August 2009
Monats Archive
Mo 24 Aug 2009
Die Ideen sind vielfältig und kommen derzeit geballt auf den Ideenmarkt der Politik. Die Abwrackprämie brauch einen Nachfolger, irgendetwas muss den Fall der Autoindustrie nach der Abwrackprämie bremsen. Das wollen zumindest die Landesväter in bei denen die Automobilindustrie angesiedelt ist. Auch Schnappsideen kommen auf den Tisch …
Die Idee von Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Oettinger ist so eine Schnappsidee und bringt ungefähr nichts für den heimischen Automobilmarkt. Seine Vorstellung von einer steuerlichen Vergünstigung für Mitarbeiter von Autoherstellern ist nicht nur extrem ungerecht gegenüber allen anderen Bürgern, sondern vom Umfang her auch nur ein Strohfeuer. Die paar tausend Autos mehr werden keine Arbeitsplätze erhalten.
Die einzige sinnvolle Alternative ist allerdings bei den Politikern im Hinterkopf, nur traut sich aber keiner dies auch zu äußern. Die Privatleute haben ihren Hunger auf Neuwagen gestillt, aber wer hat eigentlich immer in den letzten Jahren die ganzen Autos gekauft? Die meisten Neuwagen in Deutschland sind Firmenwagen und vor allem hier sind die Zahlen extrem rückläufig. Der Mittelständler überlegt sich heute zweimal, ob der neue Bulli wirklich sein muss, oder ob es die alte Rostlaube noch tut.
In den letzten Jahren sind hier die steuerlichen Anreize für die Anschaffung eines Firmenwagens zusammengestrichen worden und die Politik verdient gut dabei. Unternehmen brauchen Fahrzeuge, ob für Kundenbesuche oder zur Auslieferung oder wofür auch immer. Wenn hier die Steuerlast gesenkt wird, beispielsweise durch bessere Abschreibungen, dann sind das mal gleich ein paar Milliönchen, die im Staatssäckchen fehlen. Hier wird sich Peer Steinbrück dann zweimal überlegen, ob er die Steuerschraube lockert.
Allerdings ist es rein objektiv betrachtet der einzige Automarkt, der heute noch Potenzial hat.
Quelle: tagesschau.de
Mo 24 Aug 2009
Die Demokratie in Deutschland und anderen Staaten steckt in einer schweren Krise. Die Wirtschaft und Interessensverbände bestimmen was läuft, sie sind die wahren Machthaber im Land und drücken der Legislative ihren Stempel auf. Aktuell gibt es nur einen Ausweg aus der Misere, mehr direkte Demokratie durch den Souverän – das Volk.
Nicht nur in Deutschland gibt es Politikverdrossenheit und immer geringere Wahlbeteiligung, auch andere Länder mit ähnlichen politischen Strukturen und starken Industrieunternehmen und Lobbyverbänden haben dieses Problem. Die kommende Bundestagswahl offenbart zudem, dass die Parteien sich krampfhaft an die Macht klammern und von dieser Seite keine offene und objektive Herangehensweise an das Thema direkte Demokratie herrscht.
Für die Parteien im Parlament wäre es eine Entmachtung, denn sie müssten mehr Macht an ihre Chefs – die Bürger abgeben. Dies stellt jedoch die Horrorversion für jede Partei dar und ist daher in keinem Parteiprogramm zu finden.
Natürlich ist die direkte Demokratie immer an die Mündigkeit des Bürgers gebunden und BILD-Lesern möchte man diese gerne absprechen, aber die Aufgabe der Politik wäre es dann für mehr Mündigkeit und Bildung zu sorgen. Dies findet momentan in umgekehrter Reihenfolge statt, immer mehr Bürger rutschen in bildungsferne Schichten, teilweise könnte man glauben, dass die Politk das Volk absichtlich immer dümmer macht.
In der direkten Demokratie kommt den Medien die meiste Macht zu, sie beeinflussen den Wähler genauso intensiv wie Stammtische oder Familie. Anstatt die Politiker zu bestechen und zu beeinflussen wird dann der Umweg über die Redakteure, Zeitungen und Medien gewählt. Den Lobbyisten ist es egal wenn sie bestechen, nur das Resultat muss stimmen.
Teilweise wird bereits bei den Lobbyisten und in den Unternehmenskommunikationen im Land eine doppelte Strategie gefahren, sehr gut kann dies beispielsweise bei der sogenannten Schweinegrippe beobachtet werden. Auf der einen Seite wird in der Bevölkerung über Tageszeitungen und Redakteure gezielt Panik verbreitet, so dass die Bevölkerung nach Staatshilfe ruft und gleichzeitig durch Interessensvertreter den Politikern der Lösungsweg offeriert. Natürlich ist hier bereits eingeplant, dass redaktionelles Sommerloch und Bundeswahl ihr Übriges tun.
Es bleibt zu hoffen, dass die Politiker endlich erkennen welchen Weg sie einschlagen müssen, die Volksparteien CDU und SPD werden in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, ihre fetten Jahre sind vorbei.
Quelle: spiegel.de
Fr 21 Aug 2009
Wie kann es sein, dass Porsche-Mitarbeiter über den Abgang ihres Chef trauern und wütend sind, obwohl dieser das Unternehmen ruiniert und verzockt hat? Wie kann es sein, dass fast 1 Jahr nach dem merkwürdigen Höhenflug der VW-Aktie die Börsenaufsicht Anklage gegen Ex-Porsche-Chef Wiedeking erhebt? Porsche und Wiedeking sind ein Phänomen und gleichzeitig Musterbeispiel für eine falsche Unternehmenspolitik.
Als der Porsche-Erbe auf der Betriebsversamlung den Rauswurf von Wendelin Wiedeking verkündet ist dieser plötzlich von Tränen erfasst und verliert die Fassung. Die Mitarbeiter lieben Wiedeking und Porsche, und sind ebenso wütend und traurig. Doch wie kann das sein?
Die Geschichte der Porsche-Fehlentscheidungen und des Größenwahns beginnt vor 4 Jahren. Der Porsche-Clan und sein Vorstand mit Wendelin Wiedeking und Holger Härter (die im folgenden nur WW und HH genannt werden) wollen das ganz große Rad schwingen. Vielleicht aus Größenwahn, vielleicht aus einer drogenindizierten Laune heraus oder einfach aus Machtbesessenheit und Geltungssucht – wir wissen es nicht. Jedenfalls entschließen sich die Schwaben zur Übernahme des Weltkonzerns VW.
Im Prinzip gar nichts Ungewöhnliches, die kleine Vodafone hat damals den großen Mannesmann-Konzern übernommen – mit einer ebenso feindlichen Übernahme. Nur … nicht mit so riskanten Mitteln.
Porsche finanziert das Geschäft aus extrem riskanten Optionsgeschäften für die Holger Härter ein Spielerhändchen zu haben scheint. Das muss man sich mal vorstellen, ich habe kein Geld um mir einen Reiterhof zu kaufen und setze daher mein Kapital auf Pferdewetten, in der Hoffnung zu gewinnen! Noch verantwortungsloser kann kein Unternehmenschef mit seiner Firma umgehen.
Und natürlich läuft das Geschäft schief! Porsche verzockt die Milliarden und ist als florierendes Unternehmen mit schwarzen Zahlen in den Büchern pleite! Ein Skandal und Ferdinand Porsche würde sich im Grabe umdrehen, wenn er von den Machenschaften seiner Nachkommen wüsste, denn die haben das ganze ermöglicht und abgesegnet. Wiedeking ist nur das ausführende Organ und der Verantwortliche, aber vielleicht war es ja sogar seine Idee, wir werden es vielleicht nie erfahren. Mit dem Rauswurf von Wiedeking muss dem Porsche-Clan bewusst gewesen sein, dass sie große Scheiße gebaut haben und nun alles vorbei ist, anders sind die Tränen nicht zu erklären.
Aber wie ist es möglich, dass die Mitarbeiter den Clan und Vorstand nicht lynchen? Warum sind sie auf die anderen sauer, wie VW oder Wulff? Nun, dieser Sachverhalt hängt damit zusammen, dass die interne Kommunikation immer die Schuld auf die anderen schiebt und Banken zu diesem Zeitpunkt die idealen Sündenböcke waren. Zudem haben die Porsche-Mitarbeiter jahrelang gut von dem Unternehmen gelebt. Bei Porsche zu arbeiten war eine Ehre, die Marke stand ganz oben, Hochschulabsolventen wollten alle zu Porsche. Der Hauptgrund ist jedoch, das Unternehmen zahlte Löhne und Prämien in einem Jahr, die ein Hartz 4-Empfänger vielleicht in seinem ganzen Leben nicht erhalten wird. Doch damit ist es nun vorbei und Schuld seien angeblich die Banken.
Porsche hat sich unverantwortlich verhalten und das Unternehmen verzockt. Keine Bank hätte Porsche einen Kredit gegeben, wo nicht klar ist, ob in den nächsten Jahren auf dem Automarkt überhaupt wieder ein Aufschwung erfolgt. Doch die Porsche-Mitarbeiter schieben die Schuld einfach zu VW, das ist bequem und einfach. Der Betriebrat glaubt den Aussagen des Vorstands und macht Stimmung gegen VW und Wulff. Vielleicht auch ein Selbstschutz, denn er hätte vielleicht schon eher nachfragen müssen, wie die VW-Übernahme geplant war.
Die Optionsgeschäfte jedenfalls, müssen der Börsenaufsicht jede Menge an Arbeit bereitet haben, wenn sie erst nach fast einem Jahr gegen Wiedeking ein Ermittlungsverfahren einleitet. Wir werden also noch lange von dem Porsche-Größenwahn hören und am Ende wird auch den Mitarbeitern deutlich werden, dass sie auf der Betriebsversammlung den falschen zugejubelt haben und lieber Eier und Tomaten in die hand genommen hätten.
Quelle: zeit.de
Do 20 Aug 2009
Nein? Dann geht es Ihnen wie fast allen Bundesbürgern. Dabei ist der jedem Bundesbürger zugeordnete Wert von 0 bis 100 wichtig und entscheidet teilweise, ob und wie sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Die Schufa ist hier nur ein “privates” Unternehmen unter vielen anderen, doch diese privaten Unternehmen entscheiden über ihr Leben.
“Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich!” So steht es im Grundgesetz, doch die Skala der privaten und gesellschaftlichen Sortierung reicht von der Zahl 0 bis 100 und stellt fest, ob sie einen Handyvertrag abschließen dürfen, ob sie sich versichern können, oder mal eben Geld von der Bank leihen. Welche Nmmer haben sie?
Jeder deutsche Erwachsene hat eine Nummer und sie können nicht gegen ihre Klassifizierung unternehmen, die Klassengesellschaft existiert bei der Schufa in einer besonderen Art und Weise. Das System ist ganz einfach, je mehr Geld jemand besitzt, umso höher ist sein Stellenwert.
Die Schufa sammelt Informationen, ähnlich wie eine Ermittlungsbehörde nur halt privat, und stellt diese kostenpflichtig anderen privaten Unternehmen zur Verfügung. Die Schufa ermittelt die Daten aus verschiedenen Informationen die von anderen Unternehmen geliefert werden, wie unbezahlten Rechnungen, Krediten oder der Anzahl von Konten, aber auch der Anzahl der Kinder, dem Familienstand oder Beruf.
Es ist eine ganz schön große Macht, die diesem Unternehmen zuteil wird. Natürlich gibt es über jeden Deutschen viele Informationen in den zentralen Rechnern von Behörden. Sobald ein Kind auf die Welt kommt erhält es eine Steueridentifikationsnummer, eine Geburtsurkunde, einen Namen und schon geht die Datensammelwut los. Nur die Tatsache, dass es sich um ein privates Unternehmen handelt ist als schwierig zu bewerten.
Doch der Gesetzgeber hat dieses Problem erkannt und zumindest teilweise die Verbraucherrechte gestärkt. So ist es ab April 2010 jedem erwachsenen Bundesbürger möglich eine kostenlose Selbstauskunft einzufordern. Bisher hat die Schufa hierfür sogar Geld verlangt. Wenn man jetzt also wissen möchte was dort alles bei der Schufa in den Akten steht, dann muss für jede Selbstauskunft einer Person bezahlt werden und zwar der Betrag von 7,80 ,- EUR.
Der Schwachpunkt bei der Geschichte: Die Daten bei der Schufa ändern zu lassen – falls sich bei der Selbstauskunft ein Fehler in den Daten offenbart – ist nach wie vor ein sehr schwieriges Unterfangen und teilweise nur über den Rechtsweg möglich.
Quelle: welt.de
Mi 19 Aug 2009
Die neue Studie IG Metall in Zusammenarbeit mit der Universität Jena legt ein erschreckendes Ergebnis offen, welches allerdings nicht mehr schockiert, denn es ist allen bereits bekannt. Die Unternehmen nutzen die Leiharbeit um ihre Kapitalrendite oder Profitabilität zu schützen und nicht für personelle Engpässe. Die ursprüngliche Idee der Leiharbeit war jedoch gar nicht schlecht.
Die fundierte neue Studie liefert ein klares Bild und zeigt wohin die Reise aktuell geht. Leiharbeit betrifft bei weitem nicht mehr nur die ungelernten Arbeitskräfte, längst besitzen viele Leiharbeiter schon eine abgeschlossene Berufsausbildung und oft sogar Akademiker.
Die Leiharbeit ist auf dem Arbeitsmarkt längst etabliert und in der Hochphase dieser Arbeitsform im letzten Jahr vor der Wirtschaftskrise waren mehr als 800.000 Deutsche als Leiharbeiter bei einem Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt. Das ist jetzt natürlich nicht mehr der Fall, den die Leiharbeiter sind die Ersten, die in schlechten Zeiten von einem Tag auf den anderen gekündigt werden. Heute sind es noch weit über 500.000 Zeitarbeiter doch die krisenbedingte Arbeitslosigkeit hat den deutschen Arbeitsmarkt noch gar nicht richtig erreicht.
Düstere Zeiten ziehen auf, wobei die Mehrzahl der Wirtschaftsinstitute bei ihren Prophezeihungen von einem Mittelwert von ca. 1.000.000 Arbeitslosen ausgeht. Die angestellten Mitarbeiter, die in Zukunft wegfallen werden, können vermutlich nicht darauf hoffen, dass sie bei einer Konjunkturbelebung wieder einen unbefristeten Job bekommen. Wahrscheinlich ist eher, dass die Jobs durch Leiharbeit im Angestelltenverhältnis ersetzt werden, jedenfalls bei einem Schwarz-Gelben Wahlsieg der sehr gegenwärtig ist.
Mit der Leiharbeit ist ein System ins rollen gekommen, welches Unternehmen animiert die Arbeitsplätze auszulagern und somit langfristig (nicht kurzfristig) die Tarifverträge aushebelt und den Kündigungsschutz umgeht. Zudem bietet die Leiharbeit die Vorlage für Dumpinglöhne bei qualifizierten Arbeitskräften.
Leiharbeit ist im Prinzip die moderne Form der Tagelöhnerei. Ursprünglich war die Idee jedoch gar nicht so schlecht. Mit der Leiharbeit sollten kurzfristige Konjunkturspitzen über ein paar Monate oder Jahre hinweg abgefedert werden. Die Unternehmen taten sich schwer neue feste Arbeitsverträge auszugeben, weil sie Angst hatten, dass sie diese Arbeitsnehmer in Krisenzeiten durhcfüttern mussten, soweit zumindest der augenscheinliche theoretische Ursprungsgedanke. Herausgekommen ist jedoch die größte Massenvernichtung von unbefristeten Arbeitsplätzen und deutlich niedrigere Lohnsteuereinnahmen für den Staat. Ein Desaster welches sogar noch staatlich gefördert wurde und wird.
Höchste Zeit gegenzusteuern und ein Umdenken einzuleiten, nur sind die Zeiten dafür denkbar schlecht.
Quelle: süddeutsche.de
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