November 2009
Monats Archive
Fr 27 Nov 2009
Sie sind meistens blass und fallen zusätzlich über ein verschobenes Sozialverhalten auf. Sie haben die meiste Zeit ihres Lebens vor dem Computer verbracht und leben in einer anderen Realität, weit weg von der gesellschaftlichen Wirklichkeit vor der Tür. Die Rede ist von Nerds.
Jeder kennt wahrscheinlich ein Person, die er als Nerd bezeichnen kann, doch was genau ist eigentlich ein Nerd? Seit wann existiert diese gesellschaftliche Randgruppe? Und bin ich eigentlich auch schon ein Nerd, weil ich beruflich und privat jeden Tag länger als 10-12 Stunden vor dem Computer sitze?
Der Spiegel hat jetzt einen NERD-O-MAT veröffentlicht, an welchem du identifizieren kannst, wieviel Nerd bereits in dir steckt. Zum NERD-O-MAT…
Aber woher stammt der Begriff überhaupt? Nun, hierzu gibt es anscheinend keinen eindeutigen Beleg, aber verschiedene Theorien. Zum einen soll der Begriff abgeleitet “Non Emotionally Responding Dude” (deutsch: auf emotionaler Ebene nicht ansprechbarer Typ) bedeuten, zum anderen gibt es die Theorie, dass die Mitarbeiter von Nortel Networks (früher: Northern Electric Research and Development) den Schriftzug N.E.R.D auf ihren Arbeitsjacken trugen. Die Forschung steht hier wohl gerade erst am Anfang.
Tatsache ist, dass der Begriff heute in der Gesellschaft negativ besetzt ist und soviel wie Langweiler, Aussenseiter, Fachidiot, Sonderling oder Streber bedeutet, während er in der Computerszene selbst eher eine Respektsbekundung ist. Tatsache ist auch, dass die gefüllte Anzahl der Nerds in der Gesellschaft zunimmt und “Nerds” und “Digital Natives” als Randgruppen überlagern.
Es gibt Theorien, die behaupten, dass der demografische Wandel in Deutschland zu weiten Teilen dem interaktiven Mastrubationsverhalten der Nerds und Digital Natives geschuldet ist. Eine Theorie, die ich allerdings nicht teile, weil Nerds sehr wohl untereinander soziale Beziehungen pflegen.
Dennoch wird die Existenz dieser Randgruppe in den nächsten Jahrzehnten einen enormen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben haben. Nerds sind diejenigen innerhalb der Gesellschaft, die das Internet und somit die digitalen Medien und die Online-Welt weiterentwickeln. Ihr Verhalten beschäftigt und ernährt ganze Wirtschaftszweige.
Doch, ist der Begriff Nerd einfach nur ein Schimpfwort für skurille Typen oder lässt sich wirklich definieren und erkennen wer ein Nerd ist und wer nicht? Ist Nerdismus eine Krankheit oder gesellschaftliche Notwendigkeit? Wir dürfen gespannt sein auf die Ergebnisse der Sozialforschung in den nächsten Jahren. Eigentlich erstaunlich, dass es noch keine Studien dazu gibt.
Quelle wikipedia.de
Mi 25 Nov 2009
Der Bologna-Prozess, mit seiner radikalen Umgestaltung der deutschen Hochschulbildung hat die Erwartungen erfüllt und ist zum Rohrkrepierer geworden. Zu Recht gehen die Studenten heute für ihre Bildung demonstrieren, allerdings offenbart sich auch der Wandel in der Studentenschaft, den studentische Massenproteste gibt es nicht mehr.
Die Hochschulrektorenkonferenz hat zugegeben, dass der Bologna-Prozess in seiner jetzigen Form gescheitert ist. Einziges Ziel scheint zu sein die Studienzeiten um jeden Preis zu drücken, damit die Jugend schneller in die Jobs kommt und dem demografischen Wandel entgegenwirkt. Der Bologna-Prozess diente offensichtlich nur der Wirtschaft, den Hochschulen und dem Staat, alle anderen gehen leer aus.
Die Firmen profitieren vom Bologna-Prozess, weil hiermit die Wissenschaft an der Hochschule einer praxisorientierten Ausbildung das Feld räumen musste. Die Unternehmen bekommen also besser zugeschnittenes Human Kapital für ihre Arbeitsplätze und dadurch, dass die Studenten jünger sind, wird auch der Jugendwahn der Wirtschaft bedient. Jugendliche bringen sich halt mehr in Unternehmen ein als ältere Arbeitnehmer und erwirtschaften bis zum ersten Burn-Out mehr Geld.
Der Staat profitiert vom Bologna-Prozess durch Kosteneinsparung aufgrund kürzerer Studienzeiten und die höhere Wirtschaftsleistung bzw. Lohnsteuer, etc., weil die Absolventen schneller das Geld in die Kassen spülen. Die Hochschulen wurden mit der Einführung von Studiengebühren ruhig gestellt, die sie jetzt im Rahmen von 300-500 EUR pro Semester von den Studenten abverlangen.
Komplett versagt hat der Bologna-Prozess bei der Internationalisierung der Hochschulbildung, denn die Studenten haben überhaupt keine Zeit mehr für die Teilnahme an Auslandsemestern a la Erasmus-Programm. Die Dichte und Kanalisierung der Wissenschaft in Deutschland bringt daher nationale Fachidioten hervor, die keinen interdisziplinären Ansatz aufweisen.
Im Prinzip ist der Bologna-Prozess zwar eine nette Idee, allerdings verkennt er die Existenz des Gefangenendilemmas, welches besagt, dass Partner die untereinander in Konkurrenz stehen, immer besser sein müssen als der andere. Unter sozialistischen Gesichtspunkten ist der Bologna-Prozess daher richtig, allerdings verkennt er total den Sachverhalt, dass wir in einer kapitalistischen Marktwirtschaft leben. Die deutschen Studenten müssen besser sein als ihre ausländischen Kollegen.
Die Zeche zum Schluß zahlen wir alle.
Di 24 Nov 2009
Erstellt von d.diggler unter
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Das Doping am Arbeitsplatz ist nicht neu, schon seit dem Beginn der Industrialisierung nehmen Menschen verschiedenste Pharmazeutika, um im Berufsleben zu bestehen und Höchstleistungen zu bringen. Der Renner scheint aktuell Ritalin zu sein, welches eigentlich gegen ADHS bei Kindern verschrieben wird.
Englische Premierminister, Soldaten, Manager und Adolf Hitler haben eines gemeinsam – sie nahmen Drogen, um ihre Leistung zu steigern. Damals wie heute waren die Konsumenten relativ unbedarft was die Nebenwirkungen anging, von manisch euphorischen Zuständen über geistige Verwirrtheit bis zu bleibenden Schäden am Nervensystem nahmen und nehmen sie alles in Kauf, nur um im Beruf zu überstehen.
Es sind nicht nur die Leistungssportler, die sich regelmäßig dopen, sondern auch die ganz normalen Angestellten. In der Mehrzahl betrifft es eher die Angestellten in leitenden Funktionen, die unter einem dauernden Leistungsdruck stehen und ihrem Körper und Geist alles abverlangen. Eine Studie der DAK geht von ca. 800.000 Deutschen aus – egal ob Angestellter, Freiberufler oder Unternehmer – die regelmäßig Substanzen zu sich nehmen, damit die Leistung im Job gebracht wird. Hierunter fallen nicht die Nahrungsmittel wie Kaffee oder “mothers little helpers” wie die Rolling Stones einst das beruhigungsmittel Valium besungen haben. Das Marihuana und LSD nicht gerade zum Doping zählt und die Leistung eher in unterirdischen Tiefen verschwindet, mussten die Amerikaner bei ihren Soldaten im Vietnam-Krieg feststellen, die sich das Zeug natürlich illegal besorgten, wahrscheinlich vom Viet-Kong.
Die Kassenschlager der Leistungsteigerung heißen Ritalin und Modafinil, die illegalen Klassiker natürlich Kokain und Speed, wobei bei Kokain auch gleich noch das Selbstbewusstsein gesteigert wird. Wenn ihr Chef also plötzlich so wirkt, als ob man ihm eine Duracel-Batterie in den Allerwertesten geschoben hat, dann ist das vielleicht auf Substanzen zurückzuführen.
Was der Berufstätige oft nicht direkt merkt, er begibt sich in einen Teufelskreis aus “Uppern” und “Downern”, morgens fit für den Job dopen und abends wieder runterkommen zum schlafen. Spätestens nach einigen Monaten sind neben der pysischen und psychischen Sucht auch die bleibenden Schäden an Organen und dem Nervensystem vorhanden.
Hier liegt auch die Gefahr des relativ harmlosen Ritalins, welches nicht unmittelbar zu einer Abhängigkeit führt. Als der Schweizer Leandro Panizzon 1944 das Methylphenidat entdeckte, probierte er es gleich an seiner Frau aus. Diese zeigte plötzlich beim Tennisspiel eine enorme Leistungssteigerung. Seine Frau hieß übrigens Rita, weshalb das Medikament den Namen Ritalin trägt.
Ritalin scheint der perfekte Leistungsbringer zu sein und wird mittlerweile in rauhen Mengen verschrieben. Wir leben heute quasi in einer Ritalin-Gesellschaft, welche die permanente Leistung verlangt, wer nicht mitkommt hat entweder die Wahl des sozialen Abstiegs oder aber er nimmt die Leistungssteiger zu sich, wie es heute bereits viele Kinder täglich vollziehen.
Was passiert eigentlich mit den Kindern die heute permanent unter Ritalin stehen? Werden sie ihren zukünftigen Joballtag ohne Ritalin überstehen?
Mo 23 Nov 2009
“Wo Geld fließt, da gibt es auch Betrug”, sagt ein Sprichwort und beweist durch den neuen europäischen Wettskandal im Fußball seine Gültigkeit. Erstaunlich nur, dass der Skandal in Deutschland aufgedeckt wurde, wo so viele Länder betroffen sind und die Mafia im Lande eigentlich ungestört arbeiten kann.
Es war zwar nur ein Zufallsfund, der die Lawine des Betrugsfalls ins Rollen brachte, aber immerhin haben die deutschen Behörden ihre internationale und fachliche Kompetenz unter Beweis gestellt. Der reibungslose und effektive Zugriff und die somit notwendige Geheimhaltung im öffentlichen Dienst auf internationaler Ebene verblüffen. Wann hat es so etwas je zuvor gegeben, außer gegen Kinderschänder. Keine Frage, die Polizei lernt dazu, trotzdem sind ihnen die Mafiosi, Triaden und wie sie auch heißen mögen um Lichtjahre voraus.
Was allerdings ein wenig schockiert sind die versnobten Kommentare der DFB-Funktionäre und Vereinsoberen. Diese fühlen sich im Vorfeld zu gering informiert und machen die Staatsanwaltschaft dafür verantwortlich. Die Tatsache, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt in welchem neue Beweise auftauchen können und das die europäische Fußballorganisation UEFA informiert war, wird hier ausgeblendet.
Fast scheint es, als ob einige Funktionäre nicht sehr glücklich über den Fahndungserfolg der Ermittler sind. Ich möchte hier keine Mittäterschaft unterstellen, vermutlich sehen die betreffenden Personen wohl eher den Imageschaden und somit den schnöden Mamon gefährdet.
Der internationale Fußball hat ein gewaltiges Problem und dieses Problem heißt Sportwette.
Die Anbieter von Sportwetten sind in den letzten Jahren gigantisch gewachsen und der internationale Fußball geht einen schmalen Grad zwischen Vorbildfunktion für die Jugend und Spielsuchtförderung durch Anbieter von Sportwetten. Zigaretten dürfen nicht beworben werden aber Sportwetten sind ok. Kaum ein Spiel findet ohne Werbung eines Sportwettenanbieters statt, denn die Werbeeinnahmen sind hoch und die Vereine brauchen das Geld. Doch es offenbart sich immer mehr die Notwendigkeit eines europäischen Sportwettverbotes im Fußball. Der Kampf dagegen dürfte allerdings genauso schwer werden, wie bei den Zigaretten.
Im Fußball ist nicht der Verlust von Geld die schlimmste Folge aus dem Wettskandal, sondern der riesige Vertrauensverlust in das Spiel selbst. Kaum ein Spiel, welches mit kuriosen Wendungen nicht in den Verdacht der Manipulation gerät. Frankreich gegen Irland vor einigen Tagen – die Hand Gottes von Herrn Henry und ein Schiedsrichter der eine riesige Fehlentscheidung trifft. War das Spiel manipuliert?
Nur ein Verbot von Fußballwetten kann hier eine Lösung bringen, andernfalls wird das Spiel mit dem runden Ball gewaltigen langfristigen Schaden nehmen.
Fr 20 Nov 2009
Erstellt von d.diggler unter
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Zeitarbeit1 Kommentar
Wirtschaftskrise, Werteverfall, soziale Kälte, Jobabbau, Gewinnmaximierung, etc. – alles Begriffe der Gegenwart und Synonyme einer sich ändernden Gesellschaft. Jeder dieser Begriffe steht für einen Messerstich in den Korpus der altruistischen deutschen Gesellschaft und mit jedem neuen Begriff und vor allem der dahinterstehenden Maßnahme, endet die Ära der altruistischen Gesellschaft.
Ohne den Altruismus der vergangenen Generationen wäre unsere Zivilisation nicht dort, wo sie jetzt steht. Jede Gesellschaft braucht viele Bürger, die mehr geben als sie nehmen, ähnlich dem Prinzip von Jing und Jang – Gut und Böse. Eine Gesellschaft die nur aus Altruisten besteht ist eine Überflussgesellschaft in der es jedem Menschen gut gehen muss. Eine Gesellschaft ohne Altruismus ist vergleichbar mit dem Dritten Reich hoch 10.
Altruismus scheint also die Wurzel zum Glück zu sein, doch man kann ihn nicht aufzwingen. Er ist eine Eigenschaft die im Laufe der Evolution sowohl bei Tieren, als auch bei Pflanzen auftaucht. Bei den Menschen ist es eine Lebenseinstellung und Bewusstseinsentscheidung die jeder selbst treffen muss und für erstrebenswert erachten muss, sonst funktioniert es nicht.
Die Super-Altruisten von Noah über Jesus bis Mutter Theresa gelten noch immer als die Vorbilder, allerdings mit rapide sinkender Identifikationszahl. Sie werden abgelöst von den mächtigen Oligarchen, den Titanen der “aktuellen” Gesellschaft, welche sich als sogenannte Alpha-Tiere outen, aber auch den Popstars und Topmodels, die im Prinzip in Symbiose mit den Titanen leben. Diese “neuen” Vorbilder werden das zukünftige gesellschaftliche Bild bestimmen, etwas anderes deutet sich nicht an.
Doch warum stirbt der Altruismus und wo hat diese Entwicklung ihren Ursprung? Den Ursprung erleben wir tagtäglich und er liegt eigentlich im kapitalistischen System begründet. Wer gibt, dem wird gegeben – diese Weisheit gilt im Kapitalismus nicht, hier zählt eher, wer nimmt bekommt immer mehr. Vor allem seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich diese Maxime welteit durchgesetzt.
Der Niedergang des Altruismus ist allerdings an keinem Zeitpunkt richtig festzumachen, es ist eher einer Entwicklung geschuldet, die verschiedene Ursachen hat. Der Wegfall von Kirchen als Wertevermittler zählt dazu, aber vor allem der unglaubliche geselschaftliche Erfolg der Anti-Altruisten. Diese sind in sehr vielen Führungspositionen vertreten und bekommen eine steigende Aufmerksamkeit und Bewunderung. Es gilt heute mehr denn je ein erfolgreicher Mensch zu sein, als ein guter Mensch. Gut-Menschen kommen im Beruf nicht weiter, sie können nicht beißen, nicht hauen oder stechen und sie gehen nicht über Leichen.
Die Kirchen waren viele Jahrhunderte der Hort des propagierten Altruismus, sie sind es heute auch, nur glaubt ihnen niemand mehr, weil die Wirklichkeit sie überholt hat. Denn sie haben es in der Tat immer nur propagiert und nicht selbst gelebt, außerdem lebt es sich ohne Altruismus in dieser Gesellschaft angenehmer. Es gibt aktuell noch kein zeitgemäßes Gegenstück zum kirchenpropagierten Altruismus, nicht nur die rapide sinkende Zahl der Ehrenämter ist hierfür ein Beleg. Organisationen wie Attac oder Wohlfahrtsverbände können hier kaum was bieten.
Allein Maultaschen-Affären oder Getränke-Bon-Skandale zeigen den Menschen, dass heute nur noch der weiter kommt, der an sich selbst denkt. Dieser Sachverhalt ist politisch und wirtschaftlich so gewollt, im Prinzip das amerikanische und puritanische System. Vor Jahren hat sich bereits angedeutet, dass unsere Gesellschaft amerikanisiert wird und wir sind auf dem besten Weg dorthin.
Quelle: spiegel.de
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