Politik ist Anwalts Liebling! Über die Anwaltisierung der Legislative

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Warum sind die meisten Politiker eigentlich approbierte Rechtsanwälte? Wieso spiegelt die Besetzung des Bundestages nicht mehr unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche wieder? Und welche Konsequenz hat das für die Zukunfts Deutschlands?

Sie heißen Gregor Gysi, Gerhard Schröder, Otto Schily, Guido Westerwelle oder Karl-Theodor zu Guttenberg und sind Anwälte. Gleichzeitig sind sie auch gewählte Volksvertreter (gewesen) und leiten die Geschicke dieses Landes durch neue Gesetze oder deren Anwendung.

Doch warum sind Rechtsanwälte so erfolgreiche Politiker?

Nun, die meisten von uns werden schon einmal mit einem Rechtsanwalt zu tun gehabt haben, in den seltensten Fällen mit einer positiven Erfahrung und wenn doch, dann war die meistens mit der Übergabe der Rechnung nicht mehr ganz so positiv. Ein Anwalt wird von irgendeinem Mandanten bezahlt, damit er dessen Interessen vertritt, nicht nur in einem Gerichtssaal. Im Prinzip ist ein Anwalt somit käuflich und frei von Ideologien und oder persönlicher Voreingenommenheit, zumindest theoretisch.

Diese Eigenschaft macht den Anwalt zu einem hervorragenden Politiker, denn er kann sich drehen und wenden wie das Fähnlein im Wind, bespielsweise vom politisch linken Flügel nach rechts und wieder zurück. Otto Schily ist beispielsweise vom RAF-Anwalt zum deutschen Innenminister geworden.

Doch die wohl entscheidenste Eigenschaft eines Anwalts, welche ihn so erfolgreich werden lässt, ist seine Überzeugungskraft und Rhetorik. Ein guter Anwalt ist ein guter Redner, Gregor Gysi und Guido Westerwelle haben ein extremes Talent für die rhetorische Überspitzung von Sachverhalten. Sie sind überzeugend, sie sind laut und dabei auch noch lustig – das kommt an beim Volk.

Daher entscheiden sie sich eher für einen überzeugenden Wendehals, als für einen drögen Naturwissenschftler – Ausnahmen bestätigen die Regel. Das ist in der Partei so, die ihren Vorstand bestimmt und das ist auch bei den regionalen oder überregionalen Wahlen für die wahlberechtigen Bürger so.

Was ist die Folge dieser Entwicklung?

Die Konzentration der Macht auf ein bestimmtes Berufsfeld lässt eine Art von Tunnelblick entstehen, die nicht mehr die Gesellschaft als Ganzes sieht, sondern nur die Probleme, die für einen Anwalt greifbar und erlebbar sind. Wer nie im sozialen Bereich gearbeitet hat, entscheidet nur nach Zahlen, nicht nach Erfahrungen, genauso ist es beim Akkord, bei der Bildung oder vielen anderen Bereichen. Deutsche Soldaten ins Ausland zu schicken ist einfach, wenn man nicht weiß, was das vor Ort bedeutet.

Anwälte sind Wortakrobaten mit ordentlich Improvisationsvermögen und können sich oftmals kein Gewissen leisten. Die Tatsache, dass kaum eine Branche in den letzten Jahren so gewachsen ist, wie die Rechtsberatung und das mittlerweile jeder gegen jeden klagt, ist auch eine Folge dieser Entwicklung.

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