Nach falsch formulierten Stellenanzeigen suchen, eine Bewerbung erstellen, auf die Absage des Unternehmens warten und ganz einfach mit der Rechtsschutzversicherung das Unternehmen verklagen.

Diesen Weg scheinen einige Menschen zu ihrer Haupteinnahmequelle gemacht zu haben und sich beruflich auf die Bewerbungs-Abzocke zu spezialisieren. Kein Scherz!

Wer jedoch als solcher Abzocker erkannt wird, der bekommt in der Regel kein Recht zugesprochen. Dies zeigt zum Beispiel der Fall einer Frau vor dem Landesarbeitsgericht die 42 Jahre alt war und sich auf eine Stelle beworben hatte, die für bis 35-Jährige ausgeschrieben war. Laut Anti-Diskriminierungsgesetz ist das strafbar, allerdings hatte die Frau sich auch auf zwei weitere Stellenanzeigen beworben, die in gleicher Weise eine Altergrenze vorgeschrieben haben. Das Arbeitsgericht erkannte daraufhin den Vorsatz der Bewerberin, lediglich die Entschädigung kassieren zu wollen. Glück für die Unternehmen ;-)

Dieser Fall zeigt aber auch sehr schön, wie wichtig mittlerweile die richtige Formulierung in Stellenanzeigen geworden ist.

Mal wieder was zur Bewerbung:
Crosswater-systems.com führt als Web Guide durch die Wirrungen der vielen Hundert Deutschen Jobbörsen und fasst deren Einträge zusammen. Heißt für den e-Recruiting Prozess: enorme Zeitersparnis und eloquentes Positionieren mit Blick auf den Traumjob.
Was ich aber an Innovation besonders finde, ist zum Einen der Karriere-Event-Kalender, zum Anderen das Bewerber-Feedback.

Der Kalender informiert über Veranstaltungen, die die Karriere in die Bahn führen oder weiter nach vorn bringen. Tabellarisch und übersichtlich werden Jobmessen, Weiterbildungen, Campus Karriere Events für Studenten oder etwa Bewerbertage bei Unternehmen zum gegenseitigen Beschnuppern aufgeführt.
Jeder Eintrag gibt eine Kurzinfo zu Termin und Ort, der Zielgruppe und ist direkt zur Anmeldung mit dem jeweiligen Veranstalter verlinkt. Einfacher geht’s nicht.

Das andere Tool ist nützlich, wenn die Bewerbung gelaufen ist: Bewerber könne ihre Eindrücke und Erfahrungen im Auswahlprozess dokumentieren und ihre Informationen an andere weiter geben. So entsteht ein Überblick verschiedenster Unternehmen und ihres guten oder schlechten Umgangs mit zukünftigen Mitarbeitern. In vier Kategorien werden Bewerber-Informationen (Geburtsjahr, Geschlecht, Berufserfahrung, etc.), die Art der Bewerbung und Strukturdaten des beworbenen Unternehmens sowie die Beurteilung des Vorstellungsgesprächs und des gesamten Bewerbungsverfahrens erfasst. Unter einem Extrapunkt lassen sich bisherige Ergebnisse ansehen.

So methodisch gut die Erhebung konstruiert ist, es bleibt ein Pferdefuß: Homogenität der Gruppe. Es tauschen sich mehr enttäuschte Bewerber als Zufriedene aus. Das Defizit steht im Vordergrund, fällt mehr auf, braucht Raum, um reduziert zu werden. Auf ein gutes Auswahlverfahren stoße ich mit Freunden im Biergarten an, als sie en detail ins Netz zu stellen. Ich vermute, dass die Bewertungen quantitativ negativer ausfallen werden und ein verzerrtes Bild entsteht. Allerdings lassen manche Erfahrungen auf nichts Gutes schließen und stellen schon vorab in Frage, ob Job X in dem Umfeld überhaupt attraktiv ist. Die Außenwirkung ist nicht zu unterschätzen, was auch verantwortlichen Personalern klar sein sollte..

Crosswater: Karriere-Event Kalender

Crosswater: Bewerber-Feedback

Florian geht in die 11. Klasse auf einem Berufskolleg und macht was in Richtung Kaufmann. Für seinen Deutschunterricht sollte er eine Bewerbungsmappe erstellen und bat mich, ihm zu helfen. Als Anschauungsmaterial habe ich ihm einige grausige Beispiele aus den Ergopraxen mitgebracht, noch schlimmer war dann allerdings, was ihm seine Lehrerin mitgegeben hatte: Nämlich den Rat, unbedingt ein Deckblatt und eine dritte Seite mitzuliefern. „Das ist eine Erfindung von Hesse und Schrader, die das als Highlight in Ihren Bewerbungsbüchern verkaufen und es aus den USA geklaut haben. Totaler Schwachsinn und neben der Papierverschwendung auch noch psychologisch verschenkt“, erwiderte ich. „Denn Erstens soll die dritte Seite in Übersee für mehr Profil des Bewerbers sorgen, weil dort wegen der Antidiskriminierungsgesetze keine Fotos mit im Lebenslauf sein dürfen. Was soll das hier? Wer sich nicht im Anschreiben darstellen konnte, massakriert sich wahrscheinlich gänzlich im „Motivationsschreiben“. Ich denke, jemand weis, warum er wo arbeiten will, seine Möglichkeiten entnehme ich aus dem Anschreiben und seinem Lebenslauf. Und zu mehr, Frau Lehrerin, habe ich weder Lust noch Zeit. Sonst würde ich auch noch was geistreiches in das beigelegte Poesiealbum schreiben. Auch eine Idee von Ihnen? Ich soll mir also eine Persönlichkeit selbst zusammen basteln? Danke, gern, genug halbseidenes Material zum Interpretieren haben sie mir ja geliefert! Da greife ich doch lieber in Ihre Seiten: Sie begehen aufgrund angelesener und nicht Praxis bezogener Tipps einen Bewerber-Genozid. Ich verstehe, dass zwischen Abitur, Studium und Schuldienst nicht viel Zeit und Möglichkeit war, seinen Marktwert zu studieren und tatsächlich eine! Bewerbung zu schreiben. Oder vielleicht taten Sie`s nach Ihren Methoden, kamen nicht an und stießen deshalb diesen weg ein. Wie auch immer, lehren und lernen Sie! Gehen Sie mal zu einer Job-Messe, Career Center, etc pp und Fragen jemanden vom Fach, wie diese Unterlagen gelesen werden. Zweitens (damit hatte ich weiter oben angefangen) sollte das Bewerbungsfoto auf die erste Seite des Lebenslaufes. So bleiben die Daten, verknüpft mit einem Gesicht, besser im Gedächtnis. Sie werden mehr wahrgenommen. Deckblätter, das sagt der Name schon, decken nur ab und werden sofort zur Seite gelegt, um ans Wesentliche zu kommen.

Bewerbung, vom Stellensuchen, über die Unterlagen schreiben und gestalten bis zum Vorstellungsgespräch, ist einfach zu wichtig, um sie von Dilettanten machen zu lassen.
Und die Geschichte zeigt auch, als wie nebensächlich das Thema in der Schulbildung angesehen wird.

Immer mehr Menschen versuchen, durch ein Bewerbungsvideo bei Unternehmen zu punkten und sich optimal zu präsentieren.

Nicht jedem gelingt dieser Schritt. Ein Bewerbungsvideo kann eine sehr gute Ergänzung zu den Bewerbungsunterlagen darstellen, aber nur wenn das Video auch wirklich gut gemacht ist. Die Kriterien, die an eine Videobewerbung gelegt sind, können wesentlich umfangreicher sein, als dies den Bewerbern bewusst ist. Zudem ist nicht jeder Bewerber videogen, was einen negativen Effekt ausüben kann.

Die Entscheidung zu einer Videobewerbung, als Ergänzung zu den Unterlagen sollte daher gut durchdacht sein, sonst kehrt sich der vermeintlich positve Zusatznutzen in die negative Richtung.

« Vorherige Seite