Bewerbung


Als ich den Artikel von der Karriereberaterin Uta Glaubitz auf spiegel.de gelesen habe, stellte sich mir sofort die berechtigte Frage: Wie kann jemand einen solchen Müll schreiben? Oder ist der Textmüll einfach nur eine Provokation um ihr und spiegel.de Leser zu bescheren? Diese Frage muss jeder selbst für sich beantworten. Meine Antwort ist folgende: Uta G. glaubt den Trash wirklich den sie schreibt und spiegel.de nutzt das geschickt zur Provokation aus. Nie zuvor habe ich einen vom deutschen Berufsalltag entfernteren Beitrag gelesen, welcher offenbart, dass sich offenbar jeder Berufsberater nennen kann.

Burnout ist nur eine Frage der eigenen Person? Burnout ist ein Problem von Gutmenschen? Burnout mit sensibelen Charaktereigenschaften abzutun und den Menschen an ihrer Kankheit selbst die Schuld zu geben ist nicht nur frech, sondern offenbart das eigentliche Problem in unserer Arbeitswelt. Menschen wie Frau Glaubnix offenbaren mit ihren Thesen, dass der Mensch nur noch als Human Kapital gesehen wird und nur noch in dem Rahmen Beachtung findet, in dem er funktioniert. Man hat sich gefälligst in die Arbeitswelt einzufügen oder ihr fern zu bleiben. Wer sich nicht an den Leistungstägern der Gesellschaft orientiert und nicht den Arbeitsmarkt als täglichen Kampf betrachtet, wie er damals in der Steinzeit ums tägliche Überleben stattfand, der sollte lieber zuhause bleiben.

Die These von Frau Glaubnix kann man auch zusammenfassen mit: Arbeit ist Kampf und der Schwächere bleibt halt auf der Strecke.

Willkommen in der Vorindustrialiserung von Frau Glaubnix. Wer die letzten hundert Jahre am Arbeitsmarkt nicht mitbekommen hat, der sollte auch keine Berufsberatung machen.

Quelle: spiegel.de

Ab dem 01. August 2011 soll es auf dem deutschen Arbeitsmarkt voraussichtlich ein neues Jobprofil geben – Tourismuskauffrau/Tourismuskaufmann. Diese Neuerung wurde im Rahmen der ITB 2011 bereits gemunkelt und am 17.03.2011 durch das BIBB öffentlich gemacht.

Vermutlich wurde hierfür bewusst das Datum nach der ITB 2011 gewählt, um Kritiken im Zaum zu halten und diesen kein Forum zu bieten. Die neue Ausbildungsordnung basiert weitgehend auf der für Reiseverkehrskaufleute, allerdings gibt es Änderungen in einigen wesentlichen Punkten.

So liegt der Fokus zukünftig verstärkt auch auf den Geschäftsreisen. Durch die zunehmende Internationalisierung der Unternehmen ergeben sich extrem steigende Zahlen an Dienstreisen. Die Tourismuskauffrau/-mann-Ausbildung ist an diesem Trend ausgerichtet worden. Immer mehr Unternehmen unterhalten eigene Abteilungen für die Planung und Organisation von Dienstreisen.

Ein weiterer Aspekt liegt in der stärkeren Fokussierung auf den Kunden. Die Kundenorientierung aber auch die Kundenbindung sind vor allem für das schwächelnde Agenturgeschäft notwendig, schließlich liegt hier die Stärke der Reisebüros gegenüber den Direktbuchungen.

Die dritte wesentliche Änderung in der Ausbildung zur Tourismuskauffrau/-mann liegt in der Wahlfreiheit für Zusatzqualifikationen. Wer also möchte, kann sich innerhalb der Berufsausbildung zusätzlich in bestimmten Bereichen qualifizieren, die nicht zum Pflicht-Lernplan gehören.

Welche Wahlqualifikationen dies genau sind, verrät das BIBB in der Pressemitteilung noch nicht. Das Angebot soll sich besonders an die “leistungsstarken” Azubinen richten, also frei nach dem Prinzip, wer nicht ausgelastet ist oder wem es zu langweilig wird, der kann hier noch genug machen.

Dennoch ist diese Änderung nicht ganz unkritisch zu sehen, erhöht sie doch den Leistungsdruck innerhalb der Ausbildung für Tourismuskaufleute. Die zusätzlichen Wahlfächer, sollen die Spreu vom Weizen deutlicher trennen, weshalb die Azubis mit einem zusätzlichen Wahlfach oder mehreren Wahlfächern, vermutlich deutlich höhere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen werden. Somit wird das Wahlfach wieder zum Pflichtfach, was sicher nicht sinnvoll wäre.

Doch vielleicht sollte man der Tourismuskauffrau/dem Tourismuskaufmann erstmal eine Chance geben und bei Bedarf gegensteuern.

Weitere Infos zu Ausbildung, Bewerbung und Job als Tourismuskauffrau/-mann.

Ab diesem September wird die Arbeitsagentur in NRW das anonymisierte Bewerbungsverfahren testen. Andere Unternehmen wollen bereits folgen.

Die anonyme Bewerbung hat den Vorteil, dass sibve nicht nur die Herkunft des Bewerbers verschleiert, sondern auch dessen Geschlecht, Nationalität, äußere Erscheinung oder Religionszugehörigkeit. Von der Idee her ist die anonyme Bewerbung für den leistungsstarken Bewerber nicht schlecht, denn sie stellt nur seine reine Leistung in den Vordergrund. In der Praxis wird es mit Sicherheit die ein oder andere Verschiebung geben.

Der Einstieg in einen Arbeitsmarkt für Bewerber wäre mit der anonymen Bewerbung vollzogen, allerdings müsste die Wirtschaft mitziehen und danach sieht es bis dato nicht aus, eher das Gegenteil. Die Personalverantwortlichen sind mit der aktuellen Situation sehr zufrieden und sehen eher Nachteile durch höhere Kosten in dem anonymen Bewerbungsverfahren.

Der Arbeitsmarkt ist momentan klar den Unternehmen unterworfen, die anonyme Bewerbung wäre die erste Abkehr von diesem Sachverhalt. Die Unternehmen müssten auf die Bewerber zu gehen, was sie in den nächsten Jahren durch demografischen Wandel vermutlich eh machen müssen. Doch gerade in den Unternehmen zählt nur, was Vorteile oder Geld bringt und das dürfte bei dem anonymen Bewerbungsverfahren nicht der Fall sein.

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Es ist schon erstaunlich! Wer im Parlament der Europäischen Union in Straßburg oder anderswo arbeitet, der hat vor einiger Zeit einen Fragebogen bekommen, in welchem er zum Beispiel folgende Fragen beantworten sollte:

“Hatte eines ihrer Familienmitglieder eine Geisteskrankheit?”

“Haben Sie je selbst einen Neurologen, Psychiater, Analytiker oder Therapeuten aufgesucht?”

“Nennen Sie das Datum Ihrer letzten Periode.”

Dieser Fragebogen mit 25 teils sehr intimen Fragen ist zudem Bestandteil des Einstellungstests, wer die Angaben verweigert oder nachweisbar falsch ausfüllt, wird wahrscheinlich im Bewerbungsprozess ausgesiebt.

Als besonders dreist entpuppt sich jedoch die Tatsache, dass diese Daten über 30 Jahre gespeichert werden und sogar jedes Jahr neu erhoben werden sollen. Wodurch dem fass jedoch noch zusätzlich der Boden ausgeschlagen wird ist der zusätzliche jährliche Blut- und Urintest. Das ist Überwachung pur!

Die angestellten Mitarbeiter des Parlaments sind berechtigterweise entsetzt und wütend zugleich. Der medizinische Dienst des EU-Apparates entpuppt sich als hier als Datensammelmaschine, ohne auch nur das recht dafür zu haben. Offiziell lautet die Begründung ganz lapidar “versicherungstechnische Gründe”.

Versucht hier vielleicht jemand die Angestellten des EU-Parlaments erpressbar zu machen? Wer steckt eigentlich genau hinter der Forderung – wirklich eine Versicherung?

Der Skandal verbreitet sich jedenfalls wie ein Lauffeuer und erinnert an die Daimler-Benz-Blut-Affäre. Es wird deutlich, dass mittlerweile massiv persönliche Daten von Arbeitgebern eingefordert werden, die nicht das recht dazu haben – selbst im öffentlichen Dienst auf EU-Ebene. Das Thema Datenschutz muss wesentlich sensibeler in gesetzliche Rahmen gefasst werden und vor allem im Arbeitsrecht deutlich verankert werden. Es kann nicht sein, dass Arbeitgeber sehr intime Daten ungestraft abfragen können. Hier müssen schnell Gerichtsurteile auf EU-Ebene her, welche diesem unsäglichen Treiben einen Riegel vorschieben.

Quelle: stern.de

Der Berufsbildungsbericht 2010 legt für den deutschen Ausbildungsmarkt die Zahlen vor und stellt eine Diskrepanz fest, zwischen Ausbildungsplatzangebot und Ausbildungsplatznachfrage. Es gibt anscheinend tausende Bewerber die keine Ausbildung bekommen und tausende Unternehmen, die keine Azubis finden. Der schwarze Peter wird den Jugendlichen zugeschoben und eine “mangelnde Ausbildungsreife” attestiert.

Können Jugendliche wirklich dafür verantwortlich gemacht werden, dass in Gastronomie, Lebensmittelhandel, Fleischerei, Klempnerei und Gebäudereinigung ca. 10-15% der Azubis fehlen?

Liegt es nicht vielmehr daran, dass diese Bereiche mittlerweile kaum noch die Existenz der späteren Gesellen sichern können? Liegt es nicht vielmehr daran, dass diese Bereiche dem Dumpinglohn ausgesetzt sind? Liegt es nicht vielmehr daran, dass dort die Arbeitsintensität in keinem Verhältnis zur Entlohnung steht, ganz zu schweigen von den Arbeitsbedingungen!

Deutschland hat in Europa keine hohe Akademikerquote, trotzdem finden sich hier kaum noch Menschen, die in den einfachen Ausbildungsberufen aktiv werden wollen. Zu unattraktiv ist der Job, die Arbeitszeit, die Zukunftsperspektive und vor allem der Lohn. Endlich muss hier nachgesteuert werden im Rahmen von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Endlich müssen Arbeitgeber aktiv werden und den Lohn erhöhen und müssen Arbeitsplätze attraktiver gestaltet werden, um neue Mitarbeiter zu finden. Doch was machen Unternehmen und Staat? Sie steuern mit Gesetzen und Steuergeldern gegen, damit sich ja nichts zu Gunsten der Arbeitnehmer ändert. Ein Witz!

Zugegeben, die heutigen Heranwachsenden weisen in vielen Bereichen große Defizite auf, doch das hat nichts mit den Jugendlichen selbst zu tun, sondern eher mit den sogenannten innovativen Lernmethoden. Mittlerweile wird hier zurückgerudert, zum Beispiel im Fach Deutsch, wo über Jahre nach Gehör geschrieben werden sollte, was sich jedoch als grammatische Katastrophe offenbarte. Dies ist das Ergebnis von Länder-Bildungspolitik und nicht die Schuld von Eltern und Kindern.

Zudem wird den Jugendlichen eine mangelnde Leistungsbereitschaft vorgeworfen. Mit anderen Worten, sie wollen sich einfach nicht bedingungslos ausbeuten lassen. Sie werden an dieser Stelle in ein System gepresst, wo sie sich auf einmal in hierarchischen und teilweise faschistischen Strukturen wiederfinden. In vielen Unternehmen herrscht nicht mehr das Familiengefühl, sondern eher der “Human Kapital”-Gedanke. Davor kann das deutsche Arbeitsrecht in keinster Weise schützen, darauf hat sie auch niemand vorbereitet. Die heranwachsenden Azubis verweigern sich dieser Denkweise, sie wollen nicht die Arbeitssklaven der Zukunft werden.

Für mich eine positive Entwicklung! Die nächsten Jahre werden geprägt sein von weiterer Verweigerung von Arbeitseffizienz.

Quelle: zeit.de

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