Oktober 2008


Fast könnte man heute meinen die Katerstimmung im deutschen Bankensektor ist verflogen. Die Börsen gehen wieder nach oben, alles scheint sich zu normalisieren.

Im Prinzip erinnert die Situation der letzten Wochen an eine Party auf der plötzlich das Bier alle geworden ist und nun, nachdem jemand losgeschickt wurde und Nachschub geholt hat, kann die Party weitergehen. Geht es wirklich weiter wie bisher? Wenn ja, dann wissen wir wenigstens genau, wer die Macht auf diesem Planeten hat und wer nicht.

Ich wünsche mir eine Politik, die erkennt, dass sie handeln muss und auch wirklich handelt. Nach der letzten großen Depression haben die Menschen ihr Glück bei Diktatoren gesucht - was kommt jetzt?

Vielleicht erleben wir aber gerade auch eine positive Zeitenwende zu einer gerechteren sozialen Gesellschaft. Schön wärs …

Zwei Umfragen haben mich in den letzten Tagen stutzig werden lassen. Es ging mal wieder um die Zufriedenheit und Arbeitsmarktprognosen von Hochschul-Absolventen.

Da gibt es zum einen die Erhebung des Hochschul-Informations-Systems (HIS), das alle fünf Jahre in der HISBUS Online Untersuchung Auskünfte von in Deutschland Studierenden über ihre beruflichen und privaten Ziele für die Zukunft einzuholt. In diesem Jahr hielten die Ergebnisse einige Überraschungen parat: So haben berufliche Ziele wie „eine leitende Funktion übernehmen“, „Anerkennung im Beruf“, oder „überdurchschnittliches im Beruf leisten“ an Zustimmung verloren- zu Gunsten von „Sich der Familie und Partnerschaft widmen“. Nach Angaben immerhin 72%, was die Redaktion des HISBUS dazu verleitete, familiäre Perspektiven als Priorität anzunehmen. Leider ist nicht ersichtlich, aus welcher Fachrichtung die Absolventen stammen. Schon in der letzten Untersuchung waren 80% der Lehrämtler auf dem Familienkurs, wohingegen Wirtschaftswissenschaftler ganz klar die Karriere anpeilten. Ähnlich dürfte es auch in diesem Jahr wieder sein. Von einer Verschiebung zum „privaten“ bei der Karriereplanung kann meiner Meinung nach nicht die Rede sein. Auch die Zukunftseinschätzung fällt bei WiWi`s positiver aus, als etwa bei den Kulturwissenschaftlern. Wen wundert`s: seit Jahren wird im Kulturbetrieb eingespart. Doch ist abzuwarten, ob die Perspektiven in der Wirtschaft in den nächsten Monaten ähnlich rosig aussehen. Die Bankenkrise wird eine Menge an Arbeitsplätzen schlucken und gut qualifizierte Arbeitnehmer mit Absolventen konkurrieren. Prognosen halten nicht mal die Wochenausgabe der ZEIT durch, wie dann erst für die nächsten Monate, Jahre? Und dann noch Arbeitsmarktprognosen: Qualitativ sicherer ist gerade, in die Kristallkugel zu sehen.

Demselben Thema nach den „Absolventenperspektiven“ widmet sich auch der 10. Studierendensurvey der Bundesagentur für Bildung und Forschung (BMBF) und kommt zu dem Schluss, dass, je nach Fachrichtung Studierende unterschiedliche Berufsaussichten haben. Hört, hört!
„Kaum Schwierigkeiten, nach dem Abschluss eine Stelle zu finden“ erwarten 30% der Befragten, 35% rechnen mit Problemen bei der Stellensuche. 13% befürchten, künftig fachfremd tätig sein zu müssen, gefolgt von 11% mit „beträchtlichen Schwierigkeiten“.
Ich bezweifle, dass die Selbsteinschätzung realistisch ist. Wenn ich bei einer Stúdienberatung einen 23-Jährigen vor mir sitzen habe und versuche, mit keiner Praxiserfahrung, nicht mal Ferienarbeit, von Praktika ganz zu schweigen, seinen Lebenslauf „Siemensfähig“ zu machen, und dann höre, wie er sich, noch lebensfern durch den elterlichen Monatsscheck, seine Karriereaussichten vorstellt, bin ich oft sprachlos. Liest der keine Zeitung, keine Branchenblätter, Politikinteresse null? Offensichtlich. Ähnliches vermute ich bei einem Teil der Absolventen: Praxisferne.

Besondere Angst vor Arbeitslosigkeit haben der Erhebung zu Folge übrigens.. Rechtswissenschaftler- und zwar jeder Vierte. Das überrascht mich schon. Ich muss gestehen, dass ich nicht einen Juristen zu meinem engeren Bekanntenkreis zähle, doch teilen sie sich mit Medizinern und Psychologen die oberen Treppchen der Prstigeskala (UNI-SPIEGEL). Während den anderen beiden erwähnten Berufsgruppen glänzende Berufsaussichten gemacht werden, scheint es in der Rechtswissenschaft eng zu werden. Geteilt wird die Zukunftsangst von Kultur- und Sozialwissenschaftlern. Wer sich für das Studium entscheidet ist entweder überzeugter Generalist, auf jeden Fall Idealist, enorm flexibel und leidensstark, oder so liberal erzogen, dass eine andere Profession den Todesstoß zur Familienehre reichen würde.

Noch vor zehn Jahren war ein abgeschlossenes Fach- oder Hochschulstudium ein sicherer Garant für einen Arbeitsplatz. Die Lage wendet sich. Qualifizierte Fachkräfte sind gesucht wie nie. Vor allem die Ingenieurswissenschaften profitieren davon. Ein gutes Gehalt spielt bei den Erwartungen keine Rolle mehr, weil es einfach vorausgesetzt wird. Hier richtete sich der Fokus auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gutem Arbeitsklima und attraktiven Aufstiegschancen.

Insgesamt lässt sich ein Trend hin zum „Nationalen“ beobachten: Mehr „Wohlfühlen, Sicherheit, Familie.“ Weniger „Firmenrenommee, globale Präsenz des Unternehmens, Mega- Karriere.“ Ist das eine Entwicklung die aus der Unsicherheit des Marktes entsteht? Die Welt, die nicht mehr zu verstehen ist, chaotischer wird, große-globale Zusammenhänge nicht mehr gesehen werden, führt zu einem „back to the roots“?

Als ich gestern aus meinem Fenster geschaut habe, hat es mich etwas verwundert. Dort saßen vier Marienkäfer auf der Scheibe und waren sehr aktiv bei der Sache. Als mein Blick dann zur Hauswand schweifte konnte ich meinen Augen kaum trauen … es waren Hunderte. Die ganze Hauswand war übersät mit den kleinen Krabblern.

Am gestrigen Nachmittag habe ich dann mit meinem Sohn noch einen kleinen Spaziergang im angrenzenden Naherholungsgebiet getätigt und musste zu meinem Entsetzen meinen Mund geschlossen halten, sonst wäre mit Sicherheit ein Marienkäfer dort hinein geflogen. Es war unvorstellbar, die Luft war voll mit den nützlichen Tierchen.

Heute hatte sich diese Invasion der Marienkäfer doch ein wenig beruhigt, aber es sind noch immer etliche unterwegs. Anscheinend ist dies aber auch in weiten Teilen von Westfalen der Fall, wie ich heute dann in der Ahlener Zeitung gelesen habe. Die Invasion ist auf das milde Wetter zurückzuführen. Die gepunkteten Tierchen wollen sich noch einmal richtig satt essen und dann in den Winterschlaf starten. Das vermutet zumindest die Ahlener Zeitung …

Seit meinem Studium bin ich bei der Telefonica-Tochter O2 mit meinem Handy-Vertrag und fahre bisher unglaublich sorgenfrei und günstig. Für Studenten war O2 damals unschlagbar günstig. Auf einmal hatte jeder ein O2-Handy an der Uni und zwar innerhalb kürzester Zeit. Mittlerweile hab ich einen Duo-Vertrag, zusammen mit meiner Freundin und bin immer noch begeistert. Der Vertrag ist immer noch so günstig, dass ich sogar die Handy-Kosten für meine Freundin übernehme ;-)

Was jedoch letztens bei mir passiert ist, lässt mich an der Seriösität des Unternehmens stark zweifeln.

Vor ungefähr 1 Monat hat mich auf meinem Handy eine Mitarbeiterin von O2 angrufen und mir ein verlockendes Angebot unterbreitet. “Sie bekommen testweise unseren Tarif M für zwei Monate kostenfrei und können damit kostenlos ins Festnetz telefonieren.” Begeistert habe ich das verlockende Angebot angenommen, zumal mir noch mitgeteilt wurde, dass der Tarif nach der kostenlosen Testphase wieder ausläuft, wenn ich ihn nicht behalten möchte.

Erstaunlicherweise hatte ich in der darauffolgenden Rechnung einen Buchungsposten für Tarifumstellung und höhrer Kosten für den neuen Tarif M. Natürlich hab ich sofort die kostenfreie Hotline für Vertragskunden kontaktiert und gefragt, wie es denn seien kann, dass mir die Kollegin am Telefon eine kostenlose Testphase anbietet und mir der Betrag dann in Rechnung gestellt wird.

Noch erstaunter war ich, das mir die Dame der Hotline darauf keine Antwort gegeben hat, sondern einfach gesagt hat, dass mir der Betrag erstattet wird und die Umstellung rückgängig gemacht wird. Nochmals hab ich nach der Fehlerquelle gefragt und danach, wie ich mit telefonischen Angeboten von O2 zukünftig umgehen sollte. Ob es wirklich legitimierte Mitarbeiter sind. “Es ist leider für uns nicht nachzuvollziehen wie der Fehler passiert ist und wer dafür verantwortlich ist.

Diese Tatsache hat mich doch schon sehr erstaunt und nachdem ich dann das Gespräch beendet habe ist mir der Verdacht gekommen, dass es sich hier vielleicht um Methode handelt und das Unternehmen bewusst Kunden kontaktiert und gefälschte Angebote macht. Vielleicht in der Hoffnung, dass ca. 40 % gar nicht merken, dass sie mehr Geld bezahlen als vorher, weil sie die Rechnung nicht kontrollieren.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass bei O2, genau wie bei der Telekom, die Kundendaten geklaut wurden und jetzt irgendwelche ominösen Leute betrügerische Angebote unterbreiten, um Provisionen zu kassieren? Hat jemand ähnliche Erfahrungen?

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