Gute Mitarbeiter zu finden ist von jeher schwierig und aufwendig. Die Konkurrenz um talentierte Absolventen, qualifizierte Angestellte oder „High Potentials“ ist stark geprägt von der Attraktivität des Unternehmens. Und neben Karrierechancen, Firmenranking oder Image wird die Entscheidung letztendlich emotional gefällt. Die Topabsolventen zieht es eher noch Berlin statt nach Buxtehude, Madrid anstelle von Münster.

Ich hab mal die Karriere-Sites einiger Dax und Xetra Unternehmen unter die Lupe genommen um zu sehen, wie neue Talente geködert werden. In die selektive und subjektive Auswahl fielen Tschibo, Deutsche Bank, Audi, BASF, adidas, Nike, Bertelsmann, Porsche und Sony. Bei allen ähnlich ist der jeweilige „Jobs und Karriere“- Menüpunkt aufgebaut: Schüler; Studenten, Berufseinsteiger und Berufserfahrene, in Unterpunkten die jeweiligen Möglichkeiten und Förderungen. Daran angeschlossen folgen virtuelle Erfahrungsberichte.
Und die haben es in sich: In einen kühlen, klaren Raum , der nach allen Künsten der Innenarchitektur kreiert ist und durch meterhohe Panoramafenster einen orgastischen Ozeanblick bereit hält, (wie anschaulich, um die Firma kennen zu lernen) treten verschiedene Personen in die Bluebox und beschreiben ihren Werdegang, Arbeitsbereich und die Motivation. Gut und schön. Aber anmachen tut mich das nicht. Durch die Bank ohne jedes Quentchen schauspielerischen Talents. Naturalistisch könnte man das nennen. Informativ, ok. Aber null emotional. Ich weis, da werden genau die Menschen dargestellt, wie sie sind. Will ich das sehen? Den Alltag, der mich früh genug meiner Illusion entreisst? Ich will nicht träumen, aber ein bischen verführt und umgarnt werden. Vorspiel nenn ich das. Und bitte: wenn ich schon das Medium Film wähle, dann doch auch mit den Rahmenbedingungen Und die haben einfach etwas mit Darstellung zu tun- Ich stelle durch Film mich dar. Ich wette nicht nur mir als Theatermann geht das so.
Ein trauriges Beispiel? Aber gern..!
Tchibo

Die Einzigen, die ihren Berg so bepflanzt haben, dass ich mich tatsächlich beim Packen meiner Schuhe ertappt habe, ist Bertelsmann. Wen wundert`s. Als Besitzer von RTL und BMG wissen sie, wie man Gefühle und Träume verkauft..müssen sie aber auch- ich sag nur Gütersloh..!

Externe Fort- und Weiterbildung wird ja immer wichtiger, um seinen Marktwert weiter zu erhöhen. Volkshochschulen, Fernuniversitäten und Bildungs-Dienstleister boomen. Ständig sehe ich neue Anzeigen, die Dozenten und Semnarleiter suchen und jede Woche kommt ein weiterer Anbieter auf den Markt.

Ich suche gerade nach Human Resources- oder Personalentwicklung Seminaren, weil ich bei Studienberatungen und Bewerbungstrainings immer mehr in den Coaching-Bereich komme und immer mehr Fragen zu persönlicher Karrieregestaltung und Selbstmanagement gestellt werden. Nach zwei Abenden Suche, voll lauter knackigen Teasern, Karriere-Versprechungen und kunterbunter Pop-up Kunst, kann von mir nicht mehr wirklich die Rede sein. Dass ich mich nicht zu den Akten legen musste, verdanke ich einer Site namens Semigator..de.

Wer die gute Navigation mit detaillierten Suchangaben nutzt, findet sicher aus über 200.000 Kursen das maßgeschneiderte Wohlfühl-Seminar. Finde ich sehr hilfreich, weil man auch nach den einzelnen Kategorien Ort, Thema, Termin und Preis suchen kann. Ich bin jedenfalls fündig geworden, meine Motivation ist gerettet, sonst hätte ich die Aktion auf nächstes Jahr geschoben. Auch informativ sind die frei sehbaren Vortragsvideos, meist Mitschnitte aus Seminaren.

Wem sich die Kopfhaare bei teilweise gesalzenen Angebotspreisen, gerade in der Vorweihnachtszeit, vor Schreck in die Stirnhöhle graben wollen, sei gesagt: Bildungscheck NRW. Gibt’s unter anderem Namen aber auch in anderen Bundesländern. Bis zu 500€ der Kursgebühr können vom Land übernommen werden. In der Broschüre sind als Leistungsberechtigte zwar Unternehmen und deren Mitarbeiter mit bis zu 250 Angestellten erwähnt, die Förderung steht aber auch jeder Privatpersonen zu.

Viel Spaß beim Weiterkommen!

www.semigator.de

Bildungsscheck NRW

Zwei Umfragen haben mich in den letzten Tagen stutzig werden lassen. Es ging mal wieder um die Zufriedenheit und Arbeitsmarktprognosen von Hochschul-Absolventen.

Da gibt es zum einen die Erhebung des Hochschul-Informations-Systems (HIS), das alle fünf Jahre in der HISBUS Online Untersuchung Auskünfte von in Deutschland Studierenden über ihre beruflichen und privaten Ziele für die Zukunft einzuholt. In diesem Jahr hielten die Ergebnisse einige Überraschungen parat: So haben berufliche Ziele wie „eine leitende Funktion übernehmen“, „Anerkennung im Beruf“, oder „überdurchschnittliches im Beruf leisten“ an Zustimmung verloren- zu Gunsten von „Sich der Familie und Partnerschaft widmen“. Nach Angaben immerhin 72%, was die Redaktion des HISBUS dazu verleitete, familiäre Perspektiven als Priorität anzunehmen. Leider ist nicht ersichtlich, aus welcher Fachrichtung die Absolventen stammen. Schon in der letzten Untersuchung waren 80% der Lehrämtler auf dem Familienkurs, wohingegen Wirtschaftswissenschaftler ganz klar die Karriere anpeilten. Ähnlich dürfte es auch in diesem Jahr wieder sein. Von einer Verschiebung zum „privaten“ bei der Karriereplanung kann meiner Meinung nach nicht die Rede sein. Auch die Zukunftseinschätzung fällt bei WiWi`s positiver aus, als etwa bei den Kulturwissenschaftlern. Wen wundert`s: seit Jahren wird im Kulturbetrieb eingespart. Doch ist abzuwarten, ob die Perspektiven in der Wirtschaft in den nächsten Monaten ähnlich rosig aussehen. Die Bankenkrise wird eine Menge an Arbeitsplätzen schlucken und gut qualifizierte Arbeitnehmer mit Absolventen konkurrieren. Prognosen halten nicht mal die Wochenausgabe der ZEIT durch, wie dann erst für die nächsten Monate, Jahre? Und dann noch Arbeitsmarktprognosen: Qualitativ sicherer ist gerade, in die Kristallkugel zu sehen.

Demselben Thema nach den „Absolventenperspektiven“ widmet sich auch der 10. Studierendensurvey der Bundesagentur für Bildung und Forschung (BMBF) und kommt zu dem Schluss, dass, je nach Fachrichtung Studierende unterschiedliche Berufsaussichten haben. Hört, hört!
„Kaum Schwierigkeiten, nach dem Abschluss eine Stelle zu finden“ erwarten 30% der Befragten, 35% rechnen mit Problemen bei der Stellensuche. 13% befürchten, künftig fachfremd tätig sein zu müssen, gefolgt von 11% mit „beträchtlichen Schwierigkeiten“.
Ich bezweifle, dass die Selbsteinschätzung realistisch ist. Wenn ich bei einer Stúdienberatung einen 23-Jährigen vor mir sitzen habe und versuche, mit keiner Praxiserfahrung, nicht mal Ferienarbeit, von Praktika ganz zu schweigen, seinen Lebenslauf „Siemensfähig“ zu machen, und dann höre, wie er sich, noch lebensfern durch den elterlichen Monatsscheck, seine Karriereaussichten vorstellt, bin ich oft sprachlos. Liest der keine Zeitung, keine Branchenblätter, Politikinteresse null? Offensichtlich. Ähnliches vermute ich bei einem Teil der Absolventen: Praxisferne.

Besondere Angst vor Arbeitslosigkeit haben der Erhebung zu Folge übrigens.. Rechtswissenschaftler- und zwar jeder Vierte. Das überrascht mich schon. Ich muss gestehen, dass ich nicht einen Juristen zu meinem engeren Bekanntenkreis zähle, doch teilen sie sich mit Medizinern und Psychologen die oberen Treppchen der Prstigeskala (UNI-SPIEGEL). Während den anderen beiden erwähnten Berufsgruppen glänzende Berufsaussichten gemacht werden, scheint es in der Rechtswissenschaft eng zu werden. Geteilt wird die Zukunftsangst von Kultur- und Sozialwissenschaftlern. Wer sich für das Studium entscheidet ist entweder überzeugter Generalist, auf jeden Fall Idealist, enorm flexibel und leidensstark, oder so liberal erzogen, dass eine andere Profession den Todesstoß zur Familienehre reichen würde.

Noch vor zehn Jahren war ein abgeschlossenes Fach- oder Hochschulstudium ein sicherer Garant für einen Arbeitsplatz. Die Lage wendet sich. Qualifizierte Fachkräfte sind gesucht wie nie. Vor allem die Ingenieurswissenschaften profitieren davon. Ein gutes Gehalt spielt bei den Erwartungen keine Rolle mehr, weil es einfach vorausgesetzt wird. Hier richtete sich der Fokus auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gutem Arbeitsklima und attraktiven Aufstiegschancen.

Insgesamt lässt sich ein Trend hin zum „Nationalen“ beobachten: Mehr „Wohlfühlen, Sicherheit, Familie.“ Weniger „Firmenrenommee, globale Präsenz des Unternehmens, Mega- Karriere.“ Ist das eine Entwicklung die aus der Unsicherheit des Marktes entsteht? Die Welt, die nicht mehr zu verstehen ist, chaotischer wird, große-globale Zusammenhänge nicht mehr gesehen werden, führt zu einem „back to the roots“?

Zunächst einmal: Die Bloggerszene feiert Geburtstag! Der Bewerberblog wird ein Jahr alt und Herzliche Glückwünsche gehen auch an die Karrierebibel und Jochen Mai, der schon im Juni seinen Erfolg feiern konnte. Last but not least eine Torte mit drei Kerzen für den JoBlog von Marcus Tandler, ein wirklich alter Hase, mit Freude am Pokerface und wohl so vielen Vielflieger-Punkten, wie ich sie in meinem Leben nicht erreichen werde. Alles Gute Euch!

Durch Marcus`Blog bin ich auch auf einen Harz IV-Empfänger gestoßen, der sein Hirn schon in die BILD Online Zeitung gewickelt haben muss. Mit ausgestecktem Mittelfinger zeigt dieser Schein-Anarcho, wie er den Sozialstatt besch.. , gut von Schwarzarbeit lebt und mit vier Handys ständig auf der Flucht ist und Finten legt, um Kontrolleuren der Arge nicht in die Hände zu fallen. Lebenswert scheint mir das nicht, sehenswert allemal, da seine Scharaden auch noch per „Lehrvideo“ festgehalten sind. Und wenn schon beim Film, dann bitte auch den Ruhm, weshalb schließlich auch noch sein vollständiger Name und das zuständige Amt genannt werden. Geschlafen hat er gern bis mittags, ausgeschlafen war er aber nicht. Auauau!

Jetzt zum Eigentlichen. Ich habe gestern The Dark Knight gesehen (Filmkritiken gibt`s genug, ich fand ihn unterhaltsam und definitiv charakterlich/psychologisch besser gezeichnet als die Verfilmungen vor Christopher Nolan), überrascht hat mich aber vorher die Werbung. Das Cineplex (Münster) machte großwandig auf eine Aktion mit dem Deutschen Kinderhilfswerk aufmerksam (gute Sache!), in satten Farben, mit schmeichelnden Klängen, bunten Kindern und in einer Länge, die nur noch von Marlboro-Spots getoppt werden könnte. Die ganze Darstellung viel dermaßen imposant aus, das mich die Frage beschlich: „Na, geht’s hier um Corporate Social Responsibility (CSR) in eigener Sache?“ Poliert das Kino sein Image durch soziales und ökologisches Engagement auf? Ritter Sport stellt für Kinder in Afrika Schulmaterial, Kelloggs spendiert Schulstunden, Krombacher kauft Regenwald oder Volvic Trinkwasser für Athiopien. Nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber! Dann fallen auch die 9000 Lämmer auf der Commerz-Schlacht-Bank weniger auf.

Das Ganze kam mir, trotz Einbußen an den Kinokassen, unpassend vor und ich kann mir nicht vorstellen, dass das Geld und Image bringt. Andererseits: Aufmerksamkeit wird erregt, viele Menschen erreicht und mein bitterer Nachgeschmack hat ausschließlich mit der Art der Präsentation zu tun. Aber Kino und CSR? Ich weis nicht…

In einer Studie fand der Eliteforscher Michael Hartmann heraus, dass die Sprösslinge von leitenden Angestellten, Beamten im höhern Dienst, Freiberuflern und Unternehmern in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft dominieren. Der Erfolg basiert vor allem auf dem Leistungsprinzip, dass diese Schicht schon mit der Muttermilch aufgesaugt hat: Fremdsprachenkenntnisse, ein guter Uni-Abschluss in Regelstudienzeit, Auslandaufenthalte und der Aufbau von Netzwerken im ausseruniversitären Bereich gehören zum Status Quo, noblesse oblige und bilden das Rüstzeug, um nach oben zu kommen.
Dabei können Absolventen aus solventen Kreisen auf die Herkunft und Beziehungen ihrer Eltern zurückgreifen. Praktika in renommierten Unternehmen pushen den Lebenslauf und bilden oft den entscheidenden Einstieg in die Karriere, der Bewerbern aus der Mittelschicht ohne Vitamin B verschlossen bleibt. Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Laut Hartmann überzeugt die junge Elite auch mit Persönlichkeit, die sich durch selbstsicheres Auftreten, Kommunikationsstärke, Durchsetzungsfähigkeit oder etwa Verantwortung ausdrückt. Im sozialen Milieu werden die Inhalten tagtäglich gelebt und in Gesprächen, Einstellungen und Meinungen weitergegeben. Die Studie kristallisiert, dass gerade in dieser Schicht vermehrt diese Kompetenzen auftreten. Bildung und Karriere werden bewusster wahrgenommen, geplant und durch vermehrte Informationen über Weltlage, Perspektiven und das Wissen um Zusammenhänge gefördert. Die fianzielle und ideelle Unterstützung rundet die Entwicklung ab und sichert sie.

Hört sich deprimierend an, wenn man nicht dazu gehört, oder?

Sich auf dem guten Namen auszuruhen führt jedoch nicht zwangsläufig zum Ziel, Entscheidend für einen erfolgreichen und vielversprechenden Job ist weiterhin, und über „geerbte Elite“ hinaus, die individuelle Leistung. Zwar haben die Analyse der Sozialstruktur und Pisa gezeigt, dass in keinem europäischen Staat die Bildungschancen so stark mit der Herkunft gekoppelt sind wie in Deutschland, doch steigt gerade aus der Mittelschicht die Zahl der Studierenden und Hochschulabschlüsse.

Ich hoffe ja weiterhin auf Chancengleichheit, und dass nicht nur das Handicap auf dem Golfplatz ausschlaggebend ist.

Quelle: Der Monat

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