März 2009
Monats Archive
Di 31 Mrz 2009

In vielen Bahner-Familien dürften am vergangenen Montag die Sektkorken geknallt haben. Nach 10 Jahren verabschiedet sich der Bahnchef Hartmut Mehdorn und die wenigsten weinen ihm auch nur eine Träne nach, insgeheim nur die Politiker, was sie allerdings im Wahljahr nicht zeigen dürfen. Aber auch der Steuerzahler sollte ihm dankbar sein.
Was hat Hartmut Mehdorn bewirkt und was nicht? Als Mehdorn gestern die Geschäftszahlen der Bahn vorstellte, da tat er dies in dem stolzen Bewusstsein einen maroden Volkseigenen Betrieb saniert zu haben. Um es mit den Worten von Franz Müntefering zu sagen: Wohl eines der “schwierigsten” Ämter neben dem Papst.
Für diese Bilanz gebührt ihm Respekt und fachliche Anerkennung. Ein dickes materielles Abschiedsgeschenk wurde ihm aber mit dem Börsengang verwehrt, was aber nicht seine Schuld war, sonder politischer Wille und wirtschaftlicher Realismus. Ein Amtsnachfolger wird es schwer haben, denn die Wirtschaftskrise schlägt aktuell auch bei der Bahn voll durch und mit einem Überschuss ist in 2009 nicht zu rechnen.
Zahlen lügen nicht sagt man doch so schön, aber schaut man einmal genau dahinter wie Mehdorn die Milliarden-Überschüsse erwirtschaftet hat, so wird deutlich, dass Hartmut Mehdorn zu der Kaste von Managern gehört, deren Stern gerade in einer Supernova am weltwirtschaftlichen Himmel explodiert ist.
Aus Sicht des Kunden:
Hartmut Mehdorn hat es tatsächlich geschafft steigende Preise bei sinkenden Leistungen zu produzieren. Ok, das schafft nur ein Monopolist wie beispielsweise die deutschen Energieversorger, was die Bahn ja de fakto auch ist. Personal wurde abgebaut, Bahnhöfe geschlossen, Ticket-Preise haben sich teilweise verdoppelt und die Pünktlichkeit der Bahnzüge ist seit seinem Amtsantritt nicht mehr existent und ein Running Gag in der Bevölkerung. Wer sich auf die Bahn verlässt, der ist verlassen.
Aus Sicht der Mitarbeiter:
Stellenstreichungen, Gängelung von Betriebsräten, Kampf um Lohnerhöhungen, Abbau von Privilegien wie kostenlose Bahnfahrten für Familienmitglieder, keinen Beamtenstatus mehr, Bespitzelung und Rasterfahnung im eigenen Unternehmen und und und. Als langjähriger Mitarbeiter der Bahn musste man seit dem Antritt von Mehdorn fast schon masochistische Züge beweisen.
Aus Sicht der Politiker und Steuerzahler:
Wenn der Mann nicht das Bundesverdienstkreuz hätte, so müsste er es erneut bekommen. Oder es müsste ein Orden erfunden werden, wie zum Beispiel “Deutscher Managerorden am Bande”. Mehdorn bescherrte den Politkern volle Kassen und bewahrte den Staatshaushalt und somit uns alle, vor neuen Schulden. Er hat den Auftrag bekommen und er hat ihn erfolgreich ausgeführt. Das Unternehmen ist saniert, der Börsengang glücklicherweise verschoben, Mehdorn somit überflüssig – er teilt das Schicksal vieler Sanierer.
Der Wind hat sich gedreht. Shareholder Value ist zum Unwort geworden und der Finanzmarkt zeigt die Schwächen des Kapitalismus auf – die rufe nach Staatsunternehmen werden immer lauter. Gute Chancen für Politikerkarrieren in der PDS, schlechte Zeiten für Manager und Eliten.
Die Frage ist, welches Bild von Hartmut Mehdorn wird bleiben? Der Macher und Sanierer? Oder der Kundenschreck und Monster-Boss? Allein die Zeit wird diese Frage beantworten.
Fr 27 Mrz 2009

Die Manager der Wirtschaftskrise fürchten um ihr Leben und verschanzen sich in Burgen, wie beispielsweise Herr Zumwinkel in seiner schweizerischen Festung (Bild oben). Herr Zumwinkel hat es allerdings richtig gemacht, er ist gleich in das Steuerparadies der Eidgenossen geflohen, neben Monaco vermutlich einer sichersten Orte für die moralischen Verbrecher der Wirtschaftskrise.
Andere haben zwar ausgesorgt, aber nicht vorgesorgt und sich verschanzt, wie das Beispiel des Angriffs auf das Haus von Fred Goodwin, dem Ex-Chef der Royal Bank of Scotland, in Edinburgh deutlich macht. Reuters berichtete.
Ich befürchte, dass wir erst am Anfang einer umfassenden Aggressionswelle gegen Institutionen und deren Verantwortliche stehen, die im Herbst ihren Höhepunkt erreichen wird. Auch in Deutschland sind Ausschreitungen zu erwarten, sowohl von Links als von Rechts.
So sehr ich Gewalt auch verabscheuliche, ich verstehe das Motiv. Der Eindruck, dass die Kleinen die Zeche zahlen müssen für die Fehler und die Gier der vermeintlichen Elite ist unerträglich. Die Gehaltszahlungen der Manager sind losgelöst von jedem Leistungsanspruch und dienen nur einer Selbstbefruchtung. Kein Mensch verdient ein Jahresgehalt von 10 Millionen Euro, auch wenn er 100.000 Menschen zu seinen Angestellten zählt. Bis dato wurde dies immer mit der großen Verantwortung dieser elitären Machthaber begründet, aber seinen wir doch mal ehrlich – es gibt keine Verantwortung! Welche Verantwortung soll hier vorherrschen? Kein Vorstandsvorsitzender steht in einer persönlichen noch in einer strafrechtlichen Verantwortung. Die Verantwortung von Gesellschaftern bei Personengesellschaften ist gewährleistet. Aber das sind die kleinen Familienbetriebe und die machen nun wirklich keinen Blödsinn, sondern opfern sich oftmals für die Belegschaften auf.
Selbst wenn die Verantwortlichen keine direkte Schuld an der Krise haben, so stehen sie doch als Blitzableiter im Vordergrund. Einige sollten zu ihrer eigenen Sicherheit vielleicht besser kurzfristig abtauchen.
Berlin und Frankfurt erwartet am kommenden Sonntag in Deutschland eine erste Bewährungsprobe. Unter dem Motto: “Wir zahlen nicht für eure Krise!” werden Tausende auf die Straße gehen und ihren Unmut kund tun, wie die TAZ berichtet.
Mi 25 Mrz 2009

Es gibt in Deutschland eine Vielzahl türkischer Fussballvereine. In den letzten Jahren hat sich hier jedoch bei einigen eine “Gewaltkultur” auf dem Spielfeld und am Spielfeldrand entwickelt gegen die der DFB machtlos zu sein scheint.
Es ist schon erstaunlich, was sich da jedes Wochenende auf den Fußballplätzen im ganzen Land abspielt. Hier entwickelt sich ein neues Bild der Gewalt im Fußball, die der Mentalität von Hooligans schon sehr nah kommt. Dieses Bild zeichnet sich fast ausschließlich bei Spielen mit an denen türkische Fußballvereine beteiligt sind. Hier handelt es sich anscheinend nicht um ein Migrationsproblem sondern um ein Mentalitäts- und Charakterproblem, den italienische, griechische, spanische, russische oder französische Vereine spielen in deutschen Ligen relativ unproblematisch fairen Fußball.
So geschehen am vergangenen Wochenende in Bielefeld bei der “Bezirksliga”-Begegnung FC Türk Sport gegen SV Canlar, die nebenbei erwähnt der SV Canlar mit 5:1 gewann. Gegen beide Vereine ist im Vorfeld dieser Begegnung vom DFB bereits ein Untersuchungsverfahren wegen Tätlichkeiten eingeleitet worden. Die Begegnung der Vereine innerhalb der Bezirksliga ließ jedoch nach dem Schlusspfiff alle Gewaltdämme brechen.
Sicherlich kommt es schon seit den ersten Fußballspielen der Geschichte zu Auseinandersetzungen während und nach dem Spiel, aber massive Schlägereien mit zig Verletzten wo Spieler, Trainer und Zuschauer gemeinsam gegen die jeweils anderen vorgehen erinnert an das Länderspiel Türkei gegen Schweiz aus 2005.
Es scheint sich die Frage aufzudrängen, ob diese Gewaltkultur ein fester Bestandteil der türkischen Fußballkultur ist, oder ob es sich um tieferliegende soziale Probleme handelt, die dann sowohl in Deutschland als auch in der Türkei existent wären.
Jedenfalls sollte der DFB nicht tatenlos zusehen wie sich Gewalteruptionen jedes Wochenende über das Land ergießen. Zuschauerverbote treffen auch die friedlichen Vereine und zudem nicht die gewalttätigen Spieler, Betreuer und Trainer. Hier sollte vor allem der Jugendschutz im Vordergrund stehen. Die Kinder, die das Spiel des FC Türk Sport gegen SV Canlar gesehen haben werden vermutlich einen Schock erlebt haben.
Fußball kann so schön sein und Spaß machen, wenn das Fairplay im Vordergrund steht. Vielleicht besteht die mittelfristige Lösung darin, dass die sehr abgegrenzten türkischen Vereine sich auch für Deutsche öffnen. Eigentlich findet hier Rassismus mal andersrum statt. Das es auch anders geht beweist der Verein Türkiyemspor Berlin.
Di 24 Mrz 2009
Seit Jahren ist augenscheinlich, dass in der Mittelschicht überwiegend die Angestellten des öffentlichen Dienstes die Kinder kriegen. Wer in der freien Wirtschaft als Angestellter arbeitet, kann es sich in der Regel finanziell und zeitlich nicht erlauben.
Um das im Vorfeld klar zu stellen: Nein, ich arbeite nicht im öffentlichen Dienst und ja, ich habe ein Kind. Vermutlich ist das auch der Grund, warum es mir überhaupt auffällt, dass hier etwas aus dem Ruder gelaufen ist.
Bereits während meines Studiums vor einigen Jahren wurde mir in vielen Gesprächen mit meinen Kommilitoninnen deutlich, dass sie sich in zwei Lager spalten lassen. Viele von ihnen hätten am liebsten schon während des Studiums ein Kind gehabt, die andere Hälfte will überhaupt keine Kinder, sondern Karriere machen und das Leben genießen.
Wer zur zweiten Hälfte gehört hat in der heutigen Gesellschaft kein Problem, die Unternehmen suchen kinderlose, karrieregeile Personen, die für das Unternehmen leben und dort ihre Selbstverwirklichung und ihren Familienersatz finden. Dieses Bild stellt aktuell noch immer den gesellschaftlichen Idealtypus dar.
Wer aber zur anderen Hälfte meiner Kommilitoninnen gehört, der hat in der Tat ein Problem, denn Arbeit und Familie sind heute für Frauen unfassbar weit von einander entfernt. Wer als Frau mit Kind studieren möchte hat ein Problem, wer mit Kind in die Arbeitswelt eintaucht hat ein noch größeres Problem. Die größte Hürde besteht darin überhaupt einen Job zu finden. Wer einen Job gefunden hat der ein Familienleben zulässt, der hat fast schon die Wahrscheinlichkeit für einen Sechser im Lotto erfüllt.
Aber es gibt sie, die Arbeitsplätze für berufstätige Frauen! Der öffentliche Dienst ist “in der Regel” für Familien eine Bastion der Hoffnung, einige unschöne Ausnahmen (ARGE) stechen natürlich heraus. Aber es ist gut so, dass wenigstens der öffentliche Dienst und das Beamtentum noch ein gutes Familienleben zulassen. Geregelte Arbeitszeiten, tarifliche Arbeitsverträge, etc….
Es ist schon erstaunlich, dass in der Grundschulklasse meines Kindes mit 24 Kindern in der Klasse, bei 16 Kindern die Eltern im öffentlichen Dienst arbeiten.
Wer als Frau nach einem Studium für einen Job in die Wirtschaft geht, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit kinderlos. Daher finde ich es gut, dass der öffentliche Dienst die Fahne des Familienlebens hoch hält, es ist die einzige Chance für Frauen im Berufsleben zu bestehen und gleichzeitig eine Familie zu gründen, vor allem für Alleinerziehende. Allerdings ist mir auch bewusst, dass dies nur aufgrund der Gesetzeslage passiert.
Ich habe den größten Respekt vor alleinerziehenden Müttern. Sie haben in unserer Gesellschaft aktuell die schwierigste Situation zu stämmen. Entweder sie bleiben beim Kind und riskieren die Arbeitslosigkeit und Hartz 4, oder versuchen sich in der extrem harten Belastung mit Beruf und Familie. Wer dann einen unbefristeten Job im öffentlichen Dienst besitzt kann sich sehr glücklich schätzen.
Hilfestellungen:
berufstaetige-muetter.de/
frauennrw.de
Mo 23 Mrz 2009

Dunkle Wolken – nicht nur über Frankfurt und der Commerzbank. Die Commerzbank AG ist im deutschen und internationalen Bankenmarkt ein Schwergewicht, nicht erst nach der Übernahme der Dresdner Bank. Auch, wenn sie mittlerweile teilverstaatlicht ist und sich eingestehen musste, dass sie zu gierig war – die Prognose und die Zukunft bleibt düster.
Heute veröffentlicht die Commerzbank eine interne Studie zur konjunkturellen Entwicklung in Deutschland bis zum Jahre 2010 und stellt damit das bisher schlimmste Szenario dar. Die Commerzbank-Studie geht von einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts von 6-7 % aus, alle bisherigen Studien liegen bei 3-4 %, es handelt sich also quasi um ein doppeltes Witschaftsminus für 2009.
Die “Experten” der Commerzbank begründen diesen drastischen Schritt mit dem enormen Auftragsrückgang im Januar 2009. Diese Entwicklung sehen sie übrigens nicht nur für Deutschland, sondern auch für die EU und USA.
Natürlich melden sich da gleich wieder die Optimisten und sprechen berechtigerweise von einem negativen psychologischen Effekt der von dieser Studie ausgeht. Recht haben sie, aber die Commerzbank hat in den letzten Monaten gelernt realistisch zu sein. Das blaue Auge vom Finanzmarkt hat den Spekulationsgeschäften und Höhenflügen ein Ende gesetzt. Kurz, die Commerzbank hat noch vor der Deutschen Bank aus eigenen Fehlern gelernt.
Daher sind die Zahlen nicht schön geredet und stehen auch nicht für einen besonderen Pessimismus, sie bilden einfach nur einen realistischen Blick auf die Dinge die kommen könnten, basierend auf aktuellen Sachverhalten des Monats Januar 2009.
Allerdings ist der Januar 2009 auch einer bisher schwierigsten Monate gewesen, denn die Abwrackpärmie und andere Konjunkturmaßnahmen haben den Autobauern in den Monaten Februar und März bisher volle Auftragsbücher beschert. Sollte das Feuerwerk allerdings abgefackelt sein sich ein konjunktureller Januar 2009 wiederholen, so könnte aus der Konjunkturstudie gewisse Realität werden. Vielleicht sollten wir alle hoffen und beten, dass die Commerzbank-Studie wirklich nur eine pessimistische Studie bleibt, denn sollte dieser Ausblick wirklich eintreffen haben wir alle nichts mehr zu lachen.
Quelle: Spiegel Online
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