September 2008
Monats Archive
Di 30 Sep 2008
Erstellt von mklaholz unter
Allgemein ,
Arbeit1 Kommentar
Mein Vater macht sich gerade noch mal selbständig und es ist spannend, die Schritte zu sehen, die dabei bewältigt werden müssen. Von der Werbung angefangen, bis zum neuen Steuerbüro, Existenzgründerzuschüsse und Businessplan. Was aber noch mehr Energie nimmt, ist der Umstand, dass er seine vorige Stelle nach fast einem viertel Jahrhundert aufgegeben hat, weil er gemobbt wurde. Nach fast einem Jahr sind die Entwürdigungen, Schikanen und nächtlichen Telefonanrufe immer noch Thema und fesseln ihn. Dazu aktuell:
In einer Kolumne der Zeit stellt eine betroffene Leserin die Frage, welche Konsequenzen die Kündigung wegen Mobbings mit sich bringt.
Bis diese Frage gestellt wurde, ist schon eine Menge schief gelaufen. Allein die persönlichen Konsequenzen sind beachtlich: Angst vor dem Büro, vorm nächsten Telefon klingeln, das Gefühl, allein zu kämpfen und die Angst, benachteiligt zu sein und von wichtigen Prozessen abgeschnitten zu werden. Stress vom Schreibtisch, der sich zuhause in der Familie entlädt, Bluthochdruck, Schlafprobleme. Viele Mobbingopfer weisen nach gewisser Zeit eindeutige Symptome einer depressiven Erkrankung auf, die Therapiebedürftig ist.
Auch wirtschaftlicher Schaden droht: Mobbing kann sich kein Unternehmen leisten. Wenn Leistungsträger von Informationen abgehalten werden, drohen teuere Fehlentscheidungen. Für ein Team ist die Situation tödlich, weil Angst herrscht. Sie frisst jede Kommunikation, Vertrauen untereinander, Austausch, Kreativität und Leistungsbereitschaft über den Arbeitsauftrag hinaus.
Also: Wer muss im Vorfeld etwas tun und was bleibt dem Opfer an Möglichkeiten?
In einer Broschüre der Bundesagentur für Arbeit und Soziales heisst es: „Der Arbeitgeber hat die Pflicht, das Persönlichkeitsrecht und die Gesundheit seiner Arbeitnehmer zu schützen. Er muss daher Mobbing unterbinden, gegen mobbende Arbeitnehmer vorgehen und alles tun, um Mobbing in seinem Unternehmen zu verhindern.“ Aus meiner Sicht und aus Erfahrungen meines Bekanntenkreises scheint allein schon dieser Auftrag fragwürdig ausgeführt zu werden. Ich kenne viele Vorgesetzte, die sich nicht die Finger schmutzig machen wollen, oder denen die Kompetenz fehlt, um auf die Missstände einzugehen. Die Unternehmen selbst sind gefragt: Nicht nur die Personal- und Organisationsverantwortlichen müssen für das Thema sensibilisiert und geschult sein, um möglichst frühzeitig und präventiv einzugreifen. Die gesamte Belegschaft braucht umfassende Informationen. Es muss klar sein, dass Mobbing kein Kavaliersdelikt ist und von Seiten der Arbeitgeber nicht geduldet wird. Eine offene Struktur, in der jeder die Möglichkeit hat, sich auszutauschen, Kommunikation gefördert wird kann verhindern, dass aus alltäglichen Konflikten Mobbing-Fälle werden.
Das Universitätsklinikum Heidelberg, Sektion Psychotraumatologie, hat eine Onlineumfrage gestartet, die klären soll, inwieweit Erfahrungen aus früheren Lebensphasen (Kindheit, Adoleszenz) die Wahrscheinlichkeit erhöhen, später ein Mobbing-Opfer zu werden. Die Fragen werden anonym behandelt und machen die Reichweite und den Blick klar, was unter Mobbing fällt und man selbst schon ein Opfer ist.
Und als Opfer? Nicht jedem ist die Kompetenz gegeben, Mobbing direkt anzusprechen. Holen Sie sich Unterstützung bei Kollegen, Ihrem Vorgesetzten oder der nächst höheren Hirarchieebene. Auch der Betriebs- oder Personalrat ist eine Anlaufstation. Versuchen sie nicht, die Anfeindungen auszusitzen: die täglichen Beeinträchtigungen im Privat- und Arbeitsbereich sind es nicht wert. Erste Hilfe und weitere Anlaufstationen finden Sie in der erwähnten Broschüre der Bundesagentur für Arbeit und Soziales.
Bundesagentur für Arbeit und Soziales: Mobbing
Bürgerinitiative gegen Mobbing
Schüler-Mobbing
Die Zeit- Kolumne zum Arbeitsrecht
Mi 24 Sep 2008
Erstellt von mklaholz unter
Arbeit1 Kommentar
Ein Personaler, der sich in der Verwaltung wieder findet, eine Physiotherapeutin, die zusätzlich putzen soll, ein Auszubildender, der mehr billiger Hilfsarbeiter auf dem Bau ist. Was darf der Arbeitgeber verlangen und wo überschreitet er sein Weisungsrecht? Und muss Frau/ Mann betriebsinterne Versetzungen hinnehmen? In einem aktuellen Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Rheinland-Pfalz ist die Frage geklärt worden.
Fazit: Frau/ Mann muss!.
Das hört sich schon mal hart an. Ausnahmen gelten nur, wenn im Arbeitsvertrag ausdrücklich eine bestimmte Stelle zugesichert wurde, die neue Tätigkeit nicht der Qualifikation entspricht oder der Arbeitnehmer mit Lohneinbußen rechnen muss (Urteil vom 28. 4. 2008 – 5 Sa 716/07).
Zu dem Urteil kam es, weil ein Schlosser geklagt hatte. Er war von seinem Arbeitgeber in einen Bereich versetzt worden, in dem überwiegend Mitarbeiter von Fremdfirmen tätig waren. Dazu kam noch eine hohe Lärmbelastung. Seine Aussage, die Weisung des Arbeitgebers sei rechtswidrig, da es sich bei seiner neuen Aufgabe nicht mehr um Facharbeitertätigkeiten handle, wies das Gericht zurück.
In ihrer Begründung verwiesen die Richter auf das Direktionsrecht des Arbeitgebers. Sind Art, Ort, Zeit und Qualität der vom Arbeitnehmer zu verrichtenden Arbeiten im Arbeitsvertrag aufgeführt, ist er innerhalb dieses Rahmens weisungsbefugt. Danach habe der Kläger nicht nachweisen können, dass der Spielraum überschritten worden sei. Als „Schlosser“ angestellt würde er im gesamten Betrieb für Schlosserarbeiten eingesetzt werden können.
Oft findet sich in Arbeitsverträgen folgende Formulierung, mit der sich Arbeitgeber die größtmögliche Flexibilität erhalten:
“Die Zuweisung einer anderen Arbeitsaufgabe im Rahmen des Zumutbaren ohne Entgeldminderung behält sich der Arbeitgeber vor. Dieser Vorbehalt wird auch durch eine lang andauernde Beschäftigung mit bestimmten Tätigkeiten nicht gegenstandslos.”
Da bleibt kaum ein Rahmen, um sich dem entgegen zu setzen. Wer traut sich schon angesichts der angespannten Wirtschaftslage und an jeder Stelle geforderter Flexibilität „Nein“ zu sagen?
Aber keine Angst: das Direktionsrecht ist nicht die Legitimation zum modernen Sklavenhandel: Unzulässig sind die Weisungen, wenn sie über den Inhalt des Arbeitsvertrages hinaus gehen. Sie können auch nicht gezwungen werden, gegen Gesetze zu verstoßen und aus der Weigerung auch nicht gekündigt werden. Sanktionen fallen unter das Maßregelungsverbot. Eine Hintertür gibt’s aber noch: Nach dem erweiterten Direktionsrecht müssen Sie tatsächlich kurzfristig Weisungen annehmen, die über den Arbeitsvertrag hinausgehen, etwa um wirtschaftlichen Schaden vom Unternehmen abzuwehren. Ein Notfall kann ein nicht vorhersehbares Ereignis darstellen, für das nicht der Arbeitgeber die Verantwortung trägt: zum Beispiel bleibt die Hotelküche wegen eines verspäteten Reisebusses länger geöffnet, das Personal schiebt Überstunden.
Meist ist der Betriebsrat die Instanz, die dem Arbeitgeber auf die Hände schaut. Ich gehe aber davon aus, dass die Unternehmen im Sinne der Belegschaft denken. Schon deshalb, weil mittlerweile klar ist, was für ein Firmenkapital in der Arbeitnehmerzufriedenheit steckt. Vieles lässt sich auch im Vorfeld klären, wenn die Zustände erstmal angesprochen werden, bevor es gleich ans Eingemachte geht. Mit der Zeit schleicht sich eine Betriebsblindheit bei den verschiedenen Systemen ein und man merkt gar nicht mehr, wo der Fisch schon stinkt..
Do 18 Sep 2008
Erstellt von uschulte unter
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Ein Crash nach dem anderen und kein Ende der Bankenkrise in Sicht. Mit welcher Inkompetenz und welcher Gleichgültigkeit Banker ein unkontrolliertes System der Geldvernichtung managen wird dieser Tage wieder extrem deutlich.
Für die meisten normalen Bürger, worunter ich mich auch zähle, ist dieses ganze Auf und Ab sehr undurchsichtig und vor allem unverständlich. Das einzige was mit Sicherheit am Ende dieser ganzen Entwicklung stehen wird ist die Tatsache, dass wir Normalbürger die Zeche zahlen müssen, weil andere sie geprellt haben.
Doch worüber soll man sich mehr aufregen? Die Tatsache, dass ein globales bankensystem versagt? Oder das ein Ende vom Aufschwung verkündet wird, wo noch nicht einmal jemand mitbekommen hat, dass es einen Aufschwung gegeben hat?
Mal ehrlich! Wer hat mitbekommen, dass es uns die letzten Jahre besser gegangen sein soll? Wir haben 1-2 Jahre erlebt, in denen die Arbeitslosenzahlen zurückgegangen sind. Die “neuen Beschäftigten” werden innerhalb der nächsten Monate sehr rasant ihren Arbeitsplatz, von dem sie noch nicht einmal leben konnten, wieder verlieren. Die Arbeitsplätze sind nämlich millionenfach in der Zeitarbeitsbranche entstanden und die wird bei einem Abschwung die Beschäftigten sehr schnell wieder vor die Tür setzen.
Ich prophezeie eine so rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit, wie in dieses Land noch nie erlebt hat. Innerhalb weniger Monate einige Millionen Arbeitslose.
Do 11 Sep 2008
Erstellt von uschulte unter
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Das unser deutsches Schulsystem eines der ungerechtesten und schlechtesten in den Industrieländern darstellt ist keine Überraschung und schon seit Jahren am Pranger der Öffentlichkeit. Diverse internationale Studien belegen eine soziale Selektion mit System, aber was eine Studie der Mainzer Universität da ans Tageslicht befördert ist schon ein Armutszeugnis des Lehrerstandes der Primarstufe.
Seit geraumer Zeit ist die Wahl der Art der weiterführenden Schule nach der Grundschuel für die Eltern nicht mehr frei wählbar, sondern wird vom Lehrpersonal diktiert. Die Universität in Mainz hat jetzt herausgefunden, dass Grundschullehrer “bewusst” die Schüler aus ärmeren Haushalten benachteiligen und “bewusst” nicht den Qualifikationsvermerk für das Gymnasium erteilen, obwohl die schulischen Leistungen dafür entsprechend vorhanden sind.
Jetzt wird einem auch bewusst, warum in Deutschland die Schulreform nicht durchgeführt wird. Wir haben eine System aus Beamten und Angestellten im Bereich des Schulwesens, welches immer noch in dem alten föderalistischen Stände-Prinzip verhaftet ist und sich natürlich auch nur aus der Oberschicht rekrutiert. Willkommen im 21. Jahrhundert!
Quelle: Spiegel
Di 9 Sep 2008
Erstellt von mklaholz unter
Allgemein[6] Kommentare
Ich dachte ich wäre Profi. Ich dachte, in den letzten vier Jahren fünf mal umgezogen zu sein, hätte mich stark gemacht. Nein. Es bleibt die Hölle.
Das Gewerbe umzumelden ist noch die leichteste Übung. Telefonanschluss, Stromanbieter, GEZ, Büchereiausweis, Adresse in den Perso. Eigenartig, wenn die Wohnung bereit ist und noch Leben fehlt. Kalt.
Und alles tun beginnt mit „wieder“.
Wieder Kartons packen: Bücher in die Hand nehmen, die schon lange Accessoires geworden sind, Regalschmuck, und der Inhalt mit den geschlossenen guten Vorsätzen und Ideen wieder die Sinne ankitzelt. Erinnern. Es ist, als ob viele alltägliche Dinge wieder erwachen, besonders werden. Schön ist das. Und bringt das Gefühl, in der neuen Fremde trotzdem vertraut zu sein.
Wieder be-greifen, alles was man hat: Photoalben, Briefe, Geschenke sehen und an Menschen denken, die damit verbunden sind. Mit der Freude auf: bei dem muss ich mich unbedingt wieder melden. Aktion mitnehmen. Merken, wie reich man ist.
Wieder neu einrichten und schmunzelnd merken, dass Geschmack sich ändert. Sich endlich trennen können und die Platten, die man jahrelang nicht gehört hat, in die Flohmarktkiste stellen. Ohne Reue.
Wieder das Wichtige vom Unnötigen trennen. Und an die Straße stellen, was auf dem Dachboden stand. Hab ich nicht gebraucht, nicht vermisst, werde ich nicht mehr brauchen oder vermissen.
Aber auch schön: wieder finden und begeistert sein, dass der Geschmack sich doch nicht ändert.
Wieder mitnehmen, weil es zum Leben gehört.
Wieder hören, weil beim Zusammenräumen der Mp3-Player auf Endlosschleife gestellt ist und längst vergessene Schätze offenbart.
Wieder auf dem Deckel beschriften, was drin ist und wo`s hin soll. Und wieder durchstreichen, was da vorher stand, statt den passenden Karton zu nehmen.
Wieder dasitzen, wie am ersten Tag, auf dem einzigen Möbel und rauschend in die leere Wohnung sehen- „so war`s mal und so ist es wieder“ denken. Noch mal die Küsse auf der Couch schmecken, der Fleck auf dem Teppich, als beim gucken der WM mit Freunden- im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica- das erste Tor und der Rotwein fiel, online zocken und aus verschiedenen Städten mit Ex-Mitbewohnern nah sein, an der Wand gelehnt und ins Telefon geweint zu haben, als es zwischen uns vorbei war, die Nächte am Schreibtisch bis es dämmerte für Gedichte-Geschichten-Hausarbeiten, die Laufstrecken um den Möhnesee.
Ich friemel die Schlüssel vom Ring, ein Eckiger öffnet jetzt die Tür und wohnt an einem neuen Bund.
Nochmal umdrehen, riechen, hören, Blick in einen orgastisch blühenden Garten, Licht, das durch die Bäume fällt, Kinderstimmen im Wald nebenan, das Knirschen von Sand unter den Schuhen beim Weggehen. Schwere im Rücken und ein Sog nach vorn.
Und Wiedersehen, weil man als Gast immer gern zurückkehren kann.
Klar wird’s mir fehlen, aber ich freu mich aufs Neue.
Nein, doch lieber einmal umgezogen als abgebrannt!
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