November 2008
Monats Archive
Do 13 Nov 2008
So hatte der Topagent ihrer Majestät sich das nicht vorgestellt: eine Killermaschine wollte er werden, ein Schatten, der das Fürchten lehrt, ein todbringendes Phantom, mit allen Waffen gewaschen und immer ein Schritt voraus.
Und jetzt drückt er wie ein einfacher Student die Hörsaalbank. Endlose Zahlenreihen, bebrillte Anzugträger, Theorie über Verteidigung- was soll das? Gib’ mir endlich die Walther PPK und ich räum den Laden auf. Wie er das hasste.
Tja Bond, geh doch mal zum Bonding.
Wer lieber 007 als 08/15 sein will, kann bei der bonding-studieninitiative e.V. Projektmanager sein, Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern aufbauen, Team- und Kommunikationsfähigkeiten erweitern, Koordination von Budget, Zeit und Human Resource Management trainieren und Präsentationstechniken lernen. Und das praktisch, nix Schulbank.
An elf deutschen Universitäten (Aachen, Berlin, Bochum, Braunschweig, Dresden, Erlangen, Hamburg, Karlsruhe, Kaiserslautern, München, Stuttgart) organisiert der Verein, von Studenten aus Aachen schon 1988 gegründet, Exkursionen, Vorträge, Fallstudien und Involvierung in Fremdprojekte. Dazu gibt’s an jedem Uni-Standort jedes Jahr eine Firmenkontaktmesse. Und da geht’s nicht nur um die Alternative NSA oder Mossad. 220 Unternehmen stellen aus, die Kooperationspartner des Bonding-Vereins sind alle von Rang und Namen: Audi, Henkel, IBM, Daimler, oder EADS, um nur einige zu nennen, lassen sich löblich über die Zusammenarbeit aus. Wer da schon mal durch Projekte den Fuss in der Tür hat, kann sicher nach dem Studium auch noch den Kopf hinterher schieben.
Tja, James. Da weist du doch wieder, warum du mal mit deiner Ausbildung angefangen hast. An seinen Soft-Skills zu arbeiten, schadet bestimmt nicht, am meisten begrüßt das wohl M., die es leid ist, für die Kollateralschäden ihrer Killermaschine gerade zu stehen.
Vielleicht lassen sie dich dann auch wieder von der Leine..
www.bonding.de
Di 11 Nov 2008

Es ist wieder soweit! Die fünfte Jahreszeit beginnt um 11 Uhr 11 ihr närrisches Treiben. Da wird jebützt, jeschunkelt und jetrunken- auch im Büro. Damit Sie nicht am Aschermittwoch wegen jedem jecken Fettnäpfchen den Nubbel verprügeln müssen, ein paar Tipps.
Ps.: den großen Knigge gibt’s dann hier zum Rosenmontag.
Bützen
Das bleibt nicht aus, vor allem wenn rheinisch gefeiert wird. In Köln gehört der Kuss auf die Wange einfach dazu. Inwieweit das für das Führungspersonal gilt, liegt in der eigenen Einschätzung: aber lieber in respektabler Distanz bleiben als peinlich die Grenze zu überschreiten. Mann/ Frau küsst auch nicht jemanden, der das nicht will.
Kostüm
Der Situation angemessen. Wer noch Kundenkontakt hat oder im Außendienst die Firma repräsentiert, bleibt beim Dresscode. Die Anderen feiern wie die Jahre vorher- Polonäse durch die Abteilungen, Hütchen auf, kleines Herz auf der Wange und Lametta im Haar. Den mini Mini und das Bibo Kostüm lassen Sie auch besser bis zum privaten Feiern im Schrank. Das erregt nicht nur negatives Aufsehen in der Chefetage sondern kann auch zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen.
Alkohol
Das Nicht-Bützen wird um so schwieriger, je mehr Alkohol im Spiel ist. Kommt auch darauf an, wie das in den letzten Jahren im Büro gehandhabt wurde. Meist ist aber ein Gläschen Sekt drin, soweit die Brause nicht ausdrücklich verboten wurde und die Arbeitsleistung beeinträchtigt wird.
Meinung geigen
Schlimmste Stufe der promillinduzierten Schamlosigkeit. Dem Chef mal ordentlich die Meinung zu sagen ist ein no go. Es gibt reichlich gefällte Urteil von Arbeitsgerichten, die fristlose Kündigungen bestätigten, weil Betriebsfeiern in Vulgär-Attacken ausuferten.
Von Land zu Land verschieden
Auf der Zülpicherstraße in Köln herrscht der Ausnahmezustand, in Hamburg bleibt die Hütte kalt. Karneval, Fasching, Weiberfastnacht sind regionale Volksfeste und werden entsprechend gefeiert. Und die Sache macht keinen Spaß mehr, sobald sich jemand genötigt fühlt. Schließen Sie sich den Gegebenheiten an. Je nachdem schunkeln Sie ein wenig mit, auch wenn bei „Drink doch eine met, stell dich nit esu ahn“ die Sonnenblume im Revers verwelkt oder ertragen Sie die Karnevalsmuffel und ziehen nach Dienst neckisch los.
Für Chefs
Treffen Sie für den Tag klare Ansagen, dann wissen alle, was heute geht und was nicht.
„Wir machen bis elf, danach gibt’s Bier für alle“ oder „Heute ist ein ganz normaler Tag, aber natürlich stoßen wir um 11h mit Sekt an“. So bleibt die Motivation erhalten.
Das mit dem Alkohol halten Sie als Vorbild auch besser in kalkulierbaren Grenzen. Dann sind Sie auch nicht verführt, allen heute das „Du“ anbieten und es morgen zu bereuen. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Und für Sie eben ein bischen mehr Dienst im Glas.
Ganz wichtig für alle Spätentwickler: die Freigabe zur Schlipsjagd wird erst am Donnerstag vor Rosenmontag ausgesprochen!
Jeck sein, ja. Aber schlagen Sie nicht über die Stränge und machen sich Zum Narren. Bei allem Frohsinn, karnevaleskem Herz und rheinischem Temperament- trennen Sie zur angenehmen Atmosphäre aller Berufliches vom Privaten.
Na dann..
ALAAF!!
So 9 Nov 2008
Man, bin ich Wochenend-verdient. Ich komme aus einer Hauptschule, in der ich eine Woche lang, sechs Stunden am Tag, fünf Klassen in den Beruf orientiert habe. Hauptschule, uih.
Messer, und schiefe Baseballcaps und viele Ausländer, viel zu junge Mädels in viel zu kurzen Röcken und alle können so gerade ihren eigenen Namen richtig schreiben.
Teils-teils.
Die Einen sind sehr engagiert, haben in drei Schulpraktika schon eine Berufsrichtung gefunden und verfolgen die Schulzeit mit der Motivation: bloß fertig werden damit- danach wird alles besser. Die Anderen (ca. ein Drittel) haben trotz Praktika immer noch keine Ahnung, wo’s mal hingehen soll. Und das fand ich wirklich erschreckend. Nachbereitung der Schule? Null. Austausch mit Lehrern über eigene Stärken und Schwächen? Null. Dann ist da noch ein kleiner Rest von Utopiern. Berufswusch: Schauspielerin, Pilot, Arzt, Politiker, Rapper, Richter (läuft die „Salesch“ eigentlich noch?). Großes Erstaunen wenn klar wird, welche Qualifikationen gebraucht werden. Noch eine bittere Erkenntnis: der Beruf Arzthelferin hat zwar was mit Arzt zu tun, wird aber nicht ansatzweise so gut bezahlt. Aaach?!?
Wirklich überrascht hat mich aber eine junge Frau, die gut eine Stunde zu spät kam, die Lehrerin saß kommentarlos hinten in der Klasse, und auf mein „Guten Morgen“ kam keine Antwort, was nur mich verdutzte, aber niemanden sonst. Auf meinem fragenden Gesichtsausdruck reagierend meinte die Lehrbeauftragte: „die kommt aus Polen und versteht Sie nicht. Können Sie vergessen. Lassen Sie sie einfach da sitzen.“ Bitte was? Und das war nicht der einzige Fall. Wie groß ist denn der Teil von Schülern, die da einfach mitgeschliffen werden, keinen qualifizierten Abschluss machen und an die nächste Schulform überwiesen werden? Sollen die sich doch damit rumquälen!“
Die schlimmste Zeit waren übrigens die Pausen im Lehrerzimmer. Sowas an Frust, Resignation und Front gegen Schüler hab ich noch nicht erlebt. Offene Freude über schlechte Noten Einzelner , Unheimlichen Vorwarnungen („bei dem müssen sie gleich aufpassen, der fackelt nicht lange“) und Gemecker an allen Ecken und Enden. Hallo?? Das ist doch genau Euer Job! Eure Klientel. Und wer das nicht begreift und umsetzen kann, motivierend, unterstützend, begleitend, schwänzt einen anderen Beruf. Da kann ich viel Berufsorientierung machen wenn die Lehrer schon bewußtlos-orientierungslos sind. Zum Glück gibt es auch andere: Samt und Sonders jung oder ganz klar mit Visionen aus einem anderen Beruf gewechselt. Doch das sind wenige.
Und die Rowdys, denen ich aus dem Weg gehen sollte, waren absolut handzahm, weil ich ihnen mit Respekt begegnet bin. Die waren fit, auch emotional und sozial. Die haben sich einfach nicht alles gefallen lassen. Aber wer einmal in der Schublade sitzt, kann am Ende bei allen Anschuldigungen, aus Frust nur noch so werden wie das Klischee. Aber das ist schulgemacht.
Da ist bildungspolitisch das Schulboot dermaßen in Schieflage geraten, dass mir Diskussionen um Elite-Universitäten immer unmenschlicher vorkommen. Das System hat aufgegeben und sich damit abgefunden, Looser zu produzieren und zu verwalten. Oder brauchen wir dieses Kastenwesen? Für gestiegene Ansprüche? Die Zahl der Hilfsjobs wird steigen. Service und geringe Dienstleistungen werden die Tätigkeiten sein, die Menschen ohne Qualifizierung den Broterwerb sichern werden. Für mehr wird es nicht reichen. Flaschen einsortieren im Getränkemarkt. Glück hat, wem mangels Intelligenz die Monotonie nicht auffällt. Aber viele werden sich 11000 Tage lang quälen, weil sie nicht entsprechend ihrer Schwächen unterstützt und Potentiale gefördert wurden. Und das ist viel mehr als Unglück..
Mi 5 Nov 2008
Erstellt von mklaholz unter
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morgen wird wieder gebloggt,
heute wird gefeiert..!
Sa 1 Nov 2008
Beim Vorstellungsgespräch mit dem Massband um den Kopf als nicht geeignet zu gelten, weil die Furche auf der Stirn einen chaotischen Charakter orakelt?
Das Grauen hat noch kein Ende. Zweiter Teil der kleinen Sammlung von Horrormethoden der Personalauswahl.
Phrenologie

Theorie
Durch die Kopfform lassen sich Schlüsse über Größe und Funktion der Hirnorgane ziehen.
Vermisst man den Schädel, lassen sich somit Rückschlüsse auf die psychischen Besonderheiten eines jeden Menschen machen.
An sich kein dummer Gedanke, den der Arzt Franz Josef Gall zu Beginn des 19. Jhdts hatte: Charakter und Intelligenz sah er als Zusammenspiel von verschiedenen Organen im Kopf, die alle eine besondere Aufgabe hätten und durch ihre Form, Größe und Lage zueinander den Charakter einer Person bestimmten. Praktischerweise prägen die Organe die Form des Schädels, weil sie unterschiedlich viel Raum brauchen. Und das kann man von außen messen und so Aussagen treffen. In Galls Originalversion der Lehre gab es 27 verschiedene „Organe“, die sich nach außen als Felder (für das Auge sichtbare Ausdehnungen) darstellen.
So fand er das Organ der Zeugungsenergie, der Anhänglichkeit an Kinder, der Gelehrigkeit, der Fähigkeit, Personen wieder zu erkennen u. zu unterscheiden, eigener Beobachtung, der Sanftmut oder etwa Gutmütigkeit. Aber auch die Orte von Rauflust, Grausamkeit, List, Dieberei oder Eitelkeit.
Die „phrenologische Gesellschaft“ gab an, schon die Talente und Fähigkeiten eines Sechsjährigen bestimmen und damit quasi die Zukunft vorhersagen zu können.
Der Gedanke der Phrenologie war der Anfang der modernen Neurowissenschaften, weil er sagte, dass die Funktion des Gehirn auf differenten, speziellen Teilen gründet. ABER es zeichnen sich keine Hirnstrukturen durch die Schädeldecke ab. Auch hat die Größe von Hirnarealen nichts mit deren Leistung zu tun. Quantität ist nicht gleich Qualität. Gall war der Meinung, dass das geringere Gewicht des Frauenhirns Indikator für Minderintelligenz sei.
Eine völlig haltlose Theorie und null praktikabel zur Personalauswahl.
Graphologie

Theorie
Anhand des Schriftbildes soll auf Charaktereigenschaften, psychische Erkrankungen, physische Konstitution, Details des Lebensweges und Prognosen eines Bewrbers geschlossen werden.
Graphologische Gutachten kommen gelegentlich noch vor (ländliches Familienunternehmen mit Patriachem am Tischende, der HR für die Abkürzung von HustenReiz hält). Nach allgemeiner Studienlage gibt die Deutung der Handschrift keinen Aufschluss über die Persönlichkeit und lässt auch keine Prognose über berufliche Leistung zu. Bisher gelang nicht, den Nutzen der Graphologie wissenschaftlich zu belegen, weder gibt es eine plausible Theorie noch Belege für die Wirksamkeit. Keine Gütekriterien werden eingehalten. Schlimmer noch, die Ergebnisse sind niederschmetternd. Absolut invalides Instrument.
Ich kenne eine Mathematikerin, die bei einem Einstellungstest vor ca. acht Jahren einen handschriftlichen Lebenslauf abgeben sollte und durch Kontakte zur Personalabteilung Jahre später festgestellt hat, dass ihre Unterlagen zu einem Graphologen gegangen sind und eine vernichtende Zukunftsprognose gegeben wurde. Den Job hatte sie nicht bekommen. Besagte Bekannte ist mittlerweile Unternehmerin mit 50 Angestellten..
Namenspsychologie

Theorie
Die Namenspsychologie basiert auf dem kabbalistischen Zahlenschlüssel zum hebräischen Alphabet, dessen 22 Buchstaben Zahlen zugeordnet sind, die spezifische Energien repräsentieren.
Angelika Hoefler hat in 10jähriger Forschungsarbeit ein Verfahren entwickelt, das zeigt, welche Kräfte den individuellen Charakter eines Menschen bilden und wie diese optimal genutzt werden können. Ziel ist, die Berechnung der in einem Namen (und seinem Träger) verborgenen Kräfte und diese optimal zu Nutzung.
Ich bin ein spiritueller Mensch. Ich kenne andere und bessere Wege der Psychotherapie, wie z.B. Familienstellen und bin mit Neuerer Homöopathie vertraut. Ich glaube an Informationsmedizin und Selbstheilungskräfte, an holistische Theorien und phänomenologische Psychologie. Ich bin fit in Statistik und würde gern auf die verwiesenen 15000 Analysen von Frau Hoefler sehen. Mit der Namenspsychologie komm ich wirklich ins Schwanken..
War das nicht gruselig? Ich fand’s jedenfalls spannend mal in die Anfänge der Personalauswahl zu blicken und welche Weltbilder hinter den Theorien standen. Und in 3% der Unternehmen, die teilweise auf solche Hilfsmittel greifen, offensichtlich noch stehen. Bei jeder Form der Personalauswahl geht es drum, den Richtigen, und nicht den Besten Bewerber zu finden. Und das spricht für beide Seiten- schließlich wollen Sie sich auf in dem Unternehmen wohl fühlen. Aber bei so hanebüchen Methoden sollten Sie wachsam sein. Wer weis, was da noch für Überzeugungen hinterstecken..?
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