Mai 2009


Der Dax kletterte in den letzten Tagen enorm in die Höhe. Grund für diesen neuen Börsenhype sind die positiven Quartalszahlen vieler großer Unternehmen. Schon sprechen die ersten Börsianer wieder von Bullenmärkten. Ist die Wirtschaftskrise schon fast vorbei oder freuen sich alle viel zu früh?

Fakt ist, die Krise entfaltet sich in Deutschland erst mit der vollen Wucht im Herbst oder Winter dieses Jahres. Während die anderen Länder wie Großbritannien oder  Spanien mit 17% Arbeitslosenquote zu kämpfen haben, geht es uns hier in Deutschland noch ganz gut. Konjunkturpakete und Kurzarbeit federn den Abschwung gut ab, die Regierung scheint eine gute Arbeit zu machen. Die Zahlen vieler Unternehmen sind schwarz – noch!

Ich glaube jedoch, dass die Börse viel zu früh jubelt und die richtige Dimension noch nicht erkannt hat. Natürlich gibt es auch Stimmen die behaupten, dass im Jahr 2010 die Wirtschaft wieder einen Aufschwung erlebt, allerdings sind diese Opimisten noch in der Minderheit.Das Bundesfinanzministerium rechnet für 2010 mit einer Neuverschuldung des Bundeshaushaltes von ca. 80 Milliarden EUR! Das wäre Rekord! Wenn diese Zahl schon so hoch geschätzt wird, dann können wir davon ausgehen, dass sie noch höher ausfallen kann, so war es auch in den vorangegangenen Jahren.

Natürlich ist Krise viel Psychologie. Wen alle an den Untergang glauben, dann wird dieser auch kommen. In dieser jetzigen Situation aber schon von einem Ende der Krise zu sprechen halte ich für verantwortungslos! Menschen stürzen sich in Schulden um die Abwrackprämie mitzunehmen und die Wirtschaft anzukurbeln, weil ihnen suggeriert wird, dass die Wirtschaftskrise in einem Jahr wieder vorbei ist. Genauso wie den Pessimisten muss diesen Optimisten vorgehalten werden, dass sie die Lage der Menschen nicht verbessern.

Und natürlich soll man Aktien kaufen, wenn die Papiere keiner haben will, aber die Gefahr besteht, dass man dabei in ein fallendes Messer greift.

Jetzt ist es raus, der beste Job der Welt ist weg. Ausgerechnet an einen Engländer vergeben die australischen Ex-Engländer den begehrten Job. Obwohl es die Briten bestimmt am meisten gebrauchen können, immerhin sucht die Massenarbeitslosigkeit momentan die Insel heim.

Aus Sicht der Gender Studies war eigentlich abzusehen, dass ein Mann den Job bekommt, so ist es ja meistens. Vielleicht wären die Australier gut bedient gewesen mal einen weiblichen Kandidaten auszuwählen. Dies wäre ein positives Zeichen gewesen, obwohl der Tourismusbereich weltweit überwiegend in Frauenhand ist, allerdings nicht unbedingt in den Führungspositionen.

Jedenfalls freue ich mich auch für den glücklichen Arbeitnehmer Ben Southall der die nächsten sechs Monate auf der australischen Insel Hamilton Island verbringt. Für die ca. 80.000 Euro die er bekommt und die Villa mit Pool wäre ich auch die Insel gegangen.
Vermutlich kam dem Engländer zugute, dass er Sozialarbeiter ist und gut mit Menschen umzugehen weiß, dies hat die Jury nach eigenen Angaben überzeugt.

Quelle: Welt-Online

Die Erzieher/innen in Deutschland streiken, berechtigerweise! Die Jobs als Erzieher sind mittlerweile nicht nur gesundheitsgefährdend, sondern auch noch unterbezahlt. Viele Erzieher sind nach 10 Jahren im Job ausgepowert und leiden unter Hörschäden.

Heute gehen bundesweit die gewerkschaftlich organisierten Erzieher/Erzieherinnen in den Streik. Leidtragende sind neben den Kindern vor allem die berufstätigen Eltern mit Kindern in Kitas, die auf eine Betreuung angewiesen sind. Doch die Forderungen der Erzieher kommen langfristig auch den Kindern zugute.

Ausgenommen von den Streiks sind die Vielzahl an kirchlichen Kitas, deren Mitarbeiter nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Natürlich gibt es kommunale Kindertagesstätten die nicht streiken und Notdienst leisten, somit handelt es sich also um einen abgeschwächten Streik, aber das Ziel die Öffentlichkeit mit den Forderungen zu erreichen und den Druck auf die Umsetzung zu erhöhen, werden die Gewerkschaften erreichen. Ver.di und GEW lassen die Muskeln spielen, endlich.

Mein Kind ist bereits dem Kita-Alter entwachsen, aber ich kann mich sehr gut an die Lärmpegel erinnern, die teilweise wie Vulkanausbrüche hervortraten. Kritiker sagen gerne, dass es hier doch pädagogische Wege gibt diesen Situationen zu begegnen, dem möchte ich jedoch entschieden wiedersprechen. Kinder dürfen heute laut sein und das ist nicht nur gut für die Selbstwahrnehmung. Natürlich muss es Ruhezeiten in den Kitas geben, schon allein wegen der Kinder die mittags schlaffen. Ein generelles Lärmverbot für Kinder wünschen sich wohl nur die Verfechter des viktorianischen Erziehungstils zurück.

Aber auch das Gehalt als ErzieherIn spielt bei den Streiks eine Rolle. Wer von dem Gehalt leben will und selbst Kinder hat, der hat nicht viel zu lachen. Erzieher werden sehr schlecht bezahlt. Männliche Erzieher sind notwendig und gleichzeitig rar, der Grund ist der Gleiche wie bei den Grundschullehrern – eine schlechte Bezahlung.

Die Erzieherinnen haben also Recht mit ihren Forderungen, nur die Kommunen wollen die Zeche nicht bezahlen, der Bund hält sich dabei schön raus. Verspricht lieber vollmundig eine Flut von Kita-Plätzen und fördert die Verschrottung von Autos. Eine komplette Neuregelung ist daher dringend notwendig, auch mit verbesserter Ausbildung für Erzieher über ein Studium, allerdings wird hier vor den Wahlen hier gar nichts passieren, und nachher wie gewöhnlich auch. Das kennen wir ja schon aus den Reformbemühungen um das dreigliedrige Schulsystem.

Quelle: Reuters

Es ist nicht gerade erstaunlich was die Bundesanstalt für Arbeitsschutz mit Sitz in Dortmund da herausgefunden hat. Je länger die Menschen arbeiten, desto schlechter schlafen sie. Arbeit macht also krank!

Eigentlich ganz logisch und für jeden nachvollziehbar, Menschen die mehr als 35 Stunden arbeiten haben eine höhere Wahrscheinlichkeit für Schlafstörungen. Bei den Arbeitnehmern mit einer 35-44 Stunden-Woche ist jeder Fünfte betroffen, bei den Beschäftigten mit 60 Wochenstunden ist es sogar jeder Vierte.

Die Untersuchung ist sehr umfangreich an 50.000 Probanden durchgeführt worden und bietet erstmalig eine repräsentative Grundlage, die von Arbeitgebern nicht wegdiskutiert werden kann. Das aus dieser Erkenntnis jedoch Maßnahmen vom Gesetzgeber veranlasst werden ist mehr als fraglich, zumal keine Partei mehr wirklich die Interessen der Arbeitnehmer vertritt.

Besonders belastend sind die Nacht- und Schichtarbeiten. Ich habe während meiner Studienzeit selbst in Betrieben mit Akkord im 3-Schicht-System gearbeitet und kann daher aus eigener Erkenntnis sagen, dass dieses System an die Grenzen der körperlichen Belastung geht und auf Dauer wirklich krank macht.

Die Zunahme der Schichtarbeit, aber auch die Zunahme der Mehrarbeit hat in den letzten Jahren dramatische Ausmaße angenommen. Sicherlich wird dies in den kommenden Jahren durch die aktuellen Umsatz- und Produktionsrückgänge der Unternehmen wieder kompensiert werden, aber die Schäden können bleiben. Denn was die Studie überhaupt nicht berücksichtigt sind die körperlichen Schäden, beispielsweise Rückenschäden durch lange Schreibtischarbeit.

Es sind ja auch nicht nur die physischen und psychischen Schäden relevant, ganz außer Acht lässt man gerne die familiären Probleme. Beziehungen gehen auseinander weil die Arbeitszyklen nicht kombinierbar sind, oder Kinder sehen ihre Väter und Mütter nur am Wochenende, wenn überhaupt.

Die Lehre aus dieser repräsentativen Untersuchung sollte sein, dass unser Schichtsystem abgeschafft und Arbeitszeiten gekürzt werden. Ich gebe Herrn Frank Walter Steinmeier eindeutig Recht als er am 1. Mai gesagt hat “Unser Land braucht starke Gewerkschaften”.

Allerdings fehlt mir der Glaube daran. Die Gewerkschaften sind momentan so schwach wie seit Jahrzehnten nicht mehr und die wirtschaftliche Perspektive so schlecht wie noch nie in der Geschichte der BRD.

Quelle: Zeit-Online

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