Di 17 Jun 2008
Bewerbung- Kein Deckblatt, keine dritte Seite
Erstellt von mklaholz unter Allgemein , Bewerbung[4] Kommentare
Florian geht in die 11. Klasse auf einem Berufskolleg und macht was in Richtung Kaufmann. Für seinen Deutschunterricht sollte er eine Bewerbungsmappe erstellen und bat mich, ihm zu helfen. Als Anschauungsmaterial habe ich ihm einige grausige Beispiele aus den Ergopraxen mitgebracht, noch schlimmer war dann allerdings, was ihm seine Lehrerin mitgegeben hatte: Nämlich den Rat, unbedingt ein Deckblatt und eine dritte Seite mitzuliefern. „Das ist eine Erfindung von Hesse und Schrader, die das als Highlight in Ihren Bewerbungsbüchern verkaufen und es aus den USA geklaut haben. Totaler Schwachsinn und neben der Papierverschwendung auch noch psychologisch verschenkt“, erwiderte ich. „Denn Erstens soll die dritte Seite in Übersee für mehr Profil des Bewerbers sorgen, weil dort wegen der Antidiskriminierungsgesetze keine Fotos mit im Lebenslauf sein dürfen. Was soll das hier? Wer sich nicht im Anschreiben darstellen konnte, massakriert sich wahrscheinlich gänzlich im „Motivationsschreiben“. Ich denke, jemand weis, warum er wo arbeiten will, seine Möglichkeiten entnehme ich aus dem Anschreiben und seinem Lebenslauf. Und zu mehr, Frau Lehrerin, habe ich weder Lust noch Zeit. Sonst würde ich auch noch was geistreiches in das beigelegte Poesiealbum schreiben. Auch eine Idee von Ihnen? Ich soll mir also eine Persönlichkeit selbst zusammen basteln? Danke, gern, genug halbseidenes Material zum Interpretieren haben sie mir ja geliefert! Da greife ich doch lieber in Ihre Seiten: Sie begehen aufgrund angelesener und nicht Praxis bezogener Tipps einen Bewerber-Genozid. Ich verstehe, dass zwischen Abitur, Studium und Schuldienst nicht viel Zeit und Möglichkeit war, seinen Marktwert zu studieren und tatsächlich eine! Bewerbung zu schreiben. Oder vielleicht taten Sie`s nach Ihren Methoden, kamen nicht an und stießen deshalb diesen weg ein. Wie auch immer, lehren und lernen Sie! Gehen Sie mal zu einer Job-Messe, Career Center, etc pp und Fragen jemanden vom Fach, wie diese Unterlagen gelesen werden. Zweitens (damit hatte ich weiter oben angefangen) sollte das Bewerbungsfoto auf die erste Seite des Lebenslaufes. So bleiben die Daten, verknüpft mit einem Gesicht, besser im Gedächtnis. Sie werden mehr wahrgenommen. Deckblätter, das sagt der Name schon, decken nur ab und werden sofort zur Seite gelegt, um ans Wesentliche zu kommen.
Bewerbung, vom Stellensuchen, über die Unterlagen schreiben und gestalten bis zum Vorstellungsgespräch, ist einfach zu wichtig, um sie von Dilettanten machen zu lassen.
Und die Geschichte zeigt auch, als wie nebensächlich das Thema in der Schulbildung angesehen wird.

Oktober 8th, 2008 at 14:17
Ich habe andere Meinung über Dritte Seite.
Vielleicht stört dich der Ausdruck “3.Seite” aber vom Inhalt her, finde ich super. Das Problem dabei ist, dass der Bewerbungsschreiber (in Eurem Fall: Florian und Du) genauso wie die meisten nicht wissen, was sie auf der 3. Seite schreiben sollen.
Gerade bei Online-Bewerbung a la Daimler, O2, Deutsche Bank u.v.m. sehe ich einen Vorteil, wenn der Bewerber statt nur die Bewerbungsmaske online ausfüllt und seinen Lebenslauf als Anhang zusendet, eine sog. Dritte Seite mitzuschicken.
Aber wie auch immer, das ist ja die Frage des Geschmacks. One loves it and one hates it.
Oktober 9th, 2008 at 15:28
Hallo 3. seite schreiber,
“Das Problem dabei ist, dass der Bewerbungsschreiber (in Eurem Fall: Florian und Du) genauso wie die meisten nicht wissen, was sie auf der 3. Seite schreiben sollen.”
Das kann ich entschieden zurückweisen. Ich weis durch eigene Firma (mit 24 Angestellten), Unternehmensbeziehungen und zahlreiche gegebene Bewerbungsseminare sehr genau, wie die Sicht auf und der Umgang mit Bewerbungsunterlagen abläuft. Die erwähnten Unternehmen haben bei dem Anlauf an Bewerbungen (wenn nicht an einen Dienstleister vergeben, der ähnlich verfährt) gar keine Zeit, sich neben Anschreiben, Lebenslauf u. den Qualifikationen noch anderen Inhalten zu widmen. Entscheidende Kompetenzen, soft skills, werden bei passenden hard skills im AC beobachtet und beurteilt. Da ist der Punkt der endlichen Eignung. Was ich mir auf der 3. Seite an Motivation und Interesse anspreche, bleibt zu beweisen. Ein gutes, aussagekräftiges Anschreiben, das interessant macht, mehr will ich gar nicht und auch nicht mit mehr belastet werden.
März 8th, 2009 at 17:55
Sorry, aber was ihr hier von euch gibt und auch der eigentliche Text selber ist völliger Mumpitz.
Jedes Unternehmen arbeitet anders und geht unterschiedlich im Auswahlverfahren vor. Daher gibt es eben Unternehmen, die auf Deckblätter keinen Wert legen. Die dritte Seite ist ohnehin nur freiwillig und kein Muss. Dennoch ist die dritte Seite ein sinnvolles Mittel, sich von Mitbewerbern abzugrenzen.
Sicher ist ein Anschreiben sehr wichtig, aber wenn man hier Interesse an seiner Person weckt, kann ein Motivationsschreiben sogar ausschlaggebend für die Entscheidung für oder gegen eine Person sein.
In vielen Firmen werden die Motivationsschreiben bereits als wichtiger Teil der Bewerbung gesehen, wie ich bereits am eigenen Leib erfahre. Von meiner derzeitigen Firma, in der ich über Zeitarbeit arbeite, werde ich nun übernommen. Auf ein Anschreiben verzichtet man, aber man möchte gerne eine Bewerbungsmappe samt Lebenslauf, Zeugnissen und Motivationsschreiben von mir haben, wobei letzteres sogar noch mehr Gewicht hat als die restlichen Unterlagen, die eben nur für die Personalakte gebraucht werden.
März 9th, 2009 at 09:56
Hallo Chris!
Vielen Dank für deinen Kommentar, allerdings ist er nicht korrekt.
Das Anschreiben ist der wichtigste Teil einer Bewerbung, und legt die Motivation und Qualifikation für den Job dar. Eine Bewerbung ohne Anschreiben ist weder bei einer Initiativ- noch bei einer direkten Bewerbung auf ein Stellenangebot denkbar.
Allerdings kann es natürlich sein, dass in deinem Fall das Unternehmen hier andere Prioritäten setzt, wie duc schon gesagt hast, jedes Unternehmen hat seine eigenen Vorstellungen. Bei Leiharbeitern kann dies sinnvoll sein, weil sie eh schon im Unternehmen arbeiten und nur nochmal die Motivation für die Festanstellung darlegen sollen. Durchaus denkbar.
Es ist jedoch in keinem Fall ratsam eine Bewerbung ohne Anschreiben zu versenden, außer es ist ausdrücklich gewünscht.
LG