Arbeitsagentur


Gerade heute wieder, zeigt die Bundesagentur für Arbeit wie sehr ihr die Realität abhanden gekommen ist. Der Vorstand Raimund Becker, welcher bei der Bundesagentur für Arbeit für die regionalen und örtlichen ARGEn zuständig ist fordert einen Zuzug von Millionen von Fachkräften und scheint dabei eher vom BDI bezahlt zu werden, anstatt vom Staat und somit vom Steuerzahler.

Raimund Becker gibt im Interview mit der taz seine These von einem bevorstehenden Fachkräftemangel zum Besten. Dabei verkennt er völlig die Sachverhalte. Doch was soll die Bundesagentur für Arbeit auch machen? Eigentlich hat sie noch nie mit einer zukunftsweisenden Behauptung richtig gelegen, doch das störet anscheinend niemanden, denn irgendwas sagen müssen sie ja und meistens ist es das, was die Arbeitgeber vorgeben.

Wir erinnern uns!?

Noch vor einigen Jahren waren Ingenieure im Überschuss vorhanden. Die Bundesagentur warnte vor einem Studium in diesem Bereich und die Studienanfänger entschieden sich für andere Studiengänge wie BWL, etc. Gleiches bei den Lehrern, die vor einigen Jahren noch Taxi fahren mussten, weil sie nirgendwo benötigt wurden. Heute werden Lehrer händeringend gesucht und ein Bundesland jagt dem anderen mit immer besseren Angeboten das Lehrpersonal ab. Niemand hat diese Entwicklungen vorhergesehen, obwohl sie natürlich logisch erscheinen, denn Studenten studieren das womit sie später auch Geld verdienen, aus diesem Grund gibt es auch einen Run auf Lehramtstudiengänge und Ingenieurwissenschaften. Es ist quasi schon abzusehen, was in ein paar Jahren folgen wird.

Im Prinzip kann man die Bundesagentur für Arbeit mit einem mächtigen Pferd vergleichen, welches Scheuklappen trägt. Eigentlich sieht dieses starke Tier nur das, was direkt vor seiner Nase ist und wohin es geführt wird. An den Zügeln sind meistens die Politiker mit ihren Parteiinteressen oder den Interessen der Wirtschaft. Genauso fallen auch die Prognosen der BA aus. Die BA hat keinen ganzheitlichen Blick, sie sieht nur das was man ihr zeigt.

Nehmen wir doch das Beispiel des Ärztemangels, wie es Herr Becker in seinem Interview beschreibt. Die Anzahl der Ärzte in Deutschland ist in 10 Jahren von ca. 100.000 auf 150.000 gestiegen. Wir hatten nie so viele Ärzte im Land. Nun gibt es allerdings kaum Ärzte auf dem land, weil sich in der Stadt wesentlich mehr Geld verdienen lässt. Ebenso fehlen die Ärzte in Krankenhäusern, weil dort Schichtarbeit, schlechte Bezahlung, Stress und rauhes Klima herrscht. Am liebsten wäre jeder Arzt ein niedergelassener Arzt mit eigener Praxis und großem Kundenstamm an Privatversichten.

Es ist unwahr, dass es in Deutschland einen Ärztemangel gibt, die Ärzte sind einfach nur schlecht verteilt und niemand will wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in einem Krankenhaus arbeiten. Doch was macht die BA? Anstatt die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern mit Vorschlägen konstruktiv zu reformieren oder für Anreize bei Landärzten zu plädieren, kommt wieder die plakative Forderung nach billigen Auslandsärzten.

Die Bundesagentur für Arbeit wird wieder einmal ihrem Ruf gerecht.

Quelle: taz.de

Letztes Jahr habe ich lautstark nach ihm gerufen, dieses Jahr kommt er erstmalig – der Boy’s Day. Als Gegenstück zum Girl’s Day hat der Boy’s Day im Prinzip die gleiche Intention. Doch geht es beim Girl’s Day eher darum die Mädels für die technischen Berufe und Männerdomänen zu begeistern, bei den Jungs soll dann eher das Soziale, Familiäre oder der Gesundheitsbereich im Vordergrund stehen.

Fakt ist, der Boy’s Day war mehr als überfällig, schließlich sind schon seit Jahren nicht mehr die Mädels die Problemfälle in Schule und Arbeitsmarkt, sondern eher die Jungs. Doch allein schon der Geschlechtergerechtigkeit wegen, hätte man damals nicht den Fehler machen dürfen nur die Mädels zu fördern.

Schwamm drüber, auch kurzsichtige Gender-Politik wird irgendwann kurzzeitig wieder weitsichtig, zumindest wenn die Probleme so nah kommen, dass man sie nicht mehr übersehen kann. Am 14. April 2011 wird nun der Boy’s Day starten, zusammen mit dem Girl’s Day, also sozusagen ein Girl’s and Boy’s Day 2011 (ich hasse diese Anglizismen).

Moment, sie meinen der Name passt dann ja eigentlich gar nicht mehr? Richtig! Eigentlich macht es ja mal überhaupt keinen Sinn einen Tag Girl’s and Boy’s Day zu nennen. Warum hat man das Kind also nicht einfach umbenannt in zum Beispiel “Perspektiv-Tag” oder vielleicht für die Freunde der Anglizismen “Career-Day”, oder so?

Nun, ich vermute es ist nur noch eine Frage der Zeit, vielleicht will man die ursprüngliche Intention transferieren, macht ja auch Sinn, zumindest kurzfristig. Was jedoch keinen Sinn macht ist ein Transfer der Inhalte. Sollten Mädchen wirklich zur ESA-Arbeitsplatzbesichtigung gehen dürfen, während die Jungs sich den Arbeitsplatz als Grundschullehrer oder Altenpfleger anschauen müssen. So führt die Initiative komplett am Ziel vorbei.

Wir sollten endlich grundsätzlich feststellen, dass es Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein gibt und dass es etwas anderes ist einen pubertierenden Jungen oder ein Mädchen vor sich zu haben.

Deutschland gilt seit einiger Zeit als die Wirtschaftslokomotive in Europa und darüber hinaus, doch bei den Arbeitnehmern kommt quasi nichts davon an, außer zusätzlicher Leistungsdruck. Die ILO (Internationale Arbeitsorganisation) hat ihren Global Wage Report 2010 vorgelegt und Politik sowie der Wirtschaft in Deutschland ein bescheidenes Zeugnis ausgestellt. Seit 2000 ist das Real-Einkommen der deutschen Arbeitnehmer um 4,5% gesunken.

“Arbeit muss sich wieder lohnen” – das war der Wahlspruch der FDP zur Bundestagswahl. Passiert ist seitdem fast gar nichts. Arbeit lohnt sich in Deutschland nach wie vor nicht, viele Arbeitnehmer bekommen höhere Hartz4-Sätze als ihr Arbeitslohn hergibt. Doch was macht die Bundesregierung? Sie erhöht den Druck nach unten und kürzt fast sämtliche Zulagen und streicht radikal Arbeitsmarktprogramme. Sie dämmt die Zeitarbeit nicht weiter ein, welche an Sklaverei erinnert und immer größere Ausmaße annimmt.

Stattdessen nimmt sie sich dem Ruf der Wirtschaft nach billigen Fachkräften an um damit die Löhne im Land weiter niedrig zu halten bzw. noch weiter zu senken. Wie kann es sein, dass die Unternehmen branchenübergreifend für dieses Jahr riesige Gewinne erzielen, aber bei den Arbeitnehmern wieder einmal nichts ankommt?

Quelle: zeit.de

Was viele schon lange wussten ist nun in einer Studie vom DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) belegt worden, die deutschen Unternehmen haben eigentlich gar keinen Fachkräftemangel. Seit Jahren wird gebetsmühlenartig die Forderung nach billigen ausländischen Facharbeitskräften mit einem angeblichen Mangel in Deutschland begründet. Eine Forderung, die jahrelang dafür sorgte, dass die Arbeit hierzulande immer billiger wurde.

Die Industrie fordert permanent mehr Fachkräfte in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik oder Technik. Die Experten haben sich intensiv mit dem Bedarf und den Fachkräften im Land auseinander gesetzt, doch sie verweisen allein schon auf die Entwicklung der Gehälter, um diese permanente Forderung zu widerlegen. Die Lohnentwicklung bei den mangelnden Fachkräften ist nämlich ebenso rückläufig, wie bei den einfachen Arbeitskräften.

Was alle schon wussten ist somit offiziell, denn wo ein Mangel ist, da gibt es steigende Preise. Logische Konsequenz, wenn wirklich ein Mangel an Fachkräften existierte, so müssten die Gehälter in den genannten Bereichen konsequent und überproportional über die Jahre gestiegen sein. Das ist in keinster Weise der Fall.

Es somit zweifelsfrei ein Märchen der Industrie, welches von Lobbyverbänden und deren Sprechern immer wieder hinaus posaunt wird, mit dem Ziel, ständig billige Fachkräfte zur Verfügung zu haben. Das ist volkswirtschaftlich schändlich und schädlich, aber unternehmerisch sinnvoll.

Mit dieser Keule braucht die Industrie also nicht mehr kommen, der Hundt hat ausgebellt. Trotzdem springt das Lobby-Blatt Bild den Unternehmern gleich wieder zur Seite und führen Beispiele an, wo niemand mehr für 3 EUR/Stunde arbeiten möchte.

Der einzige Mangel, den die Experten am Arbeitsmarkt ausmachten bezog sich auf Ärzte, welche besonders in ländlichen Gebieten fehlten.

Quelle: spiegel.de

Frau von der Leyen hat es schon mehrfach in ihren Statements erwähnt, wenn sie von den “Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts” spricht. Genau das ist die wahre Triebfeder für die aktuelle Hartz4-Reform, nichts anderes. Hier geht es aktuell nicht darum mehr Geld an Bedürftige auszuschütten, welches eh nicht vorhanden ist.

Im Prinzip hat die Bundesregierung einfach nur alle Hartz4-Würfel wieder in den Knobelbecher getan und einfach neu ausgewürfelt bis ein wenig mehr dabei heraus kam. Ein simples Rechenspiel.

Denn auch der Bundesregierung ist bewusst, dass man nicht mehr Geld in das Sozialsystem pumpen darf. Warum? Nun, letztendlich führt diese Weg zu einem Mindestlohn und das wollen CDU und FDP um jeden Preis vermeiden, vor allem die FDP will hier ihre Klientel schützen.

Doch der Mindestlohn ist quasi unausweichlich, spätestens nach dem Regierungswechsel, der vermutlich nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, muss ein Mindestlohn kommen. Auch die Löhne der Fachkräfte müssen dramatisch steigen, erst dann kann auch das Sozialsystem mit Geld bedacht werden.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass besonders die alleinerziehenden Mütter mit ihren Kindern unter dem Hartz4-Druck leiden. Dem Bundesverfassungsgericht ging es ja hauptsächlich auch nur um das Wohl der Kinder.

Im neuen Hartz4-Ansatz der Bundesregierung hat sich hier jedoch quasi nichts geändert. Außer Pfennigfuchserei ist am Ende nicht viel passiert.

Quelle: spiegel.de

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