Man kann über Thilo Sarrazin sagen und denken was man will, seine Leistungen als Berliner Finanzsenator sind unbestritten. Er hat die katastrophale Bilanz der Berliner CDU abgewickelt, die Berlin an den Rande des Bankrotts geführt hat. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, so auch in seinem letzten Interview für “Lettre”.

Kaum ein Interview hat in den letzten Jahren für mehr Aufregung gesorgt, als das von Thilo Sarrazin in Lettre, noch nicht einmal die Äußerungen Martin Walser. Der SPD-Politiker ist für sein markiges Wort bekannt, gefürchtet, verspottet, aber auch geliebt.

In seinem Interview mit dem Titel “Klasse statt Masse” spricht Sarrazin über Berlin – die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Stadt ist das Thema. Das Interview ist jedoch nur bekannt, weil dort einige Zitate entnommen wurden, die den Bundesbank-Aufsichtsrat in ein rechtes Licht rücken.

Gewiss sind seine Aussagen pauschal verallgemeinernt, provokativ und jenseits von Political Correctness. Fast scheint es, als paaren sich Stammtischgeschwafel und finanzpolitischer Sachverstand, ebenso sind Prozentangaben im Interview nach subjektivem Empfinden gesetzt. Ohne Zweifel, das Interview ist eines Mannes in seiner Position nicht würdig.


Allerdings haben viele seiner Aussagen einen wahren Kern, der nur völlig überzogen dargestellt wird. Ebenso trifft Sarrazin einige Aussagen, die fast ausschließlich für Berlin gelten, nicht aber für ganz Deutschland.

Seine Äußerungen zu integrationsunwilligen Arabern und Türken stimmt in weiten Teilen. Keine andere Bevölkerungsgruppe macht so viele Probleme und scheint sich in dieser Rolle anscheinend zurecht zu finden. Seine prozentualen Angaben machen aber selbst die Pessimisten sprachlos. Dennoch hat er den Finger in eine große Wunde gelegt, die bisher nicht heilen konnte, weil sie tabuisiert ist.

Wer das ganze Interview von Thilo Sarrazin gelesen hat, der erkennt, dass es sich hier nicht um rechtes Gedankengut handelt, sondern um die Sorge eines alten Mannes der alten Schule über seinen Staat. Seine Äußerungen über Tugenden von Volksgruppen belegen dies. Die offene Feindschaft, die ihm allerdings aktuell Bundesbank-Chef Axel Weber entgegen bringt, beruht nicht auf dem Interview sondern liegt viel tiefer.

Die linken Organisationen haben noch immer nicht erkannt, dass hier ihre falsch verstandene Toleranz von kleinen Teilen der Migranten ausgenutzt wird. Die Tabuisierung dieses Themas ebenso wie die Verharmlosung, führen zu einer Stärkung der rechtsextremen Gruppierungen.

Indirekt sind die linken Organisationen für ein Erstarken der Rechten in Deutschland mitverantwortlich. Wer Sachverhalte und Wahrheiten aus ideologischen Gründen ignoriert, der verschlimmert das Problem und ist zum Untergang verurteilt – die DDR hat es vorgemacht.

Über Thilo Sarrazin

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