Januar 2009
Monats Archive
Di 13 Jan 2009

Mit dem heute beschlossenen Konjunkturpaket versucht die schwarz-rote Regierung die Folgen der Wirtschaftskrise abzumildern.
2500 Euro für jeden, der sich einen Neuwagen zulegt (Ankurbeln der Automobilbranche), mehr Geld fürs Kind, runtersetzen des Eingangssteuersatzes und der Kassenbeiträge, ein Kredit und Bürschaftsprogramm um das Firmensterben im Griff zu halten und –Achtung- 18 Milliarden zum Ausbau der Infrastruktur sind heute beschlossen worden.
Davon soll der Löwenanteil in den nächsten zwei Jahren in Bildungseinrichtungen, sprich Universitäten und Schulen, investiert werden. Bravo! Aber: Nicht in weitere Schulkräfte (es fehlen 10000 Lehrer!), Pädagogen, Weiterbildungen oder eine dringend nötige Schulreform fliesst das liebe Geld, sondern fast ausschließlich in bauliche Massnahmen. Keine Frage: es herrscht ein derber Sanierungsstau. Der Bedarf für die 44000 Schulen wird auf 75 Mrd. Euro geschätzt, dazu kommen noch mal die Unis mit 30 Mrd. Euro. Und: was jahrzehntelang von Legislatur- zu Legislaturperiode als Erbschuld weitergegeben wurde, soll jetzt als „Deus ex machina“ durch staatliche Investition die Privatwirtschaft retten. Wie denn das durch die Sanierung von Schulen? Arbeitsministerin Annette Schavan brachte es auf den Punkt: „Hier können bis zu zehn Gewerke profitieren, vom Maurer über den Installateur bis zum Anstreicher.“ Zudem sei auch der Handel beteiligt, etwa bei naturwissenschaftlicher Ausstattung. Wie praktisch, dass diese „größte Bildungsoffensive, die es je gab“ ( Schavan) auch die Sympathien Richtung Wahlkampf drückt. Welche Bildungsoffensive? Mehr Bildung durch Beamer an der Decke? Wieder mal ein so kurzfristiger Entschluss, dass am Ende von den 50 Mrd. nichts übrig bleiben wird. Wo bleibt die Bildung?
Wie schwerwiegend das Problem ist, zeigt ein weiteres Beispiel: Jedes Jahr werden 3,5 Mrd. Euro in die berufliche Nachqualifizierung gepumpt. Das ist der Bereich, in dem Schulabbrecher, Jugendliche ohne schulische Qualifizierung, Erwerbslose, etc. für den Arbeitsmarkt nachgeschult werden sollen. 3,5 Mrd. sind ca. 3800 Euro pro Person pro Jahr. Nötig macht es die Tatsache, dass jedes Jahr über die Hälfte der Auszubildenden die Lehre wieder abbricht, selbst bei Studienanfängern ist die Quote ähnlich hoch. Schlimmer noch: Unternehmen können Stellen nicht mehr besetzen, weil Bewerber nicht genügend qualifiziert sind. Was früher Automechaniker war, heisst heute Mechatroniker und hat mehr mit Strom als mit Öl zu tun. In der schönen neuen Schule wird das sicher anders, weil die Wohnpsychologie auf das persönliche Wohlbefinden übergreift und sich jeder seiner Fähigkeiten nach entwickeln wird.
Was gebraucht wird, und in anderen Ländern, allen voran wieder mal Skandinavien, läuft, ist ein Coaching- ein Übergangsmanagement für den Weg von Schule in den Beruf. Und das frühzeitig. Damit Zeit zum Interessieren, Talente finden, Informieren und Entscheiden beleibt. Bei dem demographischen Wandel muss die Massnahme zwangsläufig passieren. Mit 20-Jährigen, so alt sind die Jugendlichen im Schnitt, wenn sie in die Ausbildung treten, ist das System nicht mehr finanzierbar.
Wo bleibt die langfristige Bildungsoffensive??
Die Zeit
Der Spiegel
Handelsblatt
Mi 7 Jan 2009
Erstellt von uschulte unter
AllgemeinKeine Kommentare
In diesen Monaten purzeln nicht nur die Pfunde durch den angefressenen Weihnachtsspeck, sondern auch die Pfunde der Inselbewohner in der Nordsee.
Das englische Pfund ist nur noch ein Schatten seiner selbst und das letzte Relikt des Empire, welches nicht zu Grabe getragen werden darf und künstlich beatmet wird. Der Untergang des Pfund als englische Währung war schon zu Tony Blairs Zeiten abzusehen, was dieser auch weitsichtig schon damals realisierte, aber nicht aussprechen durfte.
Zu groß sind noch immer die nationalen Erinnerungsträume der Engländer, als das sie sich davon verabschieden könnten. Natürlich sollte man nicht verallgemeinern, aber ein Großteil der Engländer sieht sich noch immer als Herrscher über die Welt – Rule Britannia! – und das nicht nur bei dem zahlreichen “White Trash”.
Ob die Engländer den Euro einführen oder in China der sprichwörtliche Sack mit Reis umfällt interessiert mich persönlich ungefähr gleich viel. Lediglich aus makroökonomischer Sicht fände ich es von der EU unverantwortlich, wenn sie jetzt den Briten überhaupt das Angebot macht und versucht “ein fallendes Messer zu fangen”. Unter diesem Aspekt finde ich den Narzismuss der Briten hingegen positiv, weil ich der festen Überzeugung bin, dass es in Brüssel genug Idioten gibt, die England zum jetzigen Zeitpunkt sogar die Einführung des Euro anbieten würden.
Mo 5 Jan 2009
Erstellt von mklaholz unter
Allgemein ,
ArbeitKeine Kommentare
Ich bin heute gegen Mittag an einigen Unternehmen vorbeigekommen und habe mich gewundert, dass alle eine Feuerschutzübung machten. Vor den Türen standen Damen in leichten Blusen mit hochgezogenen Schultern hektisch neben Herren ohne Mantel mit zitternden Händen. Bis mir auffiel, dass sie eine Sache gemeinsam hatten: Rauchen. Das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz bringt’s mit sich.
Was kostet das eigentlich ein Unternehmen? Die Zigarettenpause? Kann man das beziffern? Nur 0,14 Sekunden nach meiner Suchanfrage kam die Antwort prompt: es gibt tatsächlich ein Tool zur Berechnung!
Zigarettenpausenrechner
Fehlt nur noch der Rechner für Smalltalk-am-Kopierer, Kaffeepause, unorganisierten Arbeitsplatz, mangelndes Zeitmanagement, Toilettenbesuche, Fehlinformation oder Verzögerung durch Nichtwissen, Parkplatzsuche.
Und darüber hinaus: an der Kasse anstehen, Spams löschen, Socken suchen, Schlüssel suchen, warten auf mail-Antwort, verspätete „Noch“-Freunde und die BAHN, Handwerker und Telekom Servicetechniker, am Schalter der Post zwischen Briefmarken und Überweisungen verzweifeln, Schneeschüppen, Weihnachtsgeschenke umtauschen, für..
Sa 3 Jan 2009
Allen Blog-Job-Lesern ein Frohes Neues Jahr 2009!
Obwohl alle mit schlechten Nachrichten auf 2009 wetten, beginnt der Chef der Bundesarbeitsagentur Herr Weise gleich mit einem guten Start in 2009. Die BA hat einen Überschuss von 16 Milliarden Euro für das Jahr 2008 angehäuft und legt somit eine gute Grundlage, um die anstehenden zusätzlichen potenziellen Arbeitslosen in Kurzarbeit aufzufangen. Das Geld soll in Weiterbildungsmaßnahmen fließen und somit der Qualifizierung dienen. Wie ich finde, sehr gut investiert. Das Problem sind nur die Bildungsträger selbst …
Seit Jahren werden Bildungsmaßnahmen für Arbeitnehmer von Agentur und Arge öffentlich ausgeschrieben. Seit einiger Zeit bekommen aber immer nur die günstigsten Bildungsträger den Zuschlag, ohne die Qualität der Weiterbildung zu hinterfragen.
Maßnahmen, bei denen 5 Minuten vor Seminarbeginn erst das Konzept erstellt wird, sind an der Tagesordnung. Oft existiert auch bis zum Abschluss der Maßnahme kein vernüftiges Konzept. Inhalte sind hier egal, es geht nur darum die begehrte Maßnahmenfinanzierung an Land zu ziehen.
Ironischerweise hat die BA auch aus diesem Grund einen so hohen Überschuss erzielt, weil sie externe Bildungsmaßnahmen anbietet, die den Namen noch nicht einmal verdienen. Das ist herausgeschmissenes Geld und wird als Erfolg verkauft.
Es gibt keine Qualitätsstandards für Bildungsmaßnahmen - wenn Mitarbeiter von BA und Arge diese Zustände anprangern machen sie sich bei ihren Chefs unbeliebt, den dort stehen nur die Zahlen im Vordergrund. Die leitenden Mitarbeiter von BA und Arge sollten sich einmal fragen, was sie dort eigentlich machen! Hier stinkt der Fisch vom Kopf her! Entweder es wird für eine “gute” Weiterbildung gesorgt, oder das Geld kann komplett gespart werden.
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/erwerbstaetige102.html
« Vorherige Seite