„Die Investitionen in die
Mitarbeiter sind heute das Aufwendigste,
was es im Unternehmen gibt.
Gerade darum liegt es nahe, das Beste daraus zu machen.“
(Claus Henninger, FAZ)
Ist Lieschen Müller die richtige Besetzung für den CEO oder kann man von Ihrem Namen schon auf Ihre Qualitäten schließen? Um den Eignungsgrad eines potentiellen Angestellten einschätzen zu können oder das Firmenrisiko durch Mangel an Kompetenz zu schützen, lassen sich Personaler ja so einiges einfallen.
Zur Einstimmiung auf Helloween hier einige mehr als fragwürdige Methoden der Personalauswahl. Zum Gruseln! Vor Allem wenn man bedenkt, dass manche Firmen tatsächlich die Theorien in ihren Auswahlprozess eingebunden haben. Laut einer diskreten Untersuchung sind 3% immer noch davon überzeugt, den fähigsten Bewerber anhand der Kopfform, Handschrift, etc. zu finden. Ein Blick in die Glaskugel statt in die Bewerbungsunterlagen?
Konstitutionstypologie
Theorie
Über den Körperbau kann man auf den Charakter schließen.
Kleine Dicke mit geringer Schulterbreite, breiter Brust und kurzem Hals neigen zu Depression. Der Pykniker ist gesellig, lustig, sensibel, gutherzig, und ruhig. Aber wehe er wird gereizt. Dann erweist er sich als nachtragend, nicht kritikfähig, launisch, und als kleinlicher Pedant, der jede Erbse zählt. Dabei ist er hinterrücks böswillig.
Klar. Und der schlanke Kollege mit langen Beinen und Armen, dünnen Muskeln und hagerem Gesicht mag Mozart lieber als Metallica, kennt die neusten Kunstausstellungen, wirkt immer ruhig, ausgeglichen und hat ein großes Herz. ..In dem er ein fades, langweiliges Leben führt, mürrisch mit dem Kopf fühlt, nüchtern jede Gefühlsregung einbetoniert und bei Stress in überschlagende Nervosität und Unruhe verfällt.
Und in Stress ist der Leptosome, weil ihm der Athletische wieder mal am Senkel hängt. Eigentlich durchsetzungsstark, charismatisch, ein Anführer mit langem Atem, findet er keine Antwort, weil er die Frage schon nicht verstanden hat, tief denken ist nicht seins, und bringt sich innovationslos im Schatten eines Andern in Sicherheit.
Ganz so einfach ist es aber nicht. Von Körper lässt sich nicht auf Psyche schließen. Das Problem ist, dass die ganze Theorie, die Ernst Kretschmar in seinem Buch „Körperbau und Charakter“ 1921 beschrieben hat, keiner empirischen Prüfung mehr Stand hält. Kretschmer hielt nichts von statistischen Verfahren und verließ sich auf seinen „geschulten Blick“, den er vornehmlich an damals „schwachsinnig“ genannten „Irrenhaus“ Bewohnern schärfte. Die Gütekriterien einer Messung können nicht eingehalten werden (Objektivität, Validität, Reliabilität). Zu Beginn des 20ten Jahrhunderts wurde die Theorie zur Untermauerung rassistischer Kampagnen genutzt und diente Nationalsozialisten als Nährboden, um gegen bestimmte Volksgruppen unter dem Schutz der „Wissenschaft“ vorzugehen.
Die ganze Sache ist zum Glück völlig vor die Wand gefahren, aber noch nicht bei jedem angekommen.
Psychophysiognomie
Theorie
Aus bestimmten Merkmalen eines Menschen in Aussehen, Körperform, Körperbau und den Gesichtszügen kann man erkennen, welche Anlagen und Talente dieser hat. Bestimmte physiognomische Merkmale stehen für bestimmte Charaktereigenschaften
Die ausgeprägte Nasenspitze des Vorgesetzten beweist: Dieser Mensch ist weltlichen Genüssen nicht abgeneigt. Dazu sein kantiges Kinn, der starke Kiefer: der kann sich durchbeißen.
Auch auf der Psychophysiognomie haben die Nationalsozialisten Ihre Rassenlehre neu aufbauen wollen. Arier waren blond, blauäugig, kantiger Kiefer, hohe Stirn: Charakterstärke, Moral, Tatkraft.
Juden dagegen: Lange, krumme Nase, niedrige Stirn, fleischige Lippen: Kapitalismus, Weltverschwörung.
Die Beurteilung der inneren Werte (soziale und persönliche Kompetenzen) ist unwichtig, solange die Körperproportionen stimmen. Qualifikationen sind so nicht mehr Hard- und Softskills, sondern Kieferform, Haar-Augenfarbe oder Größe. Das ist so, als würden Sie die Mahlzeit nach dem Aussehen beurteilen. Und dann beißen Sie zwangsläufig in den Wachsapfel..! Im Auswahlverfahren ist die Physiognomie ein schlechtes Instrument. Es konnte kein Zusammenhang zwischen reinen Körperformen und Charakterzügen nachgewiesen werden. Einige Ewiggestrige hätten das zwar gerne so, aber die Theorie hat vor allem Vorurteile und selbsterfüllende Prophezeiungen forciert und sich damit selbst ad absurdum geführt.
Das war schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf das gespenstische Kabinett ungeeigneter Methoden zur Personalauswahl. Teil II hält noch einige Überraschungen und Kuriositäten bereit. Spätestens dann kriegen Sie das Gruseln..!
Es ist Sonntag. Ich bin endlich wieder im Bits und Bytes Strom, das Internet meiner neuen Wohnung läuft. Das Wetter in Münster mag mich nicht, das beruht auf Gegenseitigkeit, ich es auch nicht. Also surfe ich: mit Google Earth nach Fidschi, Angkor Wat in Kambodscha, Kaua’i/ Hawai. Je mehr die Vorstellung der Realität weicht, desto mehr Farbe will ich. Noch bunter, kitschiger, mehr von dem zarten Schmerz in meinen Adern, Sehnsucht nach einem Ort der, ja, was eigentlich verspricht? Was ist Bunter, besser als die Realität? Bücher zum Beispiel. Zitat aus „Love Song For Bobby Long“: „Du lebst da irgendwo in ner Phantasiewelt, wo das Leben ein Buch ist, und niemand der verdammte Autor sein will, dabei weis jeder Idiot, dass Bücher besser sind als das Leben. Darum sind es ja Bücher.“ Ok, das wäre bewiesen. Bücher sind die bessere Welt. Was noch?
Kunst fällt mir ein. Peter Doig wird grad in der Frankfurter Schirn ausgestellt, größtenteils Landschaftsmalerei, will ich unbedingt nächsten Monat hin. Kontrast dazu ein paar malträtierte Kinderköpfe, deren Münder durch Spangen und rosige Narben grauenhaft entstellt sind, aber gleichzeitig durch ihre höhnischen, Fratzen schneidenden Grimassen Ungehorsam, Widerstand, Aufruhr. Kindliche Autonomie, die in die verstummte Erwachsenenwelt schreit- Gottfried Helnwein at it’s best. Neu gefunden hab ich Nick Veasey. Künstler aus Kent/England, der mit seinem Röntgenapparat aus den 50ern alles durchleuchtet, was ihm unter den Strahl kommt. Tiere, Pflanzen, Dinge des Alltags oder schweres Gerät, „Ich reise unter die Oberflächen“ sagte er in einem Interview, der abgebildete Caterpillar ist nur eines des sehenswerten Highlights seines Schaffens. Die Personen in Staffage leben übrigens nicht mehr, wenn sie samt X-Ray festgehalten werden, es sind Tote, Lebenden würde die Strahlung den Rest geben. Schon zweimal, so Veasey, sei er in seinem Atelier, einem alten Militärstützpunkt, verstrahlt worden, was seine eigenen Aussichten nicht rosiger macht. Die Aufnahmen jedenfalls sind beeindruckend.
Oh ja, ich fühl mich merklich bunter, lebendiger. Auch durch die Musik im Hintergrund: James Mraz unterbricht meine Kuba-Phase und verbindet im Klangteppich das Grau draußen mit dem orgastischen Farbenspielen hier drin.
Je gemütlicher es hier wird, desto zickiger wird das Wetter. Tja, Pech gehabt. Mit der Laune musst du leider draußen bleiben.
Externe Fort- und Weiterbildung wird ja immer wichtiger, um seinen Marktwert weiter zu erhöhen. Volkshochschulen, Fernuniversitäten und Bildungs-Dienstleister boomen. Ständig sehe ich neue Anzeigen, die Dozenten und Semnarleiter suchen und jede Woche kommt ein weiterer Anbieter auf den Markt.
Ich suche gerade nach Human Resources- oder Personalentwicklung Seminaren, weil ich bei Studienberatungen und Bewerbungstrainings immer mehr in den Coaching-Bereich komme und immer mehr Fragen zu persönlicher Karrieregestaltung und Selbstmanagement gestellt werden. Nach zwei Abenden Suche, voll lauter knackigen Teasern, Karriere-Versprechungen und kunterbunter Pop-up Kunst, kann von mir nicht mehr wirklich die Rede sein. Dass ich mich nicht zu den Akten legen musste, verdanke ich einer Site namens Semigator..de.
Wer die gute Navigation mit detaillierten Suchangaben nutzt, findet sicher aus über 200.000 Kursen das maßgeschneiderte Wohlfühl-Seminar. Finde ich sehr hilfreich, weil man auch nach den einzelnen Kategorien Ort, Thema, Termin und Preis suchen kann. Ich bin jedenfalls fündig geworden, meine Motivation ist gerettet, sonst hätte ich die Aktion auf nächstes Jahr geschoben. Auch informativ sind die frei sehbaren Vortragsvideos, meist Mitschnitte aus Seminaren.
Wem sich die Kopfhaare bei teilweise gesalzenen Angebotspreisen, gerade in der Vorweihnachtszeit, vor Schreck in die Stirnhöhle graben wollen, sei gesagt: Bildungscheck NRW. Gibt’s unter anderem Namen aber auch in anderen Bundesländern. Bis zu 500€ der Kursgebühr können vom Land übernommen werden. In der Broschüre sind als Leistungsberechtigte zwar Unternehmen und deren Mitarbeiter mit bis zu 250 Angestellten erwähnt, die Förderung steht aber auch jeder Privatpersonen zu.
Der neue Job ist da, vielleicht der Erste. Schnittchen und Kaffeetasse sind eingepackt, das Foto des Partners und/ oder der Kinder für den Arbeitsplatz neu gerahmt, Kleidung sitzt und fühlt sich gut an? Dann kannst ja mit dem neuen Pendlerticket losgehen. Um nicht in die ersten Fettnäpfchen zu treten und bald wieder auf Stellensuche zu gehen, hier ein paar Tipps.
Gewinnen mit dem ersten Eindruck
Und zwar Akzeptanz und Partner. Um langfristig von Vorgesetzten und Kollegen akzeptiert zu werden, geben Sie keinen Anlass, sich ein anderes Bild von Ihnen zu machen, als das, welches Sie vorgeben. Ausgeschlafen und pünktlich haben Sie den besten Start am Arbeitsplatz. Sammeln Sie Sympathiepunkte, indem Sie jedem der Ihnen begegnet, vom Pförtner bis zum Chef , freundlich und mit Respekt gegenüberstehen. Achten Sie auf den Dresscode: auffällige Outfits oder gar nachlässige Kleidung sind ein “no-go” und lassen Sie unseriös erscheinen. Das erste Bekanntmachen übernimmt in der Regel Ihr Vorgesetzter. Ist dem nicht so, lassen Sie sich nicht in die Flucht schlagen oder verstecken sich. Die Augen sind längst auf Sie gerichtet. Schön! Ergreifen Sie die Initiative und machen sich mit den neuen Kollegen bekannt.
Machen Sie sich vertraut..
mit Ihrer neuen Umgebung. Jeder Gang sieht gleich aus, hinter jeder Tür ein noch fremdes Gesicht (Bekannt machen!). Wo steht der Kopierer? Das Arbeitswerkzeug, -material? Wer sind die Ansprechpartner? Nehmen Sie sich am ersten Tag ruhig Zeit, alles zu erkunden und zu fragen. Der „Welpenschutz“ ist auf Ihrer Seite. Aber warten Sie rücksichtsvoll den richtigen Moment ab, in dem Ihr gegenüber nicht von seiner eigenen Aufgabe in Beschlag genommen ist.
..und sein Sie wachsam.
Halten Sie Augen und Ohren gut auf, hören sie bei Gesprächen zu und beobachten Sie die Umgebung. So finden Sie schnell heraus, was vor sich geht: Welche inoffiziellen Regeln gibt es? Wie ist die Stimmung allgemein? Wer kann/ kann nicht mit Wem? Aber: vermeiden Sie Wertungen und Urteile. Bleiben Sie neutral und beschränken Sie anfängliche Gespräche auf freundlichen Small Talk. Der Tratsch und Klatsch wird nicht an Ihnen vorbei gehen, auch Ihre Kollegen werden versuchen zu sehen, wess Geistes Kind Sie sind. Das Lästern überlassen Sie aber besser den Anderen. Ähnliche Zurückhaltung empfiehlt sich für Flirts am Arbeitsplatz.
Geben Sie sich ein Profil und arbeiten wie ein Profi
Noch sind Sie ein unbeschriebenes Blatt. Ihre Leistungen kennt man lediglich aus Ihrer Bewerbung. Enttäuschen Sie nicht das vorgeschossene Vertrauen, indem Sie stundenlang im web surfen, private Telefonate führen oder auf den nine-to-five Job bestehen. Zeigen Sie sich gewissenhaft, zuverlässig und flexibel beim Erledigen der Aufgaben. Aber Vorsicht: wer sich übermäßig engagiert und sich damit anbiedert, zerschießt die „Beziehungsebene“ zu den Mitarbeitern. Und die ist nicht nur in der ersten Zeit überlebenswichtig.
Nicht abstürzen als Überflieger
Sie haben viele gute Ideen und alles ist sowieso falsch organisiert und zu langsam?
Geduld! Ihre Zeit kommt noch- jetzt ist erst mal die „Beschnupper-Phase“. Ich tu Dir nichts, du tust mir nichts. Das heißt aber nicht, zum Schaf zu werden: bei passender Gelegenheit sollten Sie Ihre Vorschläge dezent unterbreiten und zur Diskussion stellen. Wenn Sie dabei noch auf der Sachebene bleiben (s. „Feedback geben“ auf dieser Seite) fühlt sich niemand persönlich diffamiert.
Fehler gehören dazu
Neue Aufgaben, versteckte Strukturen, Kommunikation, die noch nicht eingeschliffen ist, der eigene Anspruch- da bleiben Fehler nicht aus. Kein Problem, solange Sie dazu stehen. Wissen Sie grad nicht weiter, holen Sie sich die nötigen Infos (bei Fehlern „fehlt“ was) und bieten Sie an, sich schnellstmöglich schlau zu machen. Gegenüber Geschäftskunden oder – partnern gestehn Sie ein, dass Sie noch neu sind. So bleiben Sie trotz Mangel vertrauenswürdig und sensibilisieren dafür, dass manche Prozesse –etwas- länger dauern können. Verweisen Sie darauf, sich die nötigen Fakten zu besorgen. Denn ein Ruhekissen ist der Status „Neuling“ nicht..
Errichten Sie Ihr Netzwerk
In der Kantine lassen sich unverbindlich Kontakte aufbauen. Wechseln Sie anfangs öfter die Tische und machen Sie sich bekannt. Auch die Raucherecke, die Teeküche oder der Büro-Kickertisch sind willkommene Orte, um in die Öffentlichkeit zu treten und Organisations- und Kommunikationswege zu erschießen.
Feedback holen
Oft vernachlässigt: das Feedback. Vereinbaren Sie mit Ihrem Vorgesetzten nach einem Monat einen Termin für ein persönliches Feedback. Auch Kollegen sind mögliche Ansprechpartner: unverfänglich lassen sich in der Kantine oder Mittagspause Anliegen klären, für die sonst die Zeit fehlt.
Erstellen Sie einen Zielplan
Was wollen Sie erreichen? Was sind die Wege dahin? Welche Perspektiven ergeben sich neu?
Mit einem Plan bleiben Sie an Ihren Erwartungen und können nachvollziehen, inwieweit Sie noch am Thema sind, was Sie schon gelernt haben und wo noch Handlungsbedarf ist. Auch für spätere Vertragsverhandlungen empfiehlt sich so eine Bestandsanalyse. Wenn möglich, am Tagesende kurz die erledigten Aufgaben festhalten und Sie haben genug Futter, sich in Krisen neu zu mobilisieren, Kritik sachlich gegenüber zu treten und Ihre Entwicklung objektiver sehen zu können.
Der neue Job bietet viele Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln und auf dem Weg zu bleiben. Denken Sie daran, dass Ihr Arbeitgeber Sie überzeugt aus allen Bewerbern gewählt hat, weil Sie am Besten für die Aufgaben geeignet sind. Und nehmen Sie die Energie mit, die eine neue Stelle mit sich bringt.
Frei nach Goethe: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.
Wer sich schon durch eine weibliche Handtasche gewühlt hat, um ihren Autoschlüssel zu finden, und dabei an den Katakomben mit fusseligen Apotheken-Bonbons, vergessenen Labellos ohne Kappe, Einzelteilen von Sparkassen-Kugelschreibern und dem Portemonnaie
in dicke eines Fotoalbums, gefüllt mit allen Praxisgebührbelegen der letzten drei Jahre, Impfausweis, Zetteln mit Telefonnummern- ohne Namen (!?!) vorbei musste, bekommt jetzt bestätigte Einblicke in die Welten des anderen Geschlechts.
Der Umweltwissenschaftler Charles Begra hat 100 Büros untersucht und bei „weiblichen“ Schreibtischen festgestellt: „außen hui, innen pfui!“ Auf den ersten Blick sauber und ordentlich, sind die Arbeitsplätze von Frauen tatsächlich viermal schmutziger als die von Männern. Sagt Begra. Als Ursache sieht er, dass viele der Frauen Mütter sind und deshalb am Arbeitsplatz alles zwischen Lebensmitteln, privaten Unterlagen und Nötigem für folgende Termine (Ballettschuhe) unter der Tischplatte horten.
Das erklärt die Situation am Schreibtisch, nicht aber das Mysterium Handtasche, Herr Begra. Eine Anregung..