Das Justizministerium unter der FDP-Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger will mehr Datenschutz für Arbeitnehmer realisieren. Zuständig hierfür ist jedoch das Innenministerium von CDU-Mann Lothar de Maizière, der nun seinen Offenbarungseid leisten muss. Mehr Datenschutz oder mehr Datenkontrolle?

Die FDP hat einen schlechten Ruf in Bezug auf die Rechte von Arbeitnehmern, schließlich gilt sie ja als Partei der Besserverdienenden und der Unternehmer. Doch seit dem Regierungswechsel offenbart die Partei auch ihren liberalern Charakter der Jahrzehnte lang verschollen galt. Das ausgerechnet die FDP sich nun für den Datenschutz der Arbeitnehmer einsetzt verwundert zuerst, liegt jedoch Nahe, wenn es der Partei mit ihren freiheitlichen Wurzeln wirklich Ernst ist.

Der Vorstoß aus dem Justizministerium kommt nicht ohne Vorwarnung, schließlich haben sich die Skandale mit Arbeitnehmerdaten in den letzten Jahren gehäuft. Vor allem die großen Konzerne sind hier unangenehm aufgefallen, beispielsweise die Deutsche Bahn, Lidl oder zuletzt Daimler mit dem Bluttest für Bewerber. Die Skandale sind da, die Strafanzeigen auch, nur die Rechtsgrundlage nicht, denn in Deutschland wird das Arbeitnehmerrecht noch immer mit Füßen getreten, ganz nach dem Motto “Wer braucht schon Arbeitnehmerrechte? Die Unternehmen regeln das allein!”.

Maultaschen- und Gutscheinbon-Skandale belegen zudem die Willkür der Arbeitgeber und die Ignoranz und Gleichgültigkeit des Staates. Wir leben zwar in einer Demokratie und einem freiheitlichen System, allerdings bitte schön nur bis zum Werkstor oder zum Geschäftseingang. Wer eintritt muss den freiheitlichen Schutzmantel ablegen und sieht sich einer autoritätenbetrieblichen Diktatur gegenüber, die nicht selten einer Firmenphilosophie folgt, die faschistische Züge aufweist.

Quelle: tagesschau.de

Es ist nicht gerade erstaunlich was die Bundesanstalt für Arbeitsschutz mit Sitz in Dortmund da herausgefunden hat. Je länger die Menschen arbeiten, desto schlechter schlafen sie. Arbeit macht also krank!

Eigentlich ganz logisch und für jeden nachvollziehbar, Menschen die mehr als 35 Stunden arbeiten haben eine höhere Wahrscheinlichkeit für Schlafstörungen. Bei den Arbeitnehmern mit einer 35-44 Stunden-Woche ist jeder Fünfte betroffen, bei den Beschäftigten mit 60 Wochenstunden ist es sogar jeder Vierte.

Die Untersuchung ist sehr umfangreich an 50.000 Probanden durchgeführt worden und bietet erstmalig eine repräsentative Grundlage, die von Arbeitgebern nicht wegdiskutiert werden kann. Das aus dieser Erkenntnis jedoch Maßnahmen vom Gesetzgeber veranlasst werden ist mehr als fraglich, zumal keine Partei mehr wirklich die Interessen der Arbeitnehmer vertritt.

Besonders belastend sind die Nacht- und Schichtarbeiten. Ich habe während meiner Studienzeit selbst in Betrieben mit Akkord im 3-Schicht-System gearbeitet und kann daher aus eigener Erkenntnis sagen, dass dieses System an die Grenzen der körperlichen Belastung geht und auf Dauer wirklich krank macht.

Die Zunahme der Schichtarbeit, aber auch die Zunahme der Mehrarbeit hat in den letzten Jahren dramatische Ausmaße angenommen. Sicherlich wird dies in den kommenden Jahren durch die aktuellen Umsatz- und Produktionsrückgänge der Unternehmen wieder kompensiert werden, aber die Schäden können bleiben. Denn was die Studie überhaupt nicht berücksichtigt sind die körperlichen Schäden, beispielsweise Rückenschäden durch lange Schreibtischarbeit.

Es sind ja auch nicht nur die physischen und psychischen Schäden relevant, ganz außer Acht lässt man gerne die familiären Probleme. Beziehungen gehen auseinander weil die Arbeitszyklen nicht kombinierbar sind, oder Kinder sehen ihre Väter und Mütter nur am Wochenende, wenn überhaupt.

Die Lehre aus dieser repräsentativen Untersuchung sollte sein, dass unser Schichtsystem abgeschafft und Arbeitszeiten gekürzt werden. Ich gebe Herrn Frank Walter Steinmeier eindeutig Recht als er am 1. Mai gesagt hat “Unser Land braucht starke Gewerkschaften”.

Allerdings fehlt mir der Glaube daran. Die Gewerkschaften sind momentan so schwach wie seit Jahrzehnten nicht mehr und die wirtschaftliche Perspektive so schlecht wie noch nie in der Geschichte der BRD.

Quelle: Zeit-Online

Laut einer statistischen Erhebung der Hans-Böckler-Stiftung gibt es eine Trend zu ungesunden Arbeitszeiten (Quelle: PDF). Jeder dritte Arbeitnehmer arbeiten 42 Stunden und mehr in der Woche. Die durchschnittliche Arbeitszeit aller deutschen Arbeitnehmer hat sich seit 2002 um 40 Minuten auf 40,3 Stunden pro Woche erhöht.

Hartmut Seifert hat diese Erhebung durchgeführt und sieht ein enormes Gefahrenpotenzial für die Arbeitnehmer. “Wichtig ist es den Trend zu langen Arbeitszeiten zu stoppen”, sagt Seifert. Er schlägt vor, die Anreize für Schichtarbeit und phasenweise große Arbeitsbelastungen zu senken.

Die Folgen werden laut Seifert nicht lange auf sich warten lassen. Es gibt mehr Gesundheitsbeschwerden und die Ausführung der Arbeit bis in das neue hohe Rentenalter mit 67 wird für die meisten dieser Arbeitnehmer nur sehr schwer möglich sein.

Auszeit vom JobWährend meines Studiums war ich immer extrem neidisch auf meine Professoren, die sich immer nach 2-3 Jahren in ein Forschungsfreisemester verabschiedet haben. Ich dachte immer: “Beamter müsste man sein!” Tja, das gleiche denke ich heute hin und wieder auch noch ;-) , zumindest wenn es um Themen wie Sabbatical geht. Dieses Privileg der Beamten ist schon ein wahrer Luxus in der heutigen Zeit, wo der Burn-Out eines Kollegen den nächsten jagd.

Als normaler Arbeitnehmer hat man natürlich keinen Anspruch auf eine solche Auszeit vom Job, es sei denn, man ist in der Position dieses beim Arbeitsvertrag einzufordern. In der Regel spielt hier der Arbeitgeber jedoch nicht mit, wie so oft. Ausnahmen bilden hier aber oftmals große Unternehmen, die international aktiv sind und sich bemühen die Mitarbeiter zu halten.

Im Gegensatz zum deutschen Arbeitsmarkt ist das Sabbatical in vielen anderen Ländern nicht unüblich. *neid* Unternehmer schimpfen zwar immer gerne, dass es die deutschen Arbeitnehmer im internationalen Vergleich doch viel zu gut haben, aber dies entspricht nicht immer den Tatsachen.

So kommen wohl weiterhin nur Beamte oder Lehrer in den Genuss der Auszeit vom Job. Als verbeamteter Lehrer kann man zum Beispiel sieben Jahre arbeiten und dann ein Jahr die Auszeit nehmen. Während der sieben Jahre bekommt man dann zwar auch nur siebenachtel des Verdienstes ausgezahlt, aber der Rest wird angespart und fließt im Auszeitjahr als Gehalt in die Tasche. Nicht schlecht, oder?

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