Juli 2008


Laut einer statistischen Erhebung der Hans-Böckler-Stiftung gibt es eine Trend zu ungesunden Arbeitszeiten (Quelle: PDF). Jeder dritte Arbeitnehmer arbeiten 42 Stunden und mehr in der Woche. Die durchschnittliche Arbeitszeit aller deutschen Arbeitnehmer hat sich seit 2002 um 40 Minuten auf 40,3 Stunden pro Woche erhöht.

Hartmut Seifert hat diese Erhebung durchgeführt und sieht ein enormes Gefahrenpotenzial für die Arbeitnehmer. “Wichtig ist es den Trend zu langen Arbeitszeiten zu stoppen”, sagt Seifert. Er schlägt vor, die Anreize für Schichtarbeit und phasenweise große Arbeitsbelastungen zu senken.

Die Folgen werden laut Seifert nicht lange auf sich warten lassen. Es gibt mehr Gesundheitsbeschwerden und die Ausführung der Arbeit bis in das neue hohe Rentenalter mit 67 wird für die meisten dieser Arbeitnehmer nur sehr schwer möglich sein.

Eine Freundin von mir ist hoch ausgebildet, hat ihr Studium selbst finanziert, innerhalb der Semester 10 Praktika absolviert, immer gelernt, immer gearbeitet, zehn Jahre Berufserfahrung. Sie spricht fließend vier Sprachen, ist ein blendender Unterhalter, Ratgeber und Zuhörer und hat seit kurzem einen Job im Top-Management- Bereich Asien. Und mir würde wirklich was fehlen, wenn sie nicht da wäre.
Schön für sie, mögen einige denken. Was soll das hier? Aber meine Freundin kommt aus Indonesien und unterstützt seit ihrer Ausbildung einige Kinder, nicht ihre eigenen, um ihnen eine Zukunft zu bieten. Deshalb packt sie nicht viermal im Jahr die Versace-Taschen in ihr Sportcoupe, um von irgendeinem Flughafen in die Urlaubsmetropolen der Welt zu jetten, sie pflegt keine exquisiten Hobbies (ich würde sogar sagen, sie müsste sich mal was gönnen) und zahlt ordentlich ihre nicht wenigen Steuern.

Zur Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung war sie heute im Ausländeramt (das heisst wirklich so!) und hat den Anti-Terror Test durchführen müssen, da Indonesien ein islamischer Staat ist. Zum dritten Mal, den gibt es in NRW schon länger. Nach vorher eingeholter Auskunft beim Amt wurde ihr geraten, einen Dolmetscher mitzubringen- dabei hat sie persönlich angerufen, ihre gesamte Akte, seit Beginn des Studiums in der BRD, liegt den Behörden vor, inclusive des magna cum laude Abschlusses. Also genau das, was sich Schily und Schäuble unter einem integrierten Immigranten vorstellen, gläsern, und per se unter Generalverdacht.

Während ihrer Schilderung der „Sicherheitsrechtlichen Befragung“ war ich überrascht, sie, als Wiederholungstäterin, nicht. „Haben Sie jemals für einen Nachrichtendienst… gearbeitet?“ Ja/Nein. „Haben Sie an einer Spezialausbildung (Gebrauch von Sprengstoffen oder Chemikalien, Kampfausbildung, …) teilgenommen?“ Ja/Nein „Sind Sie in einem anderen Staat wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen oder extremistischen Vereinigung, terroristischer Handlungen oder sonstiger Gewaltkriminalität verurteilt worden?“ Ja/Nein?

Nach Auskunft der Sachbearbeiterin würden die Daten geprüft, doch selbst Mohamed Atta hat seine GEZ Gebühren bezahlt und hätte wohl kaum sein Kreuz an entsprechender Stelle beim „JA“ gemacht.

Die Ausländische Studierendenvertretung (ASV) der Universität Münster hat in einem einstimmigen Beschluss die nordrhein-westfälische Landesregierung und das Düsseldorfer Innenministerium dazu aufgerufen, die Sicherheitsbefragungen von ausländischen Wissenschaftlern und Studenten in Zukunft zu unterlassen und den Fragebogen zu veröffentlichen. Die Stadt Münster hat sich über den Städtetag ebenfalls für eine Abschaffung der Fragebögen eingesetzt.

Wie Aussagekräftig ist der Gesinnungstest? Und können durch diese Maßnahme Terrorzellen entdeckt und geplante Anschläge, wie die der Kofferbomben von Dortmund und Köln oder den Sprengsätzen von Oberschledorn, verhindert werden?

Als nächstes folgen biometrische Daten in jedem Personalausweis, wie schon in Spanien, noch unter Franko eingeführt und dann ist Deutschland wieder sicher. Sicher nicht.

Meine Freundin wird die Verlängerung auch diesmal wieder durchbekommen, da die Stelle nicht von einem geeigneten Deutschen oder Bürger aus der EU besetzt werden kann. Aber lange, fürchte ich, wird sie sich das nicht mehr bieten lassen..

Was versteckt sich eigentlich hinter diesem Begriff “Bewerbung 2.0″? Was nicht?

Diese Frage konnten schon die wenigsten bei dem Begriff Web 2.0 beantworten, nun hört man immer wieder Bewerbung 2.0 hier…Bewerbung 2.0 da.

Also ich leite es von dem Begriff “Web 2.0″, der für MICH folgenden Sachverhalt wiederspiegelt: Der Internetnutzer ist selbst im Internet AKTIV, durch social networking, Community, BLOGS, und vieles mehr. Der Begriff “Bewerbung 2.0″ ist für mich daher das interaktive Networking zwischen potenziellem Arbeitnehmer und potenziellem Arbeitgeber.

Allein die Tatsache, dass eine Bewerbung per E-Mail verschickt wird, gehört für mich noch nicht zu 2.0, wie von vielen Leuten verbreitet wird. Die Tatsache, dass sich ein Arbeitgeber über ihre Bewerber im Internet informieren will und versuchen möglichst viele Informationen zu sammeln ist für mich bis zu einem gewissen Grad normal und ebenfalls nicht 2.0. Einige Unternehmen haben aber auch schon richtige Schnüffelsoftware angeschafft, was für mich dann schon eher -6.0 darstellt und eigentlich nur peinlich ist. Die Wahrung von Contenance sollte hier bedacht werden ;-) .

Was also ist Bewerbung 2.0???

In einer Studie fand der Eliteforscher Michael Hartmann heraus, dass die Sprösslinge von leitenden Angestellten, Beamten im höhern Dienst, Freiberuflern und Unternehmern in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft dominieren. Der Erfolg basiert vor allem auf dem Leistungsprinzip, dass diese Schicht schon mit der Muttermilch aufgesaugt hat: Fremdsprachenkenntnisse, ein guter Uni-Abschluss in Regelstudienzeit, Auslandaufenthalte und der Aufbau von Netzwerken im ausseruniversitären Bereich gehören zum Status Quo, noblesse oblige und bilden das Rüstzeug, um nach oben zu kommen.
Dabei können Absolventen aus solventen Kreisen auf die Herkunft und Beziehungen ihrer Eltern zurückgreifen. Praktika in renommierten Unternehmen pushen den Lebenslauf und bilden oft den entscheidenden Einstieg in die Karriere, der Bewerbern aus der Mittelschicht ohne Vitamin B verschlossen bleibt. Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Laut Hartmann überzeugt die junge Elite auch mit Persönlichkeit, die sich durch selbstsicheres Auftreten, Kommunikationsstärke, Durchsetzungsfähigkeit oder etwa Verantwortung ausdrückt. Im sozialen Milieu werden die Inhalten tagtäglich gelebt und in Gesprächen, Einstellungen und Meinungen weitergegeben. Die Studie kristallisiert, dass gerade in dieser Schicht vermehrt diese Kompetenzen auftreten. Bildung und Karriere werden bewusster wahrgenommen, geplant und durch vermehrte Informationen über Weltlage, Perspektiven und das Wissen um Zusammenhänge gefördert. Die fianzielle und ideelle Unterstützung rundet die Entwicklung ab und sichert sie.

Hört sich deprimierend an, wenn man nicht dazu gehört, oder?

Sich auf dem guten Namen auszuruhen führt jedoch nicht zwangsläufig zum Ziel, Entscheidend für einen erfolgreichen und vielversprechenden Job ist weiterhin, und über „geerbte Elite“ hinaus, die individuelle Leistung. Zwar haben die Analyse der Sozialstruktur und Pisa gezeigt, dass in keinem europäischen Staat die Bildungschancen so stark mit der Herkunft gekoppelt sind wie in Deutschland, doch steigt gerade aus der Mittelschicht die Zahl der Studierenden und Hochschulabschlüsse.

Ich hoffe ja weiterhin auf Chancengleichheit, und dass nicht nur das Handicap auf dem Golfplatz ausschlaggebend ist.

Quelle: Der Monat

Sie heißt Maria Hormann und hat es getan! Zum Ende ihres Praktikums hat sie ihren Arbeitgeber verklagt und das ist zweieinhalb Jahre her. Jetzt gab es die Entscheidung des Arbeitsgerichts.

Kurz zur Vorgeschichte…

Maria hat erfolgreich ihr Studium der Innenarchitektur an der FH in Detmold absolviert, mit summa cum laude. Um nun auch in der Wirtschaft und im Arbeitsleben zu überzeugen, entschließt sie sich für ein Praktikum, welches ihr den Berufsalltag näher bringen soll. Maria beginnt ein Praktikum in einer Agentur und stellt schnell fest, dass sie dort direkt als vollwertige Mitarbeiterin eingesetzt wird und zwar für eine Vergütung von 375 Euro im Monat. Keine Seltenheit in der heutigen Zeit, außer vielleicht in technischen, akademischen Berufen. Maria ist jedoch eine der wenigen Praktikantinnen, die sich zur Wehr setzt und verklagt das Unternehmen zum Ende ihre Praktikums auf Ausbeutung.

Jetzt bekam sie Recht! Die Agentur muss ihr für die Zeit des Praktikums monatlich ein Gehalt von 1522 Euro auszahlen. Ich finde, dieses Urteil lässt hoffen auf ein zukünftiges Umdenken in den Unternehmen, wo die Politik von Müntefering und Scholz durch Tatenlosigkeit gekennzeichnet ist.

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