Bologna-Prozess – die verlorene wissenschaftliche Generation

Der Bologna-Prozess, mit seiner radikalen Umgestaltung der deutschen Hochschulbildung hat die Erwartungen erfüllt und ist zum Rohrkrepierer geworden. Zu Recht gehen die Studenten heute für ihre Bildung demonstrieren, allerdings offenbart sich auch der Wandel in der Studentenschaft, den studentische Massenproteste gibt es nicht mehr.

Die Hochschulrektorenkonferenz hat zugegeben, dass der Bologna-Prozess in seiner jetzigen Form gescheitert ist. Einziges Ziel scheint zu sein die Studienzeiten um jeden Preis zu drücken, damit die Jugend schneller in die Jobs kommt und dem demografischen Wandel entgegenwirkt. Der Bologna-Prozess diente offensichtlich nur der Wirtschaft, den Hochschulen und dem Staat, alle anderen gehen leer aus.

Die Firmen profitieren vom Bologna-Prozess, weil hiermit die Wissenschaft an der Hochschule einer praxisorientierten Ausbildung das Feld räumen musste. Die Unternehmen bekommen also besser zugeschnittenes Human Kapital für ihre Arbeitsplätze und dadurch, dass die Studenten jünger sind, wird auch der Jugendwahn der Wirtschaft bedient. Jugendliche bringen sich halt mehr in Unternehmen ein als ältere Arbeitnehmer und erwirtschaften bis zum ersten Burn-Out mehr Geld.

Der Staat profitiert vom Bologna-Prozess durch Kosteneinsparung aufgrund kürzerer Studienzeiten und die höhere Wirtschaftsleistung bzw. Lohnsteuer, etc., weil die Absolventen schneller das Geld in die Kassen spülen. Die Hochschulen wurden mit der Einführung von Studiengebühren ruhig gestellt, die sie jetzt im Rahmen von 300-500 EUR pro Semester von den Studenten abverlangen.

Komplett versagt hat der Bologna-Prozess bei der Internationalisierung der Hochschulbildung, denn die Studenten haben überhaupt keine Zeit mehr für die Teilnahme an Auslandsemestern a la Erasmus-Programm. Die Dichte und Kanalisierung der Wissenschaft in Deutschland bringt daher nationale Fachidioten hervor, die keinen interdisziplinären Ansatz aufweisen.

Im Prinzip ist der Bologna-Prozess zwar eine nette Idee, allerdings verkennt er die Existenz des Gefangenendilemmas, welches besagt, dass Partner die untereinander in Konkurrenz stehen, immer besser sein müssen als der andere. Unter sozialistischen Gesichtspunkten ist der Bologna-Prozess daher richtig, allerdings verkennt er total den Sachverhalt, dass wir in einer kapitalistischen Marktwirtschaft leben. Die deutschen Studenten müssen besser sein als ihre ausländischen Kollegen.

Die Zeche zum Schluß zahlen wir alle.

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Eine Antwort auf Bologna-Prozess – die verlorene wissenschaftliche Generation

  1. Es sind aber nicht nur die Unis die zu hinterfragen sind, die Grundschulen, das komplette Schulsystem ist nicht mehr dem Klientel entsprechend aufgestellt.

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