Wie die SZ heute berichtet, sind laut den Zahlen der IAB in den letzten 9 Jahren die befristeten Arbeitsverhältnisse von 32 % auf 47 % gestiegen. Somit ist jeder zweite Job in Deutschland auf eine Zeit von maximal 2 Jahren befristet – eine gesellschaftliche Katastrophe.

Die Geburtenzahlen zeigen nach unten und in den letzten Jahren hat sich der Trend nochmals verstärkt. Für junge Menschen, genauso wie für Menschen mittleren Alters, ist die Zukunft meistens nicht mehr planbar.

Wer kann wirklich erwarten, dass man ohne soziale Absicherung und Zukunftsperspektive eine Familie planen kann?

Der demografische Wandel ist hausgemacht und eng mit der Globalisierung verknüpft. Die Globalisierung bedeutet für wenige Profit und für die Mehrheit eine unsichere eigene Zukunft. Vor allem die weltweit aktiven großen Konzerne interessiert nur der Profit, nicht die gesellschaftliche Entwicklung.

Aber diese Sachverhalte sind ja nicht neu, schockierend ist nur die Tatenlosigkeit der Regierungsparteien in diesen Sachfragen.

Das Doping am Arbeitsplatz ist nicht neu, schon seit dem Beginn der Industrialisierung nehmen Menschen verschiedenste Pharmazeutika, um im Berufsleben zu bestehen und Höchstleistungen zu bringen. Der Renner scheint aktuell Ritalin zu sein, welches eigentlich gegen ADHS bei Kindern verschrieben wird.

Englische Premierminister, Soldaten, Manager und Adolf Hitler haben eines gemeinsam – sie nahmen Drogen, um ihre Leistung zu steigern. Damals wie heute waren die Konsumenten relativ unbedarft was die Nebenwirkungen anging, von manisch euphorischen Zuständen über geistige Verwirrtheit bis zu bleibenden Schäden am Nervensystem nahmen und nehmen sie alles in Kauf, nur um im Beruf zu überstehen.

Es sind nicht nur die Leistungssportler, die sich regelmäßig dopen, sondern auch die ganz normalen Angestellten. In der Mehrzahl betrifft es eher die Angestellten in leitenden Funktionen, die unter einem dauernden Leistungsdruck stehen und ihrem Körper und Geist alles abverlangen. Eine Studie der DAK geht von ca. 800.000 Deutschen aus – egal ob Angestellter, Freiberufler oder Unternehmer – die regelmäßig Substanzen zu sich nehmen, damit die Leistung im Job gebracht wird. Hierunter fallen nicht die Nahrungsmittel wie Kaffee oder “mothers little helpers” wie die Rolling Stones einst das beruhigungsmittel Valium besungen haben. Das Marihuana und LSD nicht gerade zum Doping zählt und die Leistung eher in unterirdischen Tiefen verschwindet, mussten die Amerikaner bei ihren Soldaten im Vietnam-Krieg feststellen, die sich das Zeug natürlich illegal besorgten, wahrscheinlich vom Viet-Kong.

Die Kassenschlager der Leistungsteigerung heißen Ritalin und Modafinil, die illegalen Klassiker natürlich Kokain und Speed, wobei bei Kokain auch gleich noch das Selbstbewusstsein gesteigert wird. Wenn ihr Chef also plötzlich so wirkt, als ob man ihm eine Duracel-Batterie in den Allerwertesten geschoben hat, dann ist das vielleicht auf Substanzen zurückzuführen.

Was der Berufstätige oft nicht direkt merkt, er begibt sich in einen Teufelskreis aus “Uppern” und “Downern”, morgens fit für den Job dopen und abends wieder runterkommen zum schlafen. Spätestens nach einigen Monaten sind neben der pysischen und psychischen Sucht auch die bleibenden Schäden an Organen und dem Nervensystem vorhanden.

Hier liegt auch die Gefahr des relativ harmlosen Ritalins, welches nicht unmittelbar zu einer Abhängigkeit führt. Als der Schweizer Leandro Panizzon 1944 das Methylphenidat entdeckte, probierte er es gleich an seiner Frau aus. Diese zeigte plötzlich beim Tennisspiel eine enorme Leistungssteigerung. Seine Frau hieß übrigens Rita, weshalb das Medikament den Namen Ritalin trägt.

Ritalin scheint der perfekte Leistungsbringer zu sein und wird mittlerweile in rauhen Mengen verschrieben. Wir leben heute quasi in einer Ritalin-Gesellschaft, welche die permanente Leistung verlangt, wer nicht mitkommt hat entweder die Wahl des sozialen Abstiegs oder aber er nimmt die Leistungssteiger zu sich, wie es heute bereits viele Kinder täglich vollziehen.

Was passiert eigentlich mit den Kindern die heute permanent unter Ritalin stehen? Werden sie ihren zukünftigen Joballtag ohne Ritalin überstehen?

Das Justizministerium unter der FDP-Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger will mehr Datenschutz für Arbeitnehmer realisieren. Zuständig hierfür ist jedoch das Innenministerium von CDU-Mann Lothar de Maizière, der nun seinen Offenbarungseid leisten muss. Mehr Datenschutz oder mehr Datenkontrolle?

Die FDP hat einen schlechten Ruf in Bezug auf die Rechte von Arbeitnehmern, schließlich gilt sie ja als Partei der Besserverdienenden und der Unternehmer. Doch seit dem Regierungswechsel offenbart die Partei auch ihren liberalern Charakter der Jahrzehnte lang verschollen galt. Das ausgerechnet die FDP sich nun für den Datenschutz der Arbeitnehmer einsetzt verwundert zuerst, liegt jedoch Nahe, wenn es der Partei mit ihren freiheitlichen Wurzeln wirklich Ernst ist.

Der Vorstoß aus dem Justizministerium kommt nicht ohne Vorwarnung, schließlich haben sich die Skandale mit Arbeitnehmerdaten in den letzten Jahren gehäuft. Vor allem die großen Konzerne sind hier unangenehm aufgefallen, beispielsweise die Deutsche Bahn, Lidl oder zuletzt Daimler mit dem Bluttest für Bewerber. Die Skandale sind da, die Strafanzeigen auch, nur die Rechtsgrundlage nicht, denn in Deutschland wird das Arbeitnehmerrecht noch immer mit Füßen getreten, ganz nach dem Motto “Wer braucht schon Arbeitnehmerrechte? Die Unternehmen regeln das allein!”.

Maultaschen- und Gutscheinbon-Skandale belegen zudem die Willkür der Arbeitgeber und die Ignoranz und Gleichgültigkeit des Staates. Wir leben zwar in einer Demokratie und einem freiheitlichen System, allerdings bitte schön nur bis zum Werkstor oder zum Geschäftseingang. Wer eintritt muss den freiheitlichen Schutzmantel ablegen und sieht sich einer autoritätenbetrieblichen Diktatur gegenüber, die nicht selten einer Firmenphilosophie folgt, die faschistische Züge aufweist.

Quelle: tagesschau.de

Es ist nicht gerade erstaunlich was die Bundesanstalt für Arbeitsschutz mit Sitz in Dortmund da herausgefunden hat. Je länger die Menschen arbeiten, desto schlechter schlafen sie. Arbeit macht also krank!

Eigentlich ganz logisch und für jeden nachvollziehbar, Menschen die mehr als 35 Stunden arbeiten haben eine höhere Wahrscheinlichkeit für Schlafstörungen. Bei den Arbeitnehmern mit einer 35-44 Stunden-Woche ist jeder Fünfte betroffen, bei den Beschäftigten mit 60 Wochenstunden ist es sogar jeder Vierte.

Die Untersuchung ist sehr umfangreich an 50.000 Probanden durchgeführt worden und bietet erstmalig eine repräsentative Grundlage, die von Arbeitgebern nicht wegdiskutiert werden kann. Das aus dieser Erkenntnis jedoch Maßnahmen vom Gesetzgeber veranlasst werden ist mehr als fraglich, zumal keine Partei mehr wirklich die Interessen der Arbeitnehmer vertritt.

Besonders belastend sind die Nacht- und Schichtarbeiten. Ich habe während meiner Studienzeit selbst in Betrieben mit Akkord im 3-Schicht-System gearbeitet und kann daher aus eigener Erkenntnis sagen, dass dieses System an die Grenzen der körperlichen Belastung geht und auf Dauer wirklich krank macht.

Die Zunahme der Schichtarbeit, aber auch die Zunahme der Mehrarbeit hat in den letzten Jahren dramatische Ausmaße angenommen. Sicherlich wird dies in den kommenden Jahren durch die aktuellen Umsatz- und Produktionsrückgänge der Unternehmen wieder kompensiert werden, aber die Schäden können bleiben. Denn was die Studie überhaupt nicht berücksichtigt sind die körperlichen Schäden, beispielsweise Rückenschäden durch lange Schreibtischarbeit.

Es sind ja auch nicht nur die physischen und psychischen Schäden relevant, ganz außer Acht lässt man gerne die familiären Probleme. Beziehungen gehen auseinander weil die Arbeitszyklen nicht kombinierbar sind, oder Kinder sehen ihre Väter und Mütter nur am Wochenende, wenn überhaupt.

Die Lehre aus dieser repräsentativen Untersuchung sollte sein, dass unser Schichtsystem abgeschafft und Arbeitszeiten gekürzt werden. Ich gebe Herrn Frank Walter Steinmeier eindeutig Recht als er am 1. Mai gesagt hat “Unser Land braucht starke Gewerkschaften”.

Allerdings fehlt mir der Glaube daran. Die Gewerkschaften sind momentan so schwach wie seit Jahrzehnten nicht mehr und die wirtschaftliche Perspektive so schlecht wie noch nie in der Geschichte der BRD.

Quelle: Zeit-Online

Laut einer statistischen Erhebung der Hans-Böckler-Stiftung gibt es eine Trend zu ungesunden Arbeitszeiten (Quelle: PDF). Jeder dritte Arbeitnehmer arbeiten 42 Stunden und mehr in der Woche. Die durchschnittliche Arbeitszeit aller deutschen Arbeitnehmer hat sich seit 2002 um 40 Minuten auf 40,3 Stunden pro Woche erhöht.

Hartmut Seifert hat diese Erhebung durchgeführt und sieht ein enormes Gefahrenpotenzial für die Arbeitnehmer. “Wichtig ist es den Trend zu langen Arbeitszeiten zu stoppen”, sagt Seifert. Er schlägt vor, die Anreize für Schichtarbeit und phasenweise große Arbeitsbelastungen zu senken.

Die Folgen werden laut Seifert nicht lange auf sich warten lassen. Es gibt mehr Gesundheitsbeschwerden und die Ausführung der Arbeit bis in das neue hohe Rentenalter mit 67 wird für die meisten dieser Arbeitnehmer nur sehr schwer möglich sein.

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