Fr 20 Nov 2009
Der deutsche Altruismus stirbt – in der Berufswelt scheint er schon tot!
Erstellt von d.diggler unter Allgemein , Arbeit , Arbeitsagentur , Bewerbung , Freizeit , Geschichte , Gesellschaft , Jobbörsen , Online Bewerbung , Praktikum , Sport , Vorstellungsgespräch , Wissenschaft , Zeitarbeit[5] Kommentare
Wirtschaftskrise, Werteverfall, soziale Kälte, Jobabbau, Gewinnmaximierung, etc. – alles Begriffe der Gegenwart und Synonyme einer sich ändernden Gesellschaft. Jeder dieser Begriffe steht für einen Messerstich in den Korpus der altruistischen deutschen Gesellschaft und mit jedem neuen Begriff und vor allem der dahinterstehenden Maßnahme, endet die Ära der altruistischen Gesellschaft.
Ohne den Altruismus der vergangenen Generationen wäre unsere Zivilisation nicht dort, wo sie jetzt steht. Jede Gesellschaft braucht viele Bürger, die mehr geben als sie nehmen, ähnlich dem Prinzip von Jing und Jang – Gut und Böse. Eine Gesellschaft die nur aus Altruisten besteht ist eine Überflussgesellschaft in der es jedem Menschen gut gehen muss. Eine Gesellschaft ohne Altruismus ist vergleichbar mit dem Dritten Reich hoch 10.
Altruismus scheint also die Wurzel zum Glück zu sein, doch man kann ihn nicht aufzwingen. Er ist eine Eigenschaft die im Laufe der Evolution sowohl bei Tieren, als auch bei Pflanzen auftaucht. Bei den Menschen ist es eine Lebenseinstellung und Bewusstseinsentscheidung die jeder selbst treffen muss und für erstrebenswert erachten muss, sonst funktioniert es nicht.
Die Super-Altruisten von Noah über Jesus bis Mutter Theresa gelten noch immer als die Vorbilder, allerdings mit rapide sinkender Identifikationszahl. Sie werden abgelöst von den mächtigen Oligarchen, den Titanen der “aktuellen” Gesellschaft, welche sich als sogenannte Alpha-Tiere outen, aber auch den Popstars und Topmodels, die im Prinzip in Symbiose mit den Titanen leben. Diese “neuen” Vorbilder werden das zukünftige gesellschaftliche Bild bestimmen, etwas anderes deutet sich nicht an.
Doch warum stirbt der Altruismus und wo hat diese Entwicklung ihren Ursprung? Den Ursprung erleben wir tagtäglich und er liegt eigentlich im kapitalistischen System begründet. Wer gibt, dem wird gegeben – diese Weisheit gilt im Kapitalismus nicht, hier zählt eher, wer nimmt bekommt immer mehr. Vor allem seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich diese Maxime welteit durchgesetzt.
Der Niedergang des Altruismus ist allerdings an keinem Zeitpunkt richtig festzumachen, es ist eher einer Entwicklung geschuldet, die verschiedene Ursachen hat. Der Wegfall von Kirchen als Wertevermittler zählt dazu, aber vor allem der unglaubliche geselschaftliche Erfolg der Anti-Altruisten. Diese sind in sehr vielen Führungspositionen vertreten und bekommen eine steigende Aufmerksamkeit und Bewunderung. Es gilt heute mehr denn je ein erfolgreicher Mensch zu sein, als ein guter Mensch. Gut-Menschen kommen im Beruf nicht weiter, sie können nicht beißen, nicht hauen oder stechen und sie gehen nicht über Leichen.
Die Kirchen waren viele Jahrhunderte der Hort des propagierten Altruismus, sie sind es heute auch, nur glaubt ihnen niemand mehr, weil die Wirklichkeit sie überholt hat. Denn sie haben es in der Tat immer nur propagiert und nicht selbst gelebt, außerdem lebt es sich ohne Altruismus in dieser Gesellschaft angenehmer. Es gibt aktuell noch kein zeitgemäßes Gegenstück zum kirchenpropagierten Altruismus, nicht nur die rapide sinkende Zahl der Ehrenämter ist hierfür ein Beleg. Organisationen wie Attac oder Wohlfahrtsverbände können hier kaum was bieten.
Allein Maultaschen-Affären oder Getränke-Bon-Skandale zeigen den Menschen, dass heute nur noch der weiter kommt, der an sich selbst denkt. Dieser Sachverhalt ist politisch und wirtschaftlich so gewollt, im Prinzip das amerikanische und puritanische System. Vor Jahren hat sich bereits angedeutet, dass unsere Gesellschaft amerikanisiert wird und wir sind auf dem besten Weg dorthin.
Quelle: spiegel.de
November 20th, 2009 at 18:32
Ich würde es nich ganz so schwarz sehen. Diese Welt funktioniert dual. Es ist wie bei einem Pendel, mal schlägt es in dies, mal in jene Richtung. Je mehr es auschlägt, je länger benötigt es auf die andere Seite.
Zugegebener Maßen schlägt es sehr weit auf der Egoseite aus, aber nach dem Gesetz des Universums wird es auch wieder zurück Pendeln.
Bis dahin müssen wir allerdings weiter unseren täglichen Döner Kebab vor den Egomanen verteidigen.
Oktober 9th, 2010 at 00:10
@Onkel-Kebab: Normalerweise poste ich immer solche Sätze in diesem Blog.
Ich sehe es auch nicht so dunkel. Es gibt ne Menge Leutchen die auf der Suche sind, aber keine Lust auf dogmatische Religionen haben.
Wissenschaft, Religion und Philosophie kommen immer mehr zusammen. Kann man schön auf der F-Buchmesse sehen und lesen.
Oktober 11th, 2010 at 08:27
nun ja, da stimme ich euch beiden zu. es gibt immer wieder eine gegenbewegung.
aber die entscheidende frage ist im prinzip: wie weit muss das pendel ausschlagen, damit diese bewegung eintritt?
im mittelalter hat es bis zur aufklärung gedauert. mehrere hundert jahre sind keine guten aussichten …
November 27th, 2010 at 06:40
“Eine Gesellschaft ohne Altruismus ist vergleichbar mit dem Dritten Reich hoch 10.”
Das Gegenteil ist der Fall. Nationalsozialismus ist Altruismus pur. Ich sag nur: NS-Volksgemeinschaft, Kameradschaft
November 29th, 2010 at 17:12
der altruismus, der in der NS-Zeit stattgefunden hat war die rettung von wenigen juden vor massenvernichtung. ich gaube, da wird was verwechselt:
“Reziproker Altruismus liegt vor, wenn altruistisches Verhalten auf der Basis von Gegenseitigkeit „zurückgezahlt“ wird. Vor allem von höheren Primaten einschließlich des Menschen ist dieses Phänomen des reziproken Altruismus bekannt. Ein solcher Altruismus ist jedoch kein echter, da er sich letztlich „auszahlt“.”
die NS-Volksgemeinschaft hat sich als ethnische masse definiert und sich von anderen abgegrenzt, um sich über sie zu erheben. das hat nichts mit altruismus zu tun. hier ging es lediglich um den persönlichen vorteil durch die massenbildung.