die E.ON Führungsgesellschaften (E.ON AG, E.ON Energie AG, E.ON Ruhrgas AG) für “Gesundheitsförderung”, die SICK AG für die “Förderung älterer Arbeitnehmer”, Dow Deutschland für “Diversity” (kulturelle Vielfalt) und das Vier-Sterne-Tagungshotel Schindlerhof für “Lebenslanges Lernen”.

Für die Qualität und Attraktivität der Unternehmen als Arbeitgeber war das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Führungskräften, die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit ihrer Arbeitstätigkeit und dem Unternehmen insgesamt sowie mit der Atmosphäre am Arbeitsplatz Maßstab der Erhebung. In einer schriftlichen Mitarbeiterbefragung wurden Faktoren wie Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Team ermittelt. Personalverantwortliche gaben extra Auskunft zu Maßnahmen und Konzepten der Personalpolitik. Befragt wurden rund 45.000 Mitarbeiter von insgesamt 252 Unternehmen.

Größenklassengewinner
Unternehmen über 5.000 Mitarbeiter
Platz 1 SAP
Platz 2 Dow Deutschland
Platz 3 Techniker Krankenkasse

Unternehmen von 501 bis 5.000 Mitarbeiter
Platz 1 Cisco Systems
Platz 2 3M Deutschland
Platz 3 impuls Finanzmanagement

Unternehmen bis 500 Mitarbeiter
Platz 1 ConSol* Software
Platz 2 4flow
Platz 3 Vedior Personaldienstleistungen

www.greatplacetowork.de
Deutschlands beste Arbeitgeber

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