August 2008
Monats Archive
Fr 15 Aug 2008
Über Pannen der Bundesagentur für Arbeit beim Umgang mit ihrer Klientel und Ein-Euro-Jobs hab ich ja vor kurzem was geschrieben, jetzt kommt die nächste Schlappe. Nach der „taz“ hat die Jobbörse rund 50 Inserate von Lotto-Callcentern im Angebot, obwohl die Lottowerbung am Telefon ohne Einverständnis der Verbraucher seit Januar 2008 gesetzlich verboten ist. Die Agentur als Handlanger gesetzeswidriger Praktiken? Autsch! Da weis die linke Hand wieder nicht, was die rechte tut. Unklar ist auch, inwieweit Harzt IV-Empfänger verpflichtet sein könnten, die Angebote anzunehmen. Wer schon mal im Bahnhof an einem Gewinnspiel teilgenommen hat und das Kärtchen mit seinen Adressdaten in den vermeintlichen Audi-Hauptgewinn geworfen hat, kennt wahrscheinlich die Seuche, die dann klingelnd über einen herein bricht. Bei den Verbraucherzentralen häufen sich jedenfalls die Beschwerden über diese Art der Belästigung.
Ich habe übrigens beim Suchen keinen entsprechenden Eintrag mehr in der Jobbörse der Arbeitsagentur gefunden…
Bericht in der “taz”
Mo 11 Aug 2008
Erstellt von mklaholz unter
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Arbeit1 Kommentar
An einem kristallklaren Strand schmiegen sich leuchtende Sonnenstrahlen schlaftrunken an schäumende Wogen und tanzen vor einem illuminierenden Horizont. Unter grasenden Schäfchenwolken lasse ich das Boot zu Wasser, noch ein Blick ins Paradies und mit blähenden Segeln.. fällt das Schlüsselbund und ich schrecke auf.
Ich mache Pause. Bin eingenickt, am Schreibtisch, in voller Absicht und erholt wie aus langer Nacht. Powernapping heißt neudeutsch mein Mittagsschlaf, und es entspannt sich gleich besser, hat das Kind einen ansprechenden Namen.
Laut Jürgen Zulley, seines Zeichens ordentlicher Professor aus Regensburg und Schlafforscher liege ich damit voll im Trend. Nach den USA und Japan werden auch in Deutschland immer mehr Entspannungszonen in Unternehmen und Einrichtungen geschaffen, um für neue Konzentration zu sorgen. Das obligatorische Leistungstief kommt bei jedem zwischen 13 und 14 Uhr (im weiteren Zyklus gg 3h nachts) und zeigt anhand von erhöhten Unfallzahlen (auch Straßenverkehr), Fehlproduktionen, Konzentrationsproblemen oder Stress, dass der Mensch periodischen Veränderungen seiner Umwelt unterworfen ist. Die Maschine ist recht unzuverlässig und leistet sich teure Schwächen.
Doch Pause ist nicht gleich Pause. Tischgespräche über den Lärmpegel in der Kantine hinaus, Zigaretten- oder Kaffeepausen oder private emails checken bieten nicht den Raum zur Erholung. Nach einer Umfrage des Instituts IWD Marktforschung leisten sich 89% Deutscher Arbeitnehmer bis zu sechsmal am Tag solche Auszeiten- zusammen etwas 40 Zuatzminuten. Neue Kraft holen sie sich damit allerdings kaum. Besser: eine Runde um den Block, Treppe statt Lift, bewusst auswärts essen, einen Apfel und Salat statt Schokoriegel oder Hackbraten. Und möglichst keine Bürothemen zum Lunch. Abstand lautet die Devise.
Die ultimative Lösung heisst schlafen. 10-30 Minuten Schlaf reichen aus, um die Leistung wieder deutlich zu fördern. Alles darüber hinaus ist contraindiziert und führt in tiefere Phasen mit veränderten Hirnfrequenzen und rächt sich in den zwei Stunden, die man braucht, um aus dem Schlaftrunkenen wieder raus zu kommen. „Powernappen“ kann man überall, es braucht kein Bett oder einen extra dunklen und stillen Raum. Wichtig ist, die Augen zu schliessen und sich irgendwo anzulehnen, um die Muskulatur zu entspannen: zum Beispiel im Bürostuhl mit Lehne. Als Trick um das Aufwachen nicht zu verpassen, kann man z.B. zum erwähnten Schüsselbund greifen: mit dem Verlust des Bewusstseins (tiefere Schlafphase) lassen sie ihn automatisch fallen und werden geweckt. Andere Variante ist, vor dem Schlummer-halb-stündchen Kaffee oder Tee zu trinken. Die Wachmacher brauchen ca. 30 Minuten zur Wirkung und stellen so den inneren Timer. Nicht den Fehler machen, und sich nach dem Erwachen noch mal kurz zur Seite drehen, weil noch Zeit ist. Den Zeitpunkt verpassen Sie garantiert.
Wo das schlafen am Arbeitsplatz immer salonfähiger wird, frage ich mich, was man sich zum gemeinsamen schlafen künftig wünschen wird: Happy Napping? Guten Power? Schlafzeit! Bin gespannt. Mein Großvater meinte übrigens, dass sei in seinem Lehrerzimmer Gang und Gebe gewesen. Freistunden hätte das Kollegium regelmäßig „verschlafen“. Und ich.. segel morgen weiter..
Di 5 Aug 2008
Erstellt von mklaholz unter
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Ich habe mich nach Uli`s Beitrag zur Bewerbung 2.0 an ein Interview mit Prof.Dr. Peter Kruse erinnert, dass ich irgendwann auf Youtube gesehen habe. Er läutet darin das Ende des gesamten web 2.0 ein und seiner Argumentation kann ich bei allem Gehirnschmalz nichts entgegensetzen. Vielleicht fällt euren kritischen Geistern mehr ein.
Die Reise beginnt mit der Frage, ob und was eine Firma und ein soziales Gehirn gemeinsam haben und inwieweit daraus Intelligenz entsteht. Ein intelligentes System ist lebendig und expandiert, es lernt.
Jedes System braucht nach Kruse drei Komponenten, um lebendig zu bleiben (ein nicht lebendiger Organismus ist tot, ein Unternehmen pleite).
- Vernetzung: Ein System wird dann intelligenter, wenn sich die Vernetzungsdichte erhöht. Logisch: mehr Synapsen oder Kontakte.
- Erregung: ohne Erregung keine Aufmerksamkeit, ohne Aufmerksamkeit keine Frage, ohne Frage kein kritisches auseinander setzen, dadurch kein Hinterfragen, Grenzen überschreiten, Innovation und, wieder, lernen.
- Bewertung: Ohne Bewertung bleibt ein System beliebig, kein qualitatives Urteil ist möglich, also auch keine Verbesserung.
Ok. Weiter. Das Internet ist wohl die maximalste Vernetzung der Welt. Auch Erregung ist da, das Netz generiert ständig neue Hipes (vor allem im Sommerloch oder die künstliche Bekanntheit von Leuten mit 100.000 myspace- Feunden). Und die Bewertung? Gerade im web 2.0 (Benutzer erstellen und bearbeiten Inhalte in quantitativ und qualitativ entscheidendem Maße selbst) bleibt die Bewertung, nach Kruse, trivial. Durch unsere Bewertungsmuster, die kulturell geprägt sind (wir können aus dem System heraus nicht reflektieren, weil wir Teil sind), der Mehrdeutigkeit von Sprache und dem Konstruktivismus, aus dem heraus jeder nach Erfahrungen sein eigenes Weltbild konstruiert hat, sei der Zenit des web 2.0 schon überschritten. Zum Einzelnen, mit gewisser Intimität, mag die Bewertung noch gelingen, doch über ein einfaches „gefällt mir/ gefällt mir nicht“ kommt das web 2.0 nicht hinaus. Denn was ist ohne Bewertung bedeutungsvoll, was hat Nährwert. Masse ohne Qualität erstickt unter sich selbst. Und da die Qualitätssicherung dieses großen Systems nicht möglich ist, bliebe nur, die Trivialität anzunehmen oder Exclusivität zu schaffen, was de facto schon geschehe. Teilnetzwerke entstehen immer mehr, weg vom Großen. Und ein exclusives web ist eben kein web mehr.
Das ganze Interview in Youtube-Häppchen ist eine der geistreichsten Darstellungen von dem, was hinter Business, Management, Führung, Dynamiken in komplexen Systemen und Netzwerken steht, die ich in vielen Jahren Austausch und eigener Geschäftsführung gehört habe. Brilliant.
Also: sind wir am Anfang oder beginnendem Ende des web 2.0?
Peter Kruse: Vernetzung, Erregung, Bewertung
Peter Kruse: web 2.0 zwischen Teilnetzen und Titanenaufgabe
Fr 1 Aug 2008
Erstellt von mklaholz unter
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Feierabend: Endlich! Bloss schnell ins Auto und weg hier. Wenn der Meier mich morgen wieder so anmacht, kriegt der ein Paar. Echt! Ich schwör`s. Da fackel ich nicht mehr lange. Was bildet der sich ein? Ich probier zwei Tage rum, wie wir den Auftrag noch rechtzeitig rauskriegen, und alles was der sagen kann ist: „Welcher Phantast hat sich das denn ausgedacht?“ „Muss das sein?“ „Das machen die anderen nie!“Und dann für alle: „Da haben wir gar keine Lust drauf.“ Und ich hab einfach nur dagestanden, nicht gewusst, was ich sagen sollte und mir ist alles weg geschwommen. Wehe der kommt morgen wieder mit dem Sch..
Schon mal erlebt, von inhaltlich leeren Argumenten so überfahren worden zu sein? Hilflos das Konzept verloren zu haben, durch jemanden der seine Meinung als die der anderen verkauft und kein Widerspruch zu erwarten war, weil jeder Angst hatte, mit der Aussage auf Ablehnung zu stoßen?
So sind Killerphrasen, genau das sollen sie bewirken. Durch Scheinargumente soll ein Diskussionspartner denunziert, verunsichert, bloßgestellt oder ganz zum Schweigen gebracht werden. Vor allem, wenn trotz fehlender Sachargumente eigene Interessen durchgesetzt werden sollen, sind Killerphrasen nicht weit.
Doch was tun, um zu parieren? Wie reagieren?
Zunächst einmal: Sie müssen reagieren. Sonst etabliert sich die Methode und kommt stärker und öfter immer wieder. Lassen Sie sich nicht in die Defensive drängen und machen Sie sich klar, dass Sie zwar persönlich attackiert werden- doch nur, weil dem Aggressor die Argumente fehlen. Bringen sie das Thema zurück auf die Sachebene und entwaffnen Sie mit folgenden Möglichkeiten:
- Geben Sie eine Antwort auf die Killerphrase, die auf die Sachebene zurückführt.
A: Wozu soll denn das gut sein (mit Augenrollen)?
B: Wir waren doch gerade bei..(Metaebene) und wollen zu Punkt X (spezifisch), deshalb finde ich es eine gute Idee, dass.. (Wiederaufnahme und Weiterleitung). Direkte Ansprache: Fällt Ihnen/Euch etwas anderes ein?
- Fragen Sie genau nach, was gemeint ist und bitten Sie um sachliche Präzisierung. Achten Sie darauf, dass Ihr Gegenüber nicht wieder die Diskussion durch zuviel Redezeit an sich reißt.
A: Da habe(n) ich /wir keine Lust drauf.
B: Worauf genau hast du/ haben Sie keine Lust? Warum nicht?
- Bringen Sie die Störung direkt zur Sprache und thematisieren Sie die Killerphrase. Fragen Sie die anderen Teilnehmer nach ihrer Meinung bezüglich des Scheinarguments und lassen Sie über den Angriff urteilen. Wenn die Gruppe sich klar über das Verzögern der Situation ist, werden zukünftige Einwände meist schon im Keim erstickt.
A: Nicht heute!
B: Ich habe den Eindruck (Ich-Botschaften), dass du mauerst und deine Einwände uns nicht weiterbringen. Was meint die Gruppe zu dem Thema (Störung), Was meint die Gruppe zu dem Thema (Sachebene)?
Die ersten beiden Punkte haben den Vorteil, dass Sie nicht die Beziehungsebene zerstören, sollte die Frage nicht als Killerphrase gemeint worden sein, sondern nur eine unreflektierte Phrase. Versuchen Sie, Ihrem Gegenüber offen und vorurteilsfrei zu begegnen und nicht gleich das Schlimmste anzunehmen.
Ein Rat zum Schluß: Lassen Sie sich nicht verführen, das Duell mit gleichen Mitteln zu bestreiten und zurück zu schießen. Das führt nicht zum Ziel, kostet nur Ressourcen ohne einen Sieger zu küren und schwächt langfristig ihre Position.
Parieren Sie Killerphrasen – mit der Sachebene auf Ihrer Seite ein leichtes- verdienen Sie sich den Respekt anderer und Schutz durch den Ruf ein „Killerphrasen-Killer“ zu sein!
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