Man, man, man. Was muss ich denn da wieder lesen. Laut der Financial Times plant  die merkelwürdige Regierung offenbar, mit einem neuen Gesetz ordentlich an ihrer Imageschraube drehen zu wollen: künftig sollen alle Arbeitslosen, die von privaten Trägern betreut werden, nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen- in diesem Jahr immerhin 300000 Menschen. Der Deus Ex Machina! Im Wahljahr 2009 sollen positive Nachrichten das Wählerherz erweichen und das Kreuz an die richtige Stelle führen.

Aber das ist nur ein weiterer Rechenzauber: Schon im Oktober wurden rund 1 Millionen Arbeitslose nicht mitgezählt, da sie in Weiterbildungsmaßnahmen steckten und damit dem Markt nicht voll zur Verfügung standen. Eine Million! Relativiert wird die Chose, „dass ja die Zahl der Maßnahmenteilnehmer nicht geheim sei“. Achso! Ja dann. So sind die Menschen: sie suchen sich alle Informationen strebsam zusammen, bleibt ja auch soviel Zeit am Ende des Tages, und machen sich dann ihr aufgeklärtes, eigenverantwortliches Bild. Hallo? Ist da noch jemand zu Hause? Oder sind in Berlin schon die Lichter ausgegangen?

Sogar die Bundesagentur für Arbeit hat das Vorhaben kritisiert. So eine Statistik erfüllt nicht mehr ihren Zweck- sie soll valide die Beschäftigungszahlen und -problematik darstellen. Und misst sie nicht mehr.
Und neues Unheil droht schon: ein Drittel der Firmen in Deutschland wollen 2009 wegen der Rezession Jobs streichen. Da muss aber schnell ein weiteres Kaninchen in den Zylinder!

Ich wüsste zu gern, wie die Statistik aussehen würde, wenn die Zahlen bereinigt wären. Und ergänzt um alle, die im Schatten der Marktwirtschaft arbeiten: von Studenten über Frührentner, von Minijobbern zu Schwarzarbeitern, die anders nicht vermittelbar sind.

Bericht in der Financial Times Deutschland

Man, bin ich Wochenend-verdient. Ich komme aus einer Hauptschule, in der ich eine Woche lang, sechs Stunden am Tag, fünf Klassen in den Beruf orientiert habe. Hauptschule, uih.
Messer, und schiefe Baseballcaps und viele Ausländer, viel zu junge Mädels in viel zu kurzen Röcken und alle können so gerade ihren eigenen Namen richtig schreiben.

Teils-teils.

Die Einen sind sehr engagiert, haben in drei Schulpraktika schon eine Berufsrichtung gefunden und verfolgen die Schulzeit mit der Motivation: bloß fertig werden damit- danach wird alles besser. Die Anderen (ca. ein Drittel) haben trotz Praktika immer noch keine Ahnung, wo’s mal hingehen soll. Und das fand ich wirklich erschreckend. Nachbereitung der Schule? Null. Austausch mit Lehrern über eigene Stärken und Schwächen? Null. Dann ist da noch ein kleiner Rest von Utopiern. Berufswusch: Schauspielerin, Pilot, Arzt, Politiker, Rapper, Richter (läuft die „Salesch“ eigentlich noch?). Großes Erstaunen wenn klar wird, welche Qualifikationen gebraucht werden. Noch eine bittere Erkenntnis: der Beruf Arzthelferin hat zwar was mit Arzt zu tun, wird aber nicht ansatzweise so gut bezahlt. Aaach?!?

Wirklich überrascht hat mich aber eine junge Frau, die gut eine Stunde zu spät kam, die Lehrerin saß kommentarlos hinten in der Klasse, und auf mein „Guten Morgen“ kam keine Antwort, was nur mich verdutzte, aber niemanden sonst. Auf meinem fragenden Gesichtsausdruck reagierend meinte die Lehrbeauftragte: „die kommt aus Polen und versteht Sie nicht. Können Sie vergessen. Lassen Sie sie einfach da sitzen.“ Bitte was? Und das war nicht der einzige Fall. Wie groß ist denn der Teil von Schülern, die da einfach mitgeschliffen werden, keinen qualifizierten Abschluss machen und an die nächste Schulform überwiesen werden? Sollen die sich doch damit rumquälen!“

Die schlimmste Zeit waren übrigens die Pausen im Lehrerzimmer. Sowas an Frust, Resignation und Front gegen Schüler hab ich noch nicht erlebt. Offene Freude über schlechte Noten Einzelner , Unheimlichen Vorwarnungen („bei dem müssen sie gleich aufpassen, der fackelt nicht lange“) und Gemecker an allen Ecken und Enden. Hallo?? Das ist doch genau Euer Job! Eure Klientel. Und wer das nicht begreift und umsetzen kann, motivierend, unterstützend, begleitend, schwänzt einen anderen Beruf. Da kann ich viel Berufsorientierung machen wenn die Lehrer schon bewußtlos-orientierungslos sind. Zum Glück gibt es auch andere: Samt und Sonders jung oder ganz klar mit Visionen aus einem anderen Beruf gewechselt. Doch das sind wenige.

Und die Rowdys, denen ich aus dem Weg gehen sollte, waren absolut handzahm, weil ich ihnen mit Respekt begegnet bin. Die waren fit, auch emotional und sozial. Die haben sich einfach nicht alles gefallen lassen. Aber wer einmal in der Schublade sitzt, kann am Ende bei allen Anschuldigungen, aus Frust nur noch so werden wie das Klischee. Aber das ist schulgemacht.

Da ist bildungspolitisch das Schulboot dermaßen in Schieflage geraten, dass mir Diskussionen um Elite-Universitäten immer unmenschlicher vorkommen. Das System hat aufgegeben und sich damit abgefunden, Looser zu produzieren und zu verwalten. Oder brauchen wir dieses Kastenwesen? Für gestiegene Ansprüche? Die Zahl der Hilfsjobs wird steigen. Service und geringe Dienstleistungen werden die Tätigkeiten sein, die Menschen ohne Qualifizierung den Broterwerb sichern werden. Für mehr wird es nicht reichen. Flaschen einsortieren im Getränkemarkt. Glück hat, wem mangels Intelligenz die Monotonie nicht auffällt. Aber viele werden sich 11000 Tage lang quälen, weil sie nicht entsprechend ihrer Schwächen unterstützt und Potentiale gefördert wurden. Und das ist viel mehr als Unglück..

Gemeinsames Laufen mit dem Chef, Wochenendausflüge mit dem Team oder regelmäßige Think Tank Abende mit schwerem Rotwein und derben Witzen- Willkommen in der Welt der Firmenkultur! Von Ayurveda Gutscheinen statt Lohnerhöhung war im Vorstellungsgespräch nicht die Rede. Aber wo sollte man sich anpassen und wie sich seine Freiräume nehmen?

  • Arbeitszeit

Hier gibt`s leider wenig Spielraum. Wer in einem Unternehmen gelandet ist, in dem alle schon um sieben Uhr morgens am Schreibtisch sitzen, hat schlechte Karten auf den Nine-to-Five Job. Auf seine Rechte zu pochen bringt meist Einbußen mit sich: statt spannende Projekte zu bekommen unliebsame Restarbeit, man teilt sich das kleinste Büro mit dem stark transpirierenden Praktikanten, der Firmenparkplatz hat eine andere Postleitzahl.
Tipp: Informieren Sie sich als Berufseinsteiger über die Gepflogenheiten der Branche und sprechen Sie mögliche Erwartungen Ihres Arbeitgebers im Vorstellungsgespräch an. Für die Änderung der Arbeitszeit: Reden Sie über Ihre Leistungen, teilen Sie Vorgesetzten bewältigte Zwischenschritte mit und treten Sie mit Engagement, Motivation und eigenen Ideen in Vorleistung um zu zeigen, dass Sie auch erst um zehn ins Büro kommen müssen und noch ausgesprochen produktiv sind. If you don`t shows it, nobody knows it. Wollen Sie noch weiter weg und eigenständiger den Tag gestalten, bringen Sie das Home-Office ins Gespräch. Je selbständiger Sie arbeiten, desto wahrscheinlicher die Möglichkeit, auf offene Ohren zu stoßen. Bieten Sie eine Probezeit an, mit zunächst einem Tag in der Woche von zuhause aus tätig zu sein und vereinbaren Sie ein Feedback beider Seiten nach 30 Tagen. Und sein Sie ehrlich zu sich selbst: nicht jedem liegt die Arbeit in den eigenen vier Wänden.

  • Freizeit

Die Firma als Familie fordert von ihren Mitgliedern „Einbringen in die Gesellschaft“. Nehmen die Aktivitäten Übermaß und passen auch nicht in ihre Lebensführung, lehnen Sie Treffen und Events dankend ab. Freundlich, aber bestimmt. Ernten Sie Kopfschütteln oder unliebsame Äußerungen als Reaktion müssen Sie sich früher oder später wohl nach einem
Arbeitgeber mit mehr Freiraum umsehen.

  • Kritik

Ein Knackpunkt der familiären Intimität in Firmen ist, dass sich entweder niemand auf Schmusekurs traut, Kritik zu äußern (man will sich ja nicht weh tun), oder bei den kleinsten Sachen sofort sie Fetzen fliegen. Fordern Sie ihr Feedback ein und machen Sie deutlich, dass Ihre Kritik nicht persönlich gemeint ist, sondern der Sache dient. (Tipps zum Kritik äußern und Feedback hier).

  • Persönliche Bedürfnisse

Ist leider so: was anders ist, wirkt fremd und macht Angst, lässt Viele zumindest auf Distanz gehen. Sagen Sie offen, wenn sie Vegetarier sind oder aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol trinken. So verhindern Sie das Spekulieren und Tuscheln hinter Ihrem Rücken. Natürlich gibt es Grenzen. Bei intimen Themen sollten sich nicht verpflichtet fühlen, jedem ihr Herz zu öffnen. Ein naher Mensch, Freund, ansonsten der Vorgesetzte oder Chef ins Vertrauen gezogen, kann in Diskretion so manche Hinterlist oder Nachrede unterbinden.

Fakt ist, dass gerade Familien- und familiär geführte Unternehmen mit flachen Hierarchien besonders lang und erfolgreich am Markt sind. Intimität ist die eine Seite- Sicherheit, Ehrlichkeit, Vertrautheit und Vertrauen die andere.

Quelle: Unicum Beruf

Die DuddlDaddlDiddl Maus wird 18. (unglaublich, kenne nichts hässlicheres in Form und Sprache), Sigmund Jähn ist seit 30 Jahren aus dem deutschen All zurück und die CSU macht Propaganda-Wahlkampf mit echsenhaften Endzeitparolen vom Kalten Krieg. Da schenkt mir zur Erheiterung des Deutschen liebstes Intellektuellenblatt “Die Zeit“ , zeilenweise planetenfern, einen possierlichen Artikel. Aussage des Werkes: Warum nehmen Arbeitnehmer nicht ihr parlamentsgegebenes Recht auf Bildungsurlaub in Anspruch?

Ja, endlich stellt mal jemand die Frage! Aber Bildungsurlaub? Was ist das eigentlich? Ja, und während der unbedarfte Redakteur über Art und Weise, Ort und Inhalt von Angeboten sinniert, schellt es an der Tür und fünf Antworten sehen mich elegisch an: Eine junge Mutter mit Kind, die meint, wenn sie in ihrer Situation auch noch Bildungsurlaub nehmen würde, wärs das in der Firma. Ein BWL Student im 5. Praktikum nach dem Abschluss mit der Frage: Kann ich den auch nehmen? Worauf hin ihm der graumelierte Mitfünfziger erwidert: Also in meiner Zeitarbeitsfirma gibt’s das für Ingenieure jedenfalls nicht. Ein derber Hustenanfall unterbricht ihn, die Sekretärin neben ihm greift sich im Schmerz den Hals: Wenn ich schon krank ins Büro gehe, krächst sie, um meine Stelle zu füllen, wie soll ich mir dann noch die Zeit für Bildung nehmen? Ich würde mich auch nicht trauen, weil meine Kollegen für meine „freie Zeit“ extra arbeiten müssten. Was das fürs Klima bedeutet muss ich wohl nicht sagen. Betretenes Schweigen. Hinter der Gruppe, versteckt und mit eingezogenem Kopf, steht ein Herr im Anzug, vor dem sich plötzlich eine Gasse bildet und den Blick auf ihn frei gibt. Zögernd sieht er auf und sagt: Ich gebe Arbeit. Und würde auch gern den Bildungsurlaub geben. Aber das ist mit 42 realen Arbeitswochen nach Urlaub, Krankheit oder Feiertagen bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht drin. Wortlos stiebt die Gruppe auseinander.

Wo Zeitarbeitsfirmen mit Niedriglöhnen boomen, Eltern in der Berufswelt massiv benachteiligt sind, „Glück“ für Viele heißt, von ihrer Arbeit leben zu können und das Gut Bildung schon in jungen Generationen so vernachlässigt wird, da gehen Zeit-Redakteure am Besten mit Politikern in den Bildungsurlaub, um Realität, Verantwortung, Nachhaltigkeit und Schadensbegrenzung zu lernen.

Artikel in der “Zeit”

Immer mehr Menschen versuchen, durch ein Bewerbungsvideo bei Unternehmen zu punkten und sich optimal zu präsentieren.

Nicht jedem gelingt dieser Schritt. Ein Bewerbungsvideo kann eine sehr gute Ergänzung zu den Bewerbungsunterlagen darstellen, aber nur wenn das Video auch wirklich gut gemacht ist. Die Kriterien, die an eine Videobewerbung gelegt sind, können wesentlich umfangreicher sein, als dies den Bewerbern bewusst ist. Zudem ist nicht jeder Bewerber videogen, was einen negativen Effekt ausüben kann.

Die Entscheidung zu einer Videobewerbung, als Ergänzung zu den Unterlagen sollte daher gut durchdacht sein, sonst kehrt sich der vermeintlich positve Zusatznutzen in die negative Richtung.