Der Staat Queensland in Australien hat sich als touristische Werbekampagne was ganz besonderes einfallen lassen. Es wird nach eigenen Angaben der beste Job der Welt angeboten und jeder kann sich bewerben.

Einzige Aufgabe: Über das Leben auf einer wunderschönen Insel in einem Blog berichten und mit netten Fotos versehen.

Wenn das keine reizvolle Aufgabe ist, dann weiß ich es auch nicht. Man bekommt Geld und darf sogar kostenlos in einer edelen Villa leben.

Ergebnis der Aktion: Millionenfache Bewerbungen bringen die Server zum Absturz und Australien ist in aller Munde. Also ein voller Erfolg.

“Der beste Job der Welt”

Münster wird grad wieder von einer Buswelle überschwemmt, die den nicht enden wollenden Strom an Weihnachtsmarktbesuchern weiter füttert. Straßen werden zu bevölkerten Bürgersteigen- mit klarer Fließrichtung: rechts in die Eine, links in die andere Richtung- unmöglich, mal die Seite zu wechseln. Die Menschen reißt es wohin die Welle rollt. Glück hat, wer wie Treibgut hängen bleibt, in der Nähe seines Ziels. Von den Adern läuft der Strom in die Kapillaren, in Geschäfte, Läden, Boutiquen und vollführt ein absurdes Ballett, wenn alle galant um sich und Inventar tänzeln. Ich beobachte. Behütete Damen in Ekelpelz mit Botoxlächeln, die süffisant Eierpunsch schlürfen. Kinder mit blauen Lippen bei der zehnten Runde im Karussell. Selige Väter mit der gewünschten PlayStation unterm Arm- da wird der Nachwuchs wohl wenig von haben. Und schlingernde Radfahrer lassen mich sinnieren, ob ihnen die letzte Tasse Glühwein oder das hundertste mal „Last Christmas“ die Sinne umnebelt hat. Alles trifft sich auf dem Weihnachtsmarkt. Und bei aller Hektik ist es auch ein Ort, der verbindet. Gleicher macht.

Der perfekte Ort für Networking. Und während ich noch darüber nachdenke, ob man und mit welchen Kollegen oder gar der ganzen Abteilung zum Glühwein trinken geht, und sich dabei bloß nicht vor den Augen des Chefs zudröhnt, bis der Christbaum brennt, kommt das Gespräch in der Runde wieder mal zu Bewerbern, weil wir alle etwas mit Personalauswahl zu tun haben. Hellhörig wurde ich bei „und dann hab ich den gegoogelt, und bei studivz saß er da mit nem Mädel in der einen und nem Joint in der anderen Hand. Das war’s dann..“

Endlich mal einer, der es zugibt! Die öffentlichen Meinungen gehen ja von „Vorsicht, Vorsicht, nichts Privates ist mehr sicher“ bis zu „Googeln? Zur Auswahl? Haben wir gar keine Zeit zu!“
Ich nehme meinen Wunscharbeitgeber ja auch unter die Lupe, besuche die website, informiere mich über Image und allgemeine Reputation. Wie kann ich davon ausgehen, dass er das nicht auch über mich tut. Kompromittierende Fotos im Netz, fragwürdige Äußerungen in Foren oder Blogs, Mitgliedschaften in zweifelhaften Communities: die Spanne ist breit, um sich ein Bild über die Bewerbungsunterlagen hinaus machen zu können. Kritisch wird es, wenn die Darstellung im web mit der Biographie divergiert. Mögliche Frage beim Vorstellungsgespräch: Sie haben laut ihres Lebenslaufes ein Praktikum in Australien gemacht. Wir haben aber in einem Reiseforum Einträge und Fotos von Ihnen aus Thailand gefunden. Wie erklären sie sich das?

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) hat kürzlich eine Umfrage von 270 Personalberatern gestartet, bei der raus kam, dass ein Drittel der Teilnehmer eine Bewerber-Internet-Recherche betreiben und 57% schon einen Bewerber aufgrund der Ergebnisse von ihrer Liste gestrichen hätten. Nicht repräsentativ, aber es lässt aufhorchen.

What to do?
Sagt man nicht gern laut, wird schnell peinlich, hilft aber nichts: googeln Sie sich selbst! Immer mal zwischendurch und vor allem vor einem Vorstellungsgespräch. Findet sich Peinliches/ Kompromittierendes, versuchen Sie über den Betreiber der website die Inhalte zu löschen. Sind sie selbst der Urheber solcher Verfehlungen verfahren Sie genauso- einen rechtlichen Anspruch haben Sie allerdings nicht. Wenn Sie sich einen “Google-Alert” mit Ihrem Namen einrichten, erfahren Sie zumindest per Mail, wann wo was über Sie im Internet auftaucht. Neben “Google” sind auch “zoominfo.com” oder “stalkerati.com” gute Suchmaschinen um personenbezogene Daten zu finden. Das Ganze zeigt die Sorgfalt, mit seiner „öffentlichen Persönlichkeit“ umzugehen. Und zu pflegen. Denn auch andersrum lässt sich die Maschinerie nutzen: qualifizierte Beiträge in Fachforen, ein eigener Blog oder die Gestaltung der eigenen Homepage können helfen, positiv aufzufallen. Und je mehr Spuren Sie legen, desto mehr rücken alte Verweise in den Hintergrund. Denn das ist klar: Wir haben uns mit dieser Technologie auch ein riesiges Gedächtnis geschaffen..

Der neue Job ist da, vielleicht der Erste. Schnittchen und Kaffeetasse sind eingepackt, das Foto des Partners und/ oder der Kinder für den Arbeitsplatz neu gerahmt, Kleidung sitzt und fühlt sich gut an? Dann kannst ja mit dem neuen Pendlerticket losgehen. Um nicht in die ersten Fettnäpfchen zu treten und bald wieder auf Stellensuche zu gehen, hier ein paar Tipps.

  • Gewinnen mit dem ersten Eindruck

Und zwar Akzeptanz und Partner. Um langfristig von Vorgesetzten und Kollegen akzeptiert zu werden, geben Sie keinen Anlass, sich ein anderes Bild von Ihnen zu machen, als das, welches Sie vorgeben. Ausgeschlafen und pünktlich haben Sie den besten Start am Arbeitsplatz. Sammeln Sie Sympathiepunkte, indem Sie jedem der Ihnen begegnet, vom Pförtner bis zum Chef , freundlich und mit Respekt gegenüberstehen. Achten Sie auf den Dresscode: auffällige Outfits oder gar nachlässige Kleidung sind ein “no-go” und lassen Sie unseriös erscheinen. Das erste Bekanntmachen übernimmt in der Regel Ihr Vorgesetzter. Ist dem nicht so, lassen Sie sich nicht in die Flucht schlagen oder verstecken sich. Die Augen sind längst auf Sie gerichtet. Schön! Ergreifen Sie die Initiative und machen sich mit den neuen Kollegen bekannt.

  • Machen Sie sich vertraut..

mit Ihrer neuen Umgebung. Jeder Gang sieht gleich aus, hinter jeder Tür ein noch fremdes Gesicht (Bekannt machen!). Wo steht der Kopierer? Das Arbeitswerkzeug, -material? Wer sind die Ansprechpartner? Nehmen Sie sich am ersten Tag ruhig Zeit, alles zu erkunden und zu fragen. Der „Welpenschutz“ ist auf Ihrer Seite. Aber warten Sie rücksichtsvoll den richtigen Moment ab, in dem Ihr gegenüber nicht von seiner eigenen Aufgabe in Beschlag genommen ist.

  • ..und sein Sie wachsam.

Halten Sie Augen und Ohren gut auf, hören sie bei Gesprächen zu und beobachten Sie die Umgebung. So finden Sie schnell heraus, was vor sich geht: Welche inoffiziellen Regeln gibt es? Wie ist die Stimmung allgemein? Wer kann/ kann nicht mit Wem? Aber: vermeiden Sie Wertungen und Urteile. Bleiben Sie neutral und beschränken Sie anfängliche Gespräche auf freundlichen Small Talk. Der Tratsch und Klatsch wird nicht an Ihnen vorbei gehen, auch Ihre Kollegen werden versuchen zu sehen, wess Geistes Kind Sie sind. Das Lästern überlassen Sie aber besser den Anderen. Ähnliche Zurückhaltung empfiehlt sich für Flirts am Arbeitsplatz.

  • Geben Sie sich ein Profil und arbeiten wie ein Profi

Noch sind Sie ein unbeschriebenes Blatt. Ihre Leistungen kennt man lediglich aus Ihrer Bewerbung. Enttäuschen Sie nicht das vorgeschossene Vertrauen, indem Sie stundenlang im web surfen, private Telefonate führen oder auf den nine-to-five Job bestehen. Zeigen Sie sich gewissenhaft, zuverlässig und flexibel beim Erledigen der Aufgaben. Aber Vorsicht: wer sich übermäßig engagiert und sich damit anbiedert, zerschießt die „Beziehungsebene“ zu den Mitarbeitern. Und die ist nicht nur in der ersten Zeit überlebenswichtig.

  • Nicht abstürzen als Überflieger

Sie haben viele gute Ideen und alles ist sowieso falsch organisiert und zu langsam?
Geduld! Ihre Zeit kommt noch- jetzt ist erst mal die „Beschnupper-Phase“. Ich tu Dir nichts, du tust mir nichts. Das heißt aber nicht, zum Schaf zu werden: bei passender Gelegenheit sollten Sie Ihre Vorschläge dezent unterbreiten und zur Diskussion stellen. Wenn Sie dabei noch auf der Sachebene bleiben (s. „Feedback geben“ auf dieser Seite) fühlt sich niemand persönlich diffamiert.

  • Fehler gehören dazu

Neue Aufgaben, versteckte Strukturen, Kommunikation, die noch nicht eingeschliffen ist, der eigene Anspruch- da bleiben Fehler nicht aus. Kein Problem, solange Sie dazu stehen. Wissen Sie grad nicht weiter, holen Sie sich die nötigen Infos (bei Fehlern „fehlt“ was) und bieten Sie an, sich schnellstmöglich schlau zu machen. Gegenüber Geschäftskunden oder – partnern gestehn Sie ein, dass Sie noch neu sind. So bleiben Sie trotz Mangel vertrauenswürdig und sensibilisieren dafür, dass manche Prozesse –etwas- länger dauern können. Verweisen Sie darauf, sich die nötigen Fakten zu besorgen. Denn ein Ruhekissen ist der Status „Neuling“ nicht..

  • Errichten Sie Ihr Netzwerk

In der Kantine lassen sich unverbindlich Kontakte aufbauen. Wechseln Sie anfangs öfter die Tische und machen Sie sich bekannt. Auch die Raucherecke, die Teeküche oder der Büro-Kickertisch sind willkommene Orte, um in die Öffentlichkeit zu treten und Organisations- und Kommunikationswege zu erschießen.

  • Feedback holen

Oft vernachlässigt: das Feedback. Vereinbaren Sie mit Ihrem Vorgesetzten nach einem Monat einen Termin für ein persönliches Feedback. Auch Kollegen sind mögliche Ansprechpartner: unverfänglich lassen sich in der Kantine oder Mittagspause Anliegen klären, für die sonst die Zeit fehlt.

  • Erstellen Sie einen Zielplan

Was wollen Sie erreichen? Was sind die Wege dahin? Welche Perspektiven ergeben sich neu?
Mit einem Plan bleiben Sie an Ihren Erwartungen und können nachvollziehen, inwieweit Sie noch am Thema sind, was Sie schon gelernt haben und wo noch Handlungsbedarf ist. Auch für spätere Vertragsverhandlungen empfiehlt sich so eine Bestandsanalyse. Wenn möglich, am Tagesende kurz die erledigten Aufgaben festhalten und Sie haben genug Futter, sich in Krisen neu zu mobilisieren, Kritik sachlich gegenüber zu treten und Ihre Entwicklung objektiver sehen zu können.

Der neue Job bietet viele Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln und auf dem Weg zu bleiben. Denken Sie daran, dass Ihr Arbeitgeber Sie überzeugt aus allen Bewerbern gewählt hat, weil Sie am Besten für die Aufgaben geeignet sind. Und nehmen Sie die Energie mit, die eine neue Stelle mit sich bringt.
Frei nach Goethe: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.

Viel Erfolg!

Zunächst einmal: Die Bloggerszene feiert Geburtstag! Der Bewerberblog wird ein Jahr alt und Herzliche Glückwünsche gehen auch an die Karrierebibel und Jochen Mai, der schon im Juni seinen Erfolg feiern konnte. Last but not least eine Torte mit drei Kerzen für den JoBlog von Marcus Tandler, ein wirklich alter Hase, mit Freude am Pokerface und wohl so vielen Vielflieger-Punkten, wie ich sie in meinem Leben nicht erreichen werde. Alles Gute Euch!

Durch Marcus`Blog bin ich auch auf einen Harz IV-Empfänger gestoßen, der sein Hirn schon in die BILD Online Zeitung gewickelt haben muss. Mit ausgestecktem Mittelfinger zeigt dieser Schein-Anarcho, wie er den Sozialstatt besch.. , gut von Schwarzarbeit lebt und mit vier Handys ständig auf der Flucht ist und Finten legt, um Kontrolleuren der Arge nicht in die Hände zu fallen. Lebenswert scheint mir das nicht, sehenswert allemal, da seine Scharaden auch noch per „Lehrvideo“ festgehalten sind. Und wenn schon beim Film, dann bitte auch den Ruhm, weshalb schließlich auch noch sein vollständiger Name und das zuständige Amt genannt werden. Geschlafen hat er gern bis mittags, ausgeschlafen war er aber nicht. Auauau!

Jetzt zum Eigentlichen. Ich habe gestern The Dark Knight gesehen (Filmkritiken gibt`s genug, ich fand ihn unterhaltsam und definitiv charakterlich/psychologisch besser gezeichnet als die Verfilmungen vor Christopher Nolan), überrascht hat mich aber vorher die Werbung. Das Cineplex (Münster) machte großwandig auf eine Aktion mit dem Deutschen Kinderhilfswerk aufmerksam (gute Sache!), in satten Farben, mit schmeichelnden Klängen, bunten Kindern und in einer Länge, die nur noch von Marlboro-Spots getoppt werden könnte. Die ganze Darstellung viel dermaßen imposant aus, das mich die Frage beschlich: „Na, geht’s hier um Corporate Social Responsibility (CSR) in eigener Sache?“ Poliert das Kino sein Image durch soziales und ökologisches Engagement auf? Ritter Sport stellt für Kinder in Afrika Schulmaterial, Kelloggs spendiert Schulstunden, Krombacher kauft Regenwald oder Volvic Trinkwasser für Athiopien. Nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber! Dann fallen auch die 9000 Lämmer auf der Commerz-Schlacht-Bank weniger auf.

Das Ganze kam mir, trotz Einbußen an den Kinokassen, unpassend vor und ich kann mir nicht vorstellen, dass das Geld und Image bringt. Andererseits: Aufmerksamkeit wird erregt, viele Menschen erreicht und mein bitterer Nachgeschmack hat ausschließlich mit der Art der Präsentation zu tun. Aber Kino und CSR? Ich weis nicht…

Über Pannen der Bundesagentur für Arbeit beim Umgang mit ihrer Klientel und Ein-Euro-Jobs hab ich ja vor kurzem was geschrieben, jetzt kommt die nächste Schlappe. Nach der „taz“ hat die Jobbörse rund 50 Inserate von Lotto-Callcentern im Angebot, obwohl die Lottowerbung am Telefon ohne Einverständnis der Verbraucher seit Januar 2008 gesetzlich verboten ist. Die Agentur als Handlanger gesetzeswidriger Praktiken? Autsch! Da weis die linke Hand wieder nicht, was die rechte tut. Unklar ist auch, inwieweit Harzt IV-Empfänger verpflichtet sein könnten, die Angebote anzunehmen. Wer schon mal im Bahnhof an einem Gewinnspiel teilgenommen hat und das Kärtchen mit seinen Adressdaten in den vermeintlichen Audi-Hauptgewinn geworfen hat, kennt wahrscheinlich die Seuche, die dann klingelnd über einen herein bricht. Bei den Verbraucherzentralen häufen sich jedenfalls die Beschwerden über diese Art der Belästigung.

Ich habe übrigens beim Suchen keinen entsprechenden Eintrag mehr in der Jobbörse der Arbeitsagentur gefunden…

Bericht in der “taz”

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