Ausbeutung der Praktikanten erreicht eine neue Dimension

In den USA hat sich mittlerweile das Home-Office-Praktikum etabliert. Dort arbeitet ein Praktikant von daheim für ein Unternehmen was sich „virtual internship“ nennt. Der Nutzen dieser neuen Form von Praktika darf ernsthaft bezweifelt werden.

Für Studenten und Schüler ist es längst mehr als eine Eintrittskarte in die Arbeitswelt und für Unternehmen ist es eine billige Alternative zur normalen Beschäftigung – das Praktikum. Für die Generation Praktikum ist es auch eine Falle zur kostenlosen Arbeit, aus der man oftmals nicht ohne Hilfe oder Beziehungen heraus findet.

Die Tatsache, dass mittlerweile das Praktikum sogar von zuhause absolviert werden kann ist für die Unternehmen der kostengünstige Idealfall. Das „virtual internship“ schwabt von den USA her über den Teich und findet auch in Deutschland bei den kostenbewussten Personalern einen fruchtbaren Boden.

Argumente der Befürworter:

  • keine Kosten beim für Miete am Firmensitz, örtlich flexibel
  • keine Fahrtkosten für die tägliche Anreise
  • nie wieder Kaffee holen für die anderen Mitarbeiter
  • Unternehmen sparen Arbeitsplätze und Büros

Argumente der Gegner:

  • Sinn des Praktikums nicht mehr vorhanden, weil kein Eintauchen in die Arbeitswelt möglich ist
  • kein qualifiziertes Briefing
  • keine offline Interaktion mit Mitarbeitern vorhanden
  • Arbeiten ohne Begleitung, Praktikanten sind auf sich allein gestellt

Die Frage nach den Vor- und Nachteilen und deren Abwägung erübrigt sich, wenn man weiß, dass diese Form der Praktika nicht von den Studenten und Schülern gewünscht wird, sondern auf dem Mist der Unternehmen gewachsen ist. Die einzigen für die sich wirklich ein Vorteil herausbildet sind die Anbieter dieser Online-Praktika.

Der Praktikant hat quasi überhaupt keinen Bezug mehr zum Arbeitgeber, er lernt nie die richtige Arbeitswelt kennen, sondern wird quasi geführt, wie eine externe Agentur.

Doch warum ergibt sich überhaupt die Notwendigkeit für das Online-Praktikum?

Die Unternehmen planen mittlerweile fest mit Praktikanten und halten hier Ressourcen an Arbeitsplätzen frei. Wenn nach 6 Monaten der Praktikant geht, hat er gerade eine Woche lang seinen Nachfolger eingearbeitet, der die nächsten 6 Monate übernimmt. Praktikanten sind mittlerweile in vielen Branchen der Ersatz für Angestellte, die sonst einfache Aufgaben übernommen haben. Mit dem Online-Praktikum spart der Arbeitgeber einen Büro-Arbeitsplatz ein und die Aufgabe wird quasi outgesourct.

Längst hat sich bei den Praktikanten ein Schattenarbeitsmarkt entwickelt, der enormen volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet. Hier stellt sich wirklich die berechtigte Frage, ob man die Regelung für Praktika durch die Politik nicht endlich in Formen gießen sollte. Doch schon die rot-grüne und schwarz-rote Regierung hat nichts  für die Praktikanten getan und von der schwarz-gelben Regierung ist diesbezüglich nichts erwarten.

Quelle: zeit.de

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3 Antworten auf Ausbeutung der Praktikanten erreicht eine neue Dimension

  1. Praktikum sagt:

    Ich kenne Fälle da durften Praktikanten nur Post eintüten und versenden.

  2. d.diggler sagt:

    Auch das gehört dazu. 😀
    Aber wichtig ist, dass man sie anschließend auch mal an die Hand nimmt und ihnen was beibringt. 😉

  3. jk sagt:

    Kennt Ihr denn jdn. in Deutschland, der so ein Home-Office-Praktikum schon absolviert hat?

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